Freikirchen für Freiwillige
Fragen zum Glauben und zu den religiösen Praktiken können unangenehm sein. Nicht alle Religionsgemeinschaften wollen sich dem stellen. Die Evangelische Freikirche (FMG) lehnte die Anfrage von «Züriost» auf ein Portrait ab. Deshalb beschränkt sich dieser Artikel über die älteren Freikirchen in Wetzikon auf die Freie Evangelische Gemeinde (FEG).
Der Frage zum Umgang mit der Homosexualität geht aber auch David Gronau, Pastor der FEG in Wetzikon, aus dem Weg. «Wenn wir über uns als Freikirche sprechen, wollen wir mit Jesus und der Bibel in Verbindung gebracht werden.» Themen, wie die sexuelle Orientierung, werden zwar innerhalb der Kirche besprochen. Der Grund für das Zusammenkommen sei aber der christliche Glaube und die Beziehung zu Jesus.
«Frauen können genauso mitreden wie Männer. »
David Gronau, Pastor der FEG in Wetzikon
Personen, die seine Religionsgemeinschaft nicht kennen, erlebt Gronau oftmals als neugierig. Mit skeptischen Personen bleibe er im Dialog und lade sie zu einem Besuch der Kirche ein. «Wir gehen hier sehr wertschätzend miteinander um», sagt der Gemeindevorsteher.
Keine Diskriminierung
«Wir sind eine Kirche mit einer langen Geschichte. Seit 150 Jahren sind wir in Wetzikon», sagt der Pastor. Das lange Bestehen der Gemeinschaft in der Stadt habe historische Gründe. Auch wenn die FEG ihre Ursprünge nicht bei den Täufern hat, sei sie in dieser Bewegung entstanden. «In Wetzikon sind wir die älteste Freikirche und man kennt uns hier», hält Gronau fest. Negative Erfahrungen mit der Bevölkerung habe er noch nie gemacht, er fühle sich mit seiner Gemeinschaft in Wetzikon wohl.
«Es gibt immer wieder Kinder unserer Mitglieder, die die Kirche verlassen.»
David Gronau, Pastor der FEG in Wetzikon
Seit elf Jahren leitet der 38-Jährige die Gemeinde, heute zusammen mit seinem Pastorkollegen Jürg Buchegger. Dass es noch nie eine Pastorin gab, hat gemäss Gronau keine geschlechterdiskriminierend Gründe. «Frauen können genauso mitreden wie Männer und tragen Verantwortung», sagt er. Es hätten auch schon Frauen gepredigt. In Zukunft sei es durchaus möglich, dass es einmal eine Pastorin geben werde.
Freie Freikirchen
Anders als bei herkömmlichen Landeskirchen erfolgt der Beitritt zur FEG nicht durch die Geburt. Die Mitglieder entscheiden sich bewusst dafür. Gronau betont die Freiwilligkeit der Zugehörigkeit. Gemäss Georg Otto Schmid von der Informationsstelle «Relinfo» in Rüti bleiben die Nachkommen von Freikirchenmittlieder oftmals in der Gemeinde. Dem hält der Pastor entgegen : «Es gibt immer wieder Kinder unserer Mitglieder, die die Kirche verlassen.»
«Ich glaube nicht, dass wir im Vergleich zu anderen Kirchen die Sachen besonders gut machen.»
David Gronau, Pastor der FEG in Wetzikon
Wie die meisten nicht öffentlich rechtlich anerkannten Religionsgemeinschaften der Schweiz, ist auch die FEG als unabhängiger Verein organisiert. Beitreten kann gemäss dem Pastor jeder, der will und hinter den Glaubensgrundsätzen stehen kann. «Dafür ist keine Taufe nötig», sagt er. Das Geld, das für Räume und die Durchführung der Veranstaltungen gebraucht wird, würden die Anhänger der Gemeinde aus freien Stücken zahlen. «Unsere Vereinsfinanzen sind transparent. Jeder kann so viel zahlen, wie er will», sagt Gronau. Bis jetzt konnte die Kirche ihr Angebot stets erhalten.
Auch Nicht-Mitglieder sind willkommen
Besucht wird die FEG laut dem Pastor gut. Zwei Drittel der 350 Plätze der Kirche seien an den sonntäglichen Gottesdiensten in der Regel besetzt. «Es kommen auch immer wieder Leute, die keine Mitglieder sind», sagt er. Die Kirche stünde allen offen. Obwohl die Gläubigen aus dem ganzen Oberland anreisen, stammt der Grossteil aus Wetzikon selbst.
Auch wenn die genaue Teilnehmerzahl für Gronau nebensächlich ist, beobachtet er seit letztem Sommer einen Zuwachs der Gottesdienstbesucher. Wieso das so sei, wisse er nicht. «Wir haben unser Programm nicht geändert und ich glaube nicht, dass wir im Vergleich zu anderen Kirchen die Sachen besonders gut machen.»
Ältere Freikirchen
Die Freie Evangelische Gemeinde (FEG) sowie die Evangelische Freikirche (FMG), wie sich die Freie Missionsgemeinde in Wetzikon nennt, zählt die Evangelische Informationsstelle Kirchen – Sekten – Religionen «Relinfo» aus Rüti zu den älteren Freikirchen.
Freikirchen lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Für pfingstlerisch-charismatische Gruppierungen können vom «Heiligen Geist» verliehene Begabungen noch heute verliehen werden. Für nichtcharismatische Gemeinschaften sind diese hingegen seit der Gründung des Christentums abgeschlossen. Sowohl die FEG als auch die FMG gehören zur letzteren Gruppe.
Pietismus
Die FEG ist vor bald 200 Jahren aus dem Pietismus entstanden. Diese innerkirchliche Bewegung geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Protestanten strebten damals eine Erneuerung der Kirche an und wollten die «starren» Lehren für jeden einzelnen Gläubigen erfahrbar machen. Sie strebten an, ihren Glauben auch zu leben.
Später blühte der Pietismus wieder auf und Evangelikale entstanden. Die FEG gehört zu dieser neupietistisch-evangelikalen Bewegung. Die persönliche Heilsaneignung mit der Sündenerkenntnis, die Bekehrung zum Glauben und die Wiedergeburt sind wichtige Elemente dieser Freikirchen. Daraus gehe ein aktives Christenleben hervor. Den Inhalt der Bibel nehmen Evangelikale in der Regel wörtlich.