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«In vielen angesagten Rap-Liedern fehlt eine Aussage»

Ihre «Hood» ist Fehraltorf, ihre Songtexte reichen von lustig bis nachdenklich: Sandro Badstuber und Nico Pedrett haben ihre Leidenschaft in der Rapmusik gefunden. Trotzdem können sie sich aktuell keine Zusammenarbeit mit einem grösseren Schweizer Rapper vorstellen.

Nico Pedrett (l.) und Sandro Badstuber sind ein Herz und eine Seele - auf, aber auch neben der Bühne., Die beiden Fehraltorfer Rapper hoffen auf mehrere Live-Auftritte dieses Jahr.

PD

«In vielen angesagten Rap-Liedern fehlt eine Aussage»

Nico Pedrett und Sandro Badstuber sind seit Kindertagen die besten Freunde. Die Fehraltorfer teilen alles – damals waren es Spielsachen, mittlerweile die Liebe zur Rapmusik. Seit 2008 treten sie unter dem Namen Sanic Production auf und produzieren ihre eigene Musik, vor knapp zwei Jahren erschien ihr erstes Album «Was luegsch». 

«Weg» ist einer der Songs, der auf dem Album der Fehraltorfer zu finden ist. 

Musik sei schon immer ein Teil ihrer beider Leben gewesen, so Sandro Badstuber. «Wir waren jahrelang in derselben Schülerband. Als ich den Stimmbruch bekam, sang ich weniger und weniger und konzentrierte mich auf den Rap.»

Nico Pedrett habe sich ihm dann schnell angeschlossen und die beiden entschieden, ihr erstes Studio einzurichten – im Keller des Wohnhauses von Nico Pedrett. Sie legten Geld zusammen und leisteten sich neben einem Mikrofon auch ein Interface und eine DAW, eine Digital Audio Workstation. «Letztere zwei benötigt man, um Songs aufnehmen zu können», so Badstuber. Ihre ersten Tracks rappten sie auf Beats, die sie gratis im Internet heruntergeladen hatten. 

Akustische Elemente als Merkmal 

Heute, elf Jahre später, sind Nico Pedrett und Sandro Badstuber Besitzer eines professionellen Studios in Fehraltorf. Beats aus dem Internet sind Geschichte, es wird alles selber produziert. «Dadurch sind wir viel flexibler, was den Stil und die Melodie angeht», so der 24-jährige Pedrett, der sonst als Projektleiter tätig ist. 

Passt der Beat nicht genau zum Text, wird das dem anderen angepasst. Gefällt ein fast fertiger Song eine Woche später doch nicht mehr so gut, arbeiten sie so lange daran, bis das der Fall ist. «Durch die Schülerband kamen wir in Kontakt mit diversen Instrumenten, die wir selber einspielen können. Wir brauchen nicht für alles den PC», sagt der 25-jährige Badstuber. Das sei ein Merkmal ihrer Songs: «Es gibt akustische Elemente, die man raushört.»

«Wir hatten so viele Songtexte, dass es schliesslich auf ein Album herauslief.»

Sandro Badstuber, Rapper bei Sanic Production

Ob ein Song eher traurig, aggressiv oder lustig wird, entscheide sich je nach Stimmung. «Wenn ich ins Studio komme und schlecht gelaunt bin, merkt Sandro das sofort», so Nico Pedrett. Sie würden dann über den Grund der schlechten Laune reden und diese in einem Song verarbeiten. «Dass wir uns so gut kennen, ist ein grosser Vorteil. Wir sind einer Meinung und verfolgen so das gleiche Ziel bei einem Song – meistens jedenfalls», fügt Badstuber, der sonst als Monteur arbeitet, mit einem Lachen an. Trotzdem würden die Parts der beiden unterschiedlich ausfallen, auch wenn sie sich um das gleiche Thema drehen. 

«Krass positive Reaktionen»

Dass aus all ihren Songideen dann ein Album entstanden ist, hätten sie DJ MashVyn, ihrem DJ und Produzent, zu verdanken. Er war als Zuschauer an einem Auftritt von Sanic Production – und habe Potenzial in den beiden Rappern gesehen. «Er kam auf uns zu, lud uns zu sich ein und zeigte uns einige seiner Beats. Diese haben uns angesprochen und wir haben uns sofort verstanden», erinnert sich Nico Pedrett.

Schnell ergab sich eine Zusammenarbeit – mit dem Ziel, eine EP mit etwa fünf Songs zu veröffentlichen. «Wir hatten aber so viele Songtexte, dass es schliesslich auf ein Album herauslief», so Sandro Badstuber. Dieses sei sehr gut bei den Fans, Freunden und Familien der Fehraltorfer angekommen. «Mit so krass positiven Reaktionen, auch an der Releaseparty, hätten wir nicht gerechnet.»

Mehr Auftritte, weniger Autotune 

Das Jahr 2018 schlossen sie dann mit einem letzten Auftritt an Silvester ab – danach  gingen die beiden Rapper auf Weltreise. «Wir fanden uns in Städten wie New Orleans oder Memphis wieder – alles Orte, wo die Musik eine grosse Rolle spielt.» Nach ihrer Rückkehr im Sommer 2019 seien sie wieder regelmässig aufgetreten. Dann folgte jedoch eine Pause. «Unser DJ und Produzent entschloss sich gegen Ende Jahr, die Zusammenarbeit aus zeitlichen Gründen vorerst zu pausieren», begründet Badstuber. «Wir nutzten das Timeout ebenfalls und arbeiteten nicht mehr gross an den Projekten, die wir mit ihm begonnen haben.»

Seit Anfang 2020 stehen jedoch wieder regelmässige Studiobesuche auf dem Plan. «Wir haben die Arbeit wieder aufgenommen und wollen Mitte Jahr neue Tracks veröffentlichen, unter anderem sind diverse Features in Produktion», sagt Nico Pedrett. Zu einem Song soll auch ein neuer Videoclip entstehen.

Einen konkreten Wunsch, mit wem sie gerne mal einen Song aufnehmen würden, haben sie nicht. Was auch ein wenig an der aktuellen Rap-Kultur liegt, so Badstuber. «Im Moment setzen alle auf Trap und Autotune. Das ist nicht so unser Stil.» Allgemein kritisiert er, dass es bei vielen Rappern heutzutage nur noch um den schnellen Erfolg gehe, nicht mehr um den Sprechgesang selber. «In vielen angesagten Rap-Liedern fehlt eine Aussage. Darauf legen Nico und ich aber besonderen Wert – auch bei potenziellen Zusammenarbeiten.»

Wichtig seien ihnen vor allem auch die Live-Auftritte.  «Wenn wir auf der Bühne stehen, fühlen wir uns extrem wohl. Das Ziel ist immer, die Leute mitzureissen und sich zu entwickeln.»

Sanic Production on Stage 

Der nächste Auftritt des Fehraltorfer Rapduos findet am Freitag, 7. Februar im Café Meier in Möhlin statt. Dort spielen sie im Rahmen des Beck-Maier Kulturanlasses 2020. Weitere Informationen findet man auf www.sanic-production.ch. Das Album «Was luegsch» ist als CD und auf allen gängigen Streamingportalen erhältlich. 

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