Bauma soll schnelleres Internet bekommen
Das Wichtigste in Kürze
- In Bauma wird die Swisscom bis im Sommer Glasfaserkabel verlegen
- Auch in Zell ist noch für dieses Jahr ein Ausbau der Glasfasertechnologie geplant
- In der Kritik steht die Swisscom, weil sie noch immer Kupferkabel verwendet
Bis 2021 hat sich die Swisscom zum Ziel gesetzt, jede Gemeinde in der Schweiz mit neuester Glasfasertechnologie auszustatten. Laut eigenen Angaben investiert das Schweizer Telekommunikationsunternehmen dafür jährlich 1,6 Milliarden Franken.
Gegenwärtig ist die Swisscom in 220 Gemeinden hierzulande mit dem Ausbau von Glasfasertechnologie beschäftigt. Sie sollen mit Highspeed-Internet mit Geschwindigkeiten von mindestens 80 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis maximal 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) ausgestattet werden.
Arbeiten haben begonnen
Auch in einzelnen Tösstaler Gemeinden baut die Swisscom das Netz aus. Vor Kurzem begann die Firma Axians, ein Netzbaupartner der Swisscom, in Bauma mit den Arbeiten. Konkret werden zahlreiche Glasfaserkabel verlegt und Schächte für die «Fibre to the Street» (FTTS)-Konverter eingebaut (siehe Infobox). Mit FTTS-Anschlüssen werden Geschwindigkeiten von rund 500 Mbit/s erreicht.
Die Arbeiten werden voraussichtlich bis im Sommer andauern. Schnelleres Internet erhalten die Gebiete Saland, Blitterswil, Dillhus, Hörnen sowie auch das Zentrum Bauma, sagt Armin Schädeli, Mediensprecher der Swisscom.
Sternenberg profitiert nicht
Einzelne Aussenwachten werden hingegen von den gegenwärtigen Arbeiten nicht profitieren. «Wie der Netzausbau beispielsweise in Sternenberg aussehen soll, ist noch unsicher. Da stehen noch Entscheide aus», sagt der Baumer Tiefbauvorstand Hans Rudolf Spörri (parteilos).
«Für für die Abonnenten in Bauma entstehen mit dem derzeitigen Netzausbau keine Kosten.»
Hans Rudolf Spörri, Tiefbauvorstand Bauma
Über die Höhe der Kosten für den Breitbandausbau in Bauma macht die Swisscom keine Angaben. Generell ist sie auf Anfrage zurückhaltend mit Informationen. «Für die Gemeinde sowie auch für die Abonnenten in Bauma entstehen mit dem derzeitigen Netzausbau keine Kosten», betont Gemeinderat Spörri.
Alte Kupferkabel im Einsatz
Die Swisscom erschliesst die Haushalte in Bauma mit sogenannten «Fibre to the Street» (FTTS) und «Fibre to the Home» (FTTH) Anschlüssen. Bei FTTH wird das Glasfaserkabel bis in die Wohnung hineingezogen, bei FTTS gelangt das Signal auf der letzten Teilstrecke via Kupferkabel in die Wohnung.
Während die Geschwindigkeiten bei FTTS rund 500 Mbit/s erreichen, liegen diejenigen bei FTTH bei bis zu 10 Gbit/s. Kleinere Gebäude werden mit FTTS, grössere Gebäude, die mehr als 12 Wohnungseinheiten beinhalten, mit FTTH erschlossen, erklärt Armin Schädeli von der Swisscom.
Kritik an Swisscom
Für die FTTS-Anschlüsse wurde die Swisscom mehrfach kritisiert. Fredy Künzler, Geschäftsführer des Internetanbieters Init7 und Mitglied des Grossen Gemeinderats Winterthur, sprach gegenüber dem «Landboten» und weiteren Medien von einem Standortnachteil, den Gemeinden ohne FTTH künftig haben.
Auch kritisierte er die Swisscom dafür, dass diese von einem Glasfaserausbau sprach, obgleich auch Kupferkabel nach wie vor eingesetzt werden, die jedoch die Internetgeschwindigkeit bremsen. Zur Anwendung kommen FTTS-Anschlüsse in erster Linie in ländlichen Gemeinden. In Städten wie Winterthur oder Zürich hingegen setze man ausschliesslich auf Glasfaserkabel.
Kabel sollen künftig gewechselt werden
Auf die Kritik entgegnet Schädeli: «Ein einseitiger Ausbau mit FTTH würde zu einer massiven Verzögerung des Ausbaus führen. Einerseits aufgrund der Limitierung des Ausbaubudgets, das rund 1.6 Milliarden Franken jährlich beträgt. Andererseits sind die Bauressourcen begrenzt.»
«Ein einseitiger Ausbau mit FTTH würde zu einer massiven Verzögerung des Ausbaus führen.»
Armin Schädeli, Mediensprecher der Swisscom
Gerade die ländlichen Regionen würden über Jahre hinaus auf eine bessere Breitbandabdeckung warten müssen und es entstehe ein digitaler Stadt-Land-Graben. Deshalb setze die Swisscom auf alternative Glasfasertechnologien wie FTTS. «Dazu kommt, dass die Installationen ausbaufähig sind. Das heisst, wir können in Zukunft die letzten Meter Kabel durch Glasfaser ersetzen», sagt Schädeli.
Auch in Zell wird die Swisscom aktiv
Ebenfalls ist noch in diesem Jahr ein Netzausbau in der Gemeinde Zell geplant, wie Armin Schädeli bestätigt. Noch unklar ist, in welchen Gebieten dieser genau vorgenommen werden soll. Insbesondere die Gebiete Ober- und Unterlangenhard hätten bis vor Kurzem mit einer teilweise schlechten Internetverbindung zu kämpfen gehabt, erklärt der Zeller Gemeindeschreiber Erkan Metschli-Roth.
In der Zwischenzeit sei die Glasfasertechnologie jedoch ausgebaut worden. Seit Ende des letzten Jahres profitiere die Bevölkerung von Bandbreiten von bis zu 500 Mbit/s, sagt Metschli-Roth. Er räumt jedoch ein, dass es in den genannten Gebieten noch immer Haushalte gebe, deren Internetverbindung nach wie vor eher mangelhaft ist.
«Einzelne Haushalte verfügen über Bandbreiten von weniger als 100 Mbit/s», so Metschli-Roth. Dies sei auf die Topografie und die längeren Distanzen zur neu gebauten Infrastruktur zurückzuführen.
Höhere Geschwindigkeiten laut Gesetz
Die Mindestgeschwindigkeit für die Übertragung vom Netz zum Nutzer («Download») ist gemäss Beschluss des Bundesrats seit dem 1. Januar 2020 von drei auf zehn Mbit/s erhöht worden. Bei der Übertragung vom Nutzer zum Netz («Upload») wurde der Mindestwert ebenfalls erhöht, von 0.3 auf neu 1 Mbit/s. Der Bundesrat setzte damit eine vom Parlament angenommene Motion um, welche eine Erhöhung der Internet-Mindestgeschwindigkeit in der Grundversorgung forderte.
