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Selbst für die «Beschallung» muss der Verein bezahlen

Der Ustermer Fasnachtsverein Humoria muss für ihren Klausumzug neu höhere Gebühren bezahlen. Eine Helferin und die Präsidentin verstehen nicht warum.

Humoria-Präsidentin Sandra Pauli (links) und Helferin Erika Wagner sind mit den neuen Gebührenverordnung der Stadt unzufrieden., Vereinsmitglieder und Helfer machen sich für ihre Chlaus-Hausbesuche bereit., In diesem Jahr muss der Fasnachts- und Chlausverein auch Gebühren für die Beschallung des öffentlichen Raums bezahlen., Nachdem im letzten Jahr die Gebühren noch tiefer waren, muss der Verein sich nun um zusätzliche finanzielle Mittel bemühen.

Christian Merz

Selbst für die «Beschallung» muss der Verein bezahlen

Erika Wagner ist enttäuscht, wie die Stadt Uster den Fasnachtsverein Humoria behandelt. Ihr sind insbesondere die Gebühren, die der Verein neu an die Stadt bezahlen muss, ein Dorn im Auge. «Es ist einfach traurig, dass die Stadt einem Verein, der schon seit 1903 existiert, solche Gebühren auferlegt.»  Wagner arbeitet als freiwillige Helferin für den Fasnachtsverein Humoria. Mit der Unterstützung der Helfer kann die örtliche Fasnacht, den Kindermaskenball oder den alle zwei Jahre stattfindenden Fasnachtsumzug organisiert werden. Dazu gehört auch der Klausumzug.

«Was ist denn auf dem Stadthausplatz am Sonntagabend bitte sonst los?»

Sandra Pauli, Präsidentin Humoria

Für diesen Anlass packten die Mitglieder und Helfer an die 1000 Klaussäcke, die dann auf dem Stadthausplatz an die wartenden Kinder verteilt wurden. Doch seit diesem Jahr muss der Verein für die Benutzung des Stadthausplatzes tief in die Taschen greifen. 150 Franken bezahlte Humoria für die kurze Zeit, die der Umzugstross am Sonntag auf dem Platz stand.

Viermal höhere Gebühren

Neben Helferin Erika Wagner ist auch Humoria-Präsidentin Sandra Pauli über die höheren Gebühren der Stadt Uster erschrocken. «Wir wurden vorab nicht über den Gebührenaufschlag informiert», sagt Pauli zum Schreiben der Stadtverwaltung. Dort ist unter anderem aufgeführt, dass der Verein für die Benützung des Stadthausplatzes am letzten Sonntag 150 Franken und für die Durchführung des Klausumzuges 60 Franken bezahlen muss. Im letzten Jahr hat die Stadt dem Verein beides noch gratis überlassen. Insgesamt bezahlte der Verein in diesem Jahr rund 640 Franken an die Stadt, 2018 waren es nur 140 Franken.

Dass sie für die Benützung des Platzes am Sonntag bezahlen musste, kann Pauli nicht verstehen. Der Platz solle der Bevölkerung und den Vereinen gratis zur Verfügung stehen, sagt sie, und ergänzt: «Was ist denn dort am Sonntagabend bitte sonst los?»

Im Vorjahr kostenlos

Die neue Gebührenverordnung der Stadt Uster gilt seit dem 1. Januar 2018. Wie kann es aber sein, dass der Verein Humoria in diesem Jahr für den Stadthausplatz und den Umzug plötzlich bezahlen muss?

«Die Stadt weiss, was sie an den Vereinen hat…»

Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit Uster

Jörg Ganster, Abteilungsleiter Sicherheit der Stadt Uster sagt, dass die Verwaltungspolizei den Vereinen entgegen gekommen sei und deswegen auf die Benützungsgebühren verzichtete habe. Das betreffe diejenigen Fälle, die bereits vor Einführung der neuen Verordnung ein Gesuch für eine nichtkommerzielle Veranstaltung eingereicht oder angekündigt hätten.

Alle Vereine gleich behandeln

«Uns geht es nicht darum, etwas an den Veranstaltungen zu verdienen», sagt Ganster. Die Gebühren dürften maximal die entstehenden Kosten decken und alle Vereine müssten gleich behandelt werden. «Die Stadt weiss, was sie an den Vereinen hat, schätzt die grosse Arbeit der vielen Freiwilligen und will diese auch nicht bestrafen.» Es habe mit der neuen Gebührenverordnung zudem Erleichterungen für die Vereine gegeben. So sei mit der Stadtpolizei heute nur noch eine Anlaufstelle für Vereinsanlässe zuständig. «Vor drei Jahren ist das noch ein regelrechter Beamtengalopp gewesen, wenn ein Verein ein Gesuch gestellt hat», sagt Ganster. So hätten beispielsweise bei einem Fest nah am Waldrand auch Bewilligungen der Abteilung Bau und des Kantons eingeholt werden müssen.

Gesetzliche Vollzugsaufgaben wie die Gebührenverordnung müssten rechtsgleich angewandt und umgesetzt werden. Tendenziell werden solche Reglemente eher länger. «Das finden wir auch nicht gut», so Ganster. Viele Auflagen seien auch nicht von der Stadt, sondern würden vom Kanton oder sogar vom Bund vorgegeben. Zur städtischen Verordnung gehört allerdings die Gebühr für das «Tonwiedergabegerät».

Beschallung kostet

Zu ihrer Verwunderung sah Humoria-Präsidentin Sandra Pauli die Gebühr in ihrem Briefverkehr mit der Stadt aufgelistet. «Ich habe erst gedacht, dass uns die Stadt irrtümlicherweise 50 Franken Miete eines Tongerätes in Rechnung stellte», sagt Pauli. Dabei habe ihr eine Mitarbeiterin der Stadt gesagt, dass der Betrag anfalle, weil der öffentliche Grund damit beschallt werde.

«Es ist nicht Aufgabe der Stadt, Geschenke zu finanzieren.»

Christian Zwinggi, Abteilungsleiter Präsidiales der Stadt Uster

Pauli sagt, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt insbesondere mit deren Mitarbeitern grösstenteils sehr gut funktioniere und weitgehend sehr angenehm sei. Auch der Kontakt mit Christian Zwinggi habe ihr geholfen. Als Abteilungsleiter Präsidiales der Stadt Uster ist er für die Vereinsförderung zuständig. Christian Zwinggi hat Pauli geraten ein Gesuch zu stellen, damit die Stadt den Verein unterstützen kann.

«Sympathisch», aber…

Für Zwinggi ist der Humoria-Klausumzug und das Verteilen der Geschenke zwar «sympathisch», doch er betont: «Es ist nicht Aufgabe der Stadt, Geschenke zu finanzieren.» Mit der Vereinsförderung werde ehrenamtliches Engagement unterstützt, indem die Stadt Infrastruktur günstiger als üblich zur Verfügung stelle. Zudem werde die Kinder- und Jugendarbeit der Vereine finanziell gefördert. Oder als zweite Möglichkeit könne ein Geldbetrag gesprochen werden, etwa für ein Vereinsjubiläum. Das Gesuch zur Vereinsförderung muss jährlich neu ausgefüllt werden.     

Sandra Pauli sagt, dass das vorerst kein Thema sei. «Wir wollen möglichst finanziell unabhängig von der Stadt sein», sagt sie. «Aber die hohen Gebühren reissen ein Loch in die Vereinskasse.» Dieser «Stolperstein», der dem Verein in den Weg gelegt werde, sei unnötig. «Das nimmt uns schon etwas die Freude an der Freiwilligenarbeit.»

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