Recherche in 100 Metern Höhe
Herr Schwyzer, Sie haben im neuen Heimatbuch einen 16-seitigen Bericht über den Dübendorfer Jabee-Tower – das höchste Wohnhaus der Schweiz – verfasst. Hatten Sie auch Zugang zu den obersten zwei Stockwerken? Die wurden ja nicht vermietet.
Martin Schwyzer: Ich konnte die Wohnungen nicht besuchen, weiss aber, wer da lebt. Mit der zuständigen Immobilien-Bewirtschafterin habe ich jedoch vereinbart, dass ich nichts darüber schreibe. Was ich gesehen habe, ist das Dach, das die Mieter nicht betreten dürfen.
Was gibt es da zu sehen?
Die Abschrägung, die dem Gebäude die Form eines Lippenstifts verleiht, ist eine meterhohe Wand, die rund um den Turm verläuft. Dahinter verbergen sich die Haustechnik und ein begrünter Bereich. Das Dach selber ist flach.
Die Öffentlichkeit wurde über den Jabee-Tower nur sparsam mit Informationen versorgt. Durften Sie sich ausser den obersten Wohnungen alles ansehen?
Es hat sich schon gezeigt, dass man die Privatsphäre der Mieter schützen möchte. Eine Wohnung, die zur Übergabe bereit war, konnte ich aber anschauen, dazu den Gemeinschaftsraum im 31. Stock sowie die Tiefgarage mit Velohalle, Ladestationen und Mobility-Parkplatz.
Martin Schwyzer gehört seit 1989 der Redaktion des Dübendorfer Heimatbuchs an. Der 75-Jährige war Biochemiker und sass von 1994 bis 2006 für die FDP im Gemeinderat Dübendorf, heute arbeitet er während einem Tag in der Woche als Geschäftsführer einer gemeinnützigen Stiftung.
Sie haben schon 1991 für das Heimatbuch über das Hochbord-Quartier geschrieben. Konnte man damals absehen, wie sich das Gebiet entwickeln würde?
Die S-Bahn war zu jener Zeit gerade fertiggestellt und es war klar, dass das Gebiet überbaut werden würde. Damals setzte sich auch die Idee durch, dass es doch schade wäre, wenn man nur Industrie und Gewerbe hier ansiedeln würde. Mit einer Umzonung wurden schliesslich auch Wohnbauten ermöglicht.
Gefällt Ihnen, was aus dem Gebiet geworden ist?
Der Jabee-Tower mit seinem Park ist städtebaulich interessant, weil er die schachbrettartige Bebauung aufbricht. Dass kein Schulraum vorhanden ist, ist sicherlich ein Wermutstropfen. Allerdings ist die Planung diesbezüglich auch schwierig. Und das Problem ist nicht akut, da in den bestehenden Bauten nicht viele Kinder leben.
Könnten Sie sich vorstellen, selber in einem Hochhaus zu wohnen?
Ich und meine Frau haben uns aus privater Neugier das Hochhausprojekt Three Points angeschaut, das ebenfalls im Hochbord geplant ist. Es hat schon was, so zu wohnen. Wir haben uns trotzdem dagegen entschieden.
192 Seiten Dübendorf
Nachdem in diesem Sommer 87 lebensgrosse Einhörner das Dübendorfer Ortsbild geprägt haben, setzt sich das Einhornfieber auch im Heimatbuch 2019 fort: Autorin Daniela Schenker berichtet über die vielbeachtete Aktion des Verschönerungsvereins (VVD) und die Geschichte dahinter. Auch im Text über das 100-jährige Bestehen des VVD wird das Dübendorfer Wappentier bildlich prominent in Szene gesetzt. Und natürlich ist auch ein Einhorn auf dem Titelbild des Buchs.
In einem weiteren Bericht blickt Dorfhistoriker Hugo Maeder zurück ins Dübendorf vor 100 Jahren. Dazu gibt es ein Porträt von Flugpionier Oskar Bider, ein ausführliches Interview zum Anlass des Jubiläums 125 Jahre Genossenschaft Wasserversorgung Dübendorf und einen Text über den «Zaubergarten» der Dübendorferin Francesca Stockmann. Weitere Themen sind der Jabee-Tower (siehe Haupttext) und das 100-jährige Bestehen der SVP Dübendorf. Der zweite Teil des Buchs besteht aus einem ausgiebigen Chronikteil.
Das Heimatbuch Dübendorf 2019 kann bei Trudi Trachsler, Alte Gfennstrasse 34, 8600 Dübendorf oder unter trachsler@glattnet.ch bestellt werden. Alle Autoren arbeiten ehrenamtlich. Den Buchpreis legen die Leser individuell fest.
