Gewalt gegen Spitalpersonal in der Region nimmt zu
Bald ist Weihnachten. Für das Ustermer Spitalpersonal eine stressige Zeit. «An diesen Tagen wird mehr Alkohol genossen, was zu deutlich erhöhter verbaler Gewalt führt», teilt das Spital Uster mit.
«Vor allem verbale Gewalt gehört zum Alltag.»
Mitteilung Spital Uster
Das bestätigt auch Elvira Wiegers vom Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). Während der Feiertage gebe es in Familien häufig Stress. «Diese sozialen Spannungen können sich auch in gewalttätigen Übergriffen gegen Spitalpersonal entladen.»
Das sieht Stephan Gervers, Kommunikationsverantwortlicher des GZO Spital Wetzikon anders. Es gebe keine Hinweise, dass beispielsweise Angehörige der Patienten während der Festtage uneinsichtiger seien.
Gewalt mit Worten
Einig sind sich die Personalvertreter und die Spitalverantwortlichen aber in dem Punkt: Auch ausserhalb der Festtage ist die Gewalt in Spitälern ein Problem. Vonseiten des Spitals Uster heisst es, dass die Gewalt gegen Rettungsdienstpersonal, Pflegerinnen oder Notfallärzte generell zunehme. «Vor allem verbale Gewalt gehört zum Alltag. Tätliche Angriffe, zum Beispiel auf das Rettungsdienstpersonal, sind glücklicherweise selten.»
«Gewalt kann bereits früh, beispielsweise in Form von verbalen Ausschreitungen, beginnen.»
Stephan Gervers, Kommunikationsverantwortlicher GZO Spital Wetzikon
Auch Stephan Gervers vom Spital Wetzikon sagt: «Meistens wird Gewalt mit Worten ausgeübt – in selteneren Fällen kommt es zu Handgreiflichkeiten. Wir stellen eine Zunahme verbaler Ausfälligkeiten in den letzten Jahren fest.»
Wie das Spital Uster mitteilt, spiele ebenfalls der Anstieg von Patienten mit Demenz oder Verwirrung eine Rolle. Diese weisen durch ihre Krankheit ein «selbst- und fremdaggressives Verhalten» auf. In diesem Zusammenhang entstehe auch ein erhöhter Aufwand für Sitzwachen und Eins-zu-Eins-Betreuung.
Nicht alle Fälle werden erfasst
Die Feststellung, dass das Spitalpersonal mehr Gewalt ausgesetzt ist, ist aber «subjektiv» gefärbt, heisst es beim Spital Uster. Zahlen können keine geliefert werden. Verhältnismässig klein ist die Anzahl gemeldeter Fälle im Spital Wetzikon: «Die aktenkundigen Gewaltereignisse im Spital bewegen sich im laufenden Jahr im einstelligen Bereich», sagt Gervers. Doch alle Vorkommnisse werden nicht erfasst. Registriert würden Gewaltfälle, die zum Beispiel polizeilichen Einsatz benötigten oder die höchste Eskalationsstufe des Spitals beträfen. Das könne beispielsweise bei einem Hausverbot der Fall sein.
«Wegen der Unterbesetzung sind die Angestellten oft alleine gelassen und ohne Hilfe der Gewalt ausgesetzt.»
Elvira Wiegers, Verband des Personals öffentlicher Dienste
Eine hohe Zahl registrierter Gewaltfälle gegen das Personal haben dagegen die Universitätsspitäler erfasst. Wie die NZZ am Sonntag kürzlich berichtete, wurden in Zürich in den vergangenen zehn Jahren 500 Zwischenfälle gemeldet worden. Also pro Woche fast ein Gewaltakt. Das Berner Inselspital verzeichnete auf der Notfallstation rund 1200 Zwischenfälle. In Genf, wo auch kleinere Interventionen gemeldet werden, seien es gar 5000.
So wird dem Personal geholfen
Was tun die Oberländer Spitäler, um ihr Personal zu schützen? Beim Spital Uster heisst es, dass die Angestellten im Eskalationsfall auf die «enge Zusammenarbeit» mit der Polizei zählen könnten. Zudem wurde das ganze Notfall-Team in den letzten zwei Jahren in Aggressionsmanagement und Deeskalation geschult.
Auf eine solche Schulung setzen auch die Verantwortlichen im Spital Wetzikon und dies seit 2013. Einer dieser Kurse heisst «Umgang mit Aggression und Gewalt am Arbeitsplatz». Dort lernen die Mitarbeitenden wie sie mittels Kommunikation und ihrem Verhalten deeskalierend auf Patienten, Besucher oder auch Kollegen zugehen können.
Unterbesetzung ein Problem
Wie Uster setzt auch das Wetziker Spital auf die Hilfe der Polizei. Bei gewalttätigen Übergriffen werde die Kantonspolizei gerufen. Das Spital erteilte zudem auch Hausverbote.
Elvira Wiegers vom VPOD begrüsst das Aggressionsmanagement der beiden Oberländer Spitäler. So könnten sich die zumeist weiblichen Angestellten in Spitälern womöglich selbst vor gewalttätigen Übergriffen schützen. Doch sie sieht ein generelles Problem für die Spitalmitarbeitenden in der Schweiz. So sei die Personalsituation auf Grund des «Sparzwangs» in vielen Spitälern angespannt. «Wegen der Unterbesetzung sind die Angestellten oft alleine gelassen und ohne Hilfe der Gewalt ausgesetzt.»
