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Uster verzichtet vorläufig auf Patrouille-Suisse-Shows

Das Greifenseelauf-Jubiläum wurde mit einer Flugvorführung der Patrouille Suisse zelebriert. Nun gibt der Stadtrat bekannt, dass er eine solche Show nicht mehr unterstützen würde.

Zum Jubiläum des Greifenseelaufs flog die Patrouille Suisse über Uster., Wegen des Lärms und der Umweltbelastung gab es Reklamationen., Viele Zuschauer verfolgten das Spektakel während des Greifenseelaufs., Im Naturschutzgebiet brüten auch viele Vögel., Bei der Stadt macht man in Sachen Flugshow eine Kehrtwende: Nun zeigt sich die Stadt kritisch., Die Armee will die CO2-Emissionen drastisch senken. Das könnten Armeeangehörige mit umveltfreundlichen Fahrzeugen schaffen.

Archivfoto: Seraina Boner

Uster verzichtet vorläufig auf Patrouille-Suisse-Shows

Zum 40. Jubiläum des Greifenseelaufs gab es eine Flugshow der Patrouille Suisse über dem Naturschutzgebiet. Darüber haben sich viele geärgert. Einige liessen ihrem Ärger in den sozialen Medien freien Lauf. Und auch die Ustermer Politik reagierte. So reichten grüne Gemeinderäte beim Stadtrat eine Anfrage ein. Dieser hat  nun geantwortet  – und sieht  die militärische Flugvorführung ebenfalls als bedenklich an: «Aufgrund der heutigen Aspekte zum Klimawandel, der CO2-Ausstoss-Verminderung und den Fragen zur Nachhaltigkeit steht der Stadtrat einer Anfrage zur Durchführung einer Flugshow kritisch gegenüber.»  

«Als wir die Anfrage erhielten, gab es noch keine Klimademos.»

Christian Zwinggi

Lanciert hatte das Spektakel die Markus Ryffel’s GmbH, die den Greifenseelauf organisiert. Diese hatte sich im Vorfeld an die zuständige Abteilung Präsidiales der Stadt Uster gewendet. Laut Abteilungsleiter Christian Zwinggi habe man im  Mai 2018 dem Veranstalter per Mail bestätigt, dass er die Patrouille Suisse anfragen könne (siehe Box).

Klimademos sensibilisieren

Mit diesem Schritt hat die städtische Abteilung ihre Unterstützung für das Begehren kommuniziert. «Wir haben damit in Kauf genommen, dass die Fliegerstaffel nach Uster kommt.» Denn ohne diese Einverständniserklärung hätte die Patrouille Suisse die Anfrage des Veranstalters nicht berücksichtigt. Die Fliegerformation wäre somit nicht im Ustermer Himmel aufgetaucht. Diesen Sachverhalt bestätigt die Armee auf Anfrage.

«Als wir die Anfrage erhielten, gab es noch keine Klimademos», sagt Zwinggi. Dementsprechend sei man wegen der Treibhausgasemissionen auch weniger sensibilisiert gewesen. «Heute würden wir das Gesuch sicherlich nicht mehr unterstützen.»

Darüber freut sich Gemeinderat Patricio Frei (Grüne). Was ihm aber missfällt ist der Kerosinverbrauch der Fliegerstaffel. Laut Armeesprecher Stefan Hofer lag  dieser für das Training am Tag vor dem Greifenseelauf bei 12‘000 Litern. Für die Flugshow am Tag danach kamen noch 11‘000 Liter Kerosin dazu. Hofer sagt, dass in dieser Rechnung der Hin- und Rückflug nach Emmen, wo die F-5 stationiert sind, miteingerechnet ist. Frei sagt dazu: «23‘000 Liter Kerosin in die Luft pusten für eine Show, ist nicht mehr zeitgemäss.»

Umweltschutz in der Armee

Armeesprecher Stefan Hofer sagt, dass der Umweltschutz der Armee und dem gesamten VBS wichtig sei. Bis 2030 würden die CO2-Emissionen des Departementes um mindestens 35 Prozent gegenüber 2001 reduziert. Die restlichen Emissionen würden durch Zertifikate kompensiert, so Hofer.

«Ich fühle mich nicht sicherer, wenn Kampfflieger über meinen Kopf düsen.»

Patricio Frei (Grüne), Gemeinderat Uster

Aus der Antwort geht auch hervor, dass bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich fünf Lärmbeschwerden von Anwohnern aus Uster, Mönchaltorf und Fällanden eingegangen sind. Die Leute beanstandeten dabei den Lärm, und dass die Show über die Mittagszeit stattfand. Ausserdem sei die Bevölkerung nicht über den Anlass informiert worden. Doch die  Frage nach der Lärmbelastung kann Armeesprecher Hofer keine Angaben in Dezibel geben. Er sagt, dass die Lautstärke sehr stark je nach Leistungssetzung, Höhe und Distanz variiere. Daher sei der Lärm auch im Laufe der Vorführung unterschiedlich stark.

Bis 91 Meter über dem Boden

Die Patrouille Suisse habe die Mindestflughöhen eingehalten, die über dem Schutzgebiet des Greifensees gälten. Teile des Greifensees seien in die Zonen ‹Flachmoore im Uferbereich› sowie ‹Auen› und ‹Wasser- und Zugvogelreservate› eingeteilt. Für beide Zonen gelte eine minimale Überflughöhe von 300 Fuss, was rund 91 Meter entspricht.

Dass die  Patrouille Suisse in ihrer Vorführung die Leistungsfähigkeit, die Präzision und die Einsatzbereitschaft der Schweizer Luftwaffe zeigen will, zieht bei Gemeinderat Frei nicht. Sinnvoller als die militärische Verteidigung gegen fiktive Feinde, seien Investitionen in die Sicherung der Umwelt, etwa zum Erhalt der Biodiversität. «Ich fühle mich nicht sicherer, wenn Kampfflieger über meinen Kopf düsen.»

 

Einverständnis nicht gleich Bewilligung

Irritierend ist in der Antwort des Stadtrates, dass dieser nicht in das Bewilligungsverfahren der Show eingebunden gewesen sei. Die Patrouille Suisse verlangt zwar für die Durchführung der militärischen Flugvorführung tatsächlich keine Bewilligung von der Gemeinde, jedoch eine Bestätigung. In dieser muss die Gemeinde das Gesuch für die Flugshow unterstützen, was in Uster schriftlich geschehen ist.  Dies hat der Stadtrat in seiner Antwort verschwiegen.

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