«Moskau hat einen roten Platz und Egg hat einen toten Platz»
An der Egger Gemeindeversammlung vom 25. November ging die Kreditabrechnung der Gestaltung des neuen Chilbiplatzes sowie der darunterliegenden Tiefgarage über die Bühne. Zwar wurden beide von einer Mehrheit der Anwesenden genehmigt. Einige Reaktionen der Stimmberechtigten zeigten jedoch: Zufrieden ist man mit dem Chilbiplatz ganz und gar nicht. Auch Werner Senn, der seit bald 40 Jahren in Egg wohnt, ist enttäuscht.
Grosse Pläne für die Bevölkerung
Im September 2015 stimmte die Gemeinde der Erstellung des Chilbiplatzes zu. Der Platz sollte neben der Chilbi beispielsweise auch für die Viehschau und andere Ausstellungen zur Verfügung stehen. Zudem sollte er der Bevölkerung als freier Aufenthalts- und Begegnungsort dienen. Viele kreative Visualisierungen und Pläne konkurrierten in einem Wettbewerb, bei dem das Projekt des Landschaftsarchitekten Hager Partner AG als Sieger hervorging.
Das prägende Element bildet ein Pavillon mit transparentem Stahl-Dach, das «wettergeschütztes Verweilen» ermögliche, so der Gemeinderat. Zudem befinden sich frei gruppierbare Stühle und Bänke, teilweise mit Sonnenschutz, sowie drei grosse Trompetenbäume auf dem Platz. Im Mai 2018 wurde er feierlich eingeweiht.
«Es ist ein liebloser, kahler Teerplatz.»
Stimmbürger aus Egg
Aber viele finden kein Lob für den Platz. «Es ist ein liebloser, kahler Teerplatz», meinte ein Egger an der Gemeindeversammlung. Senn sagt: «Was ist der Unterschied zwischen Moskau und Egg? Moskau hat einen roten Platz und Egg hat einen toten Platz.» Er verfolgte die Gestaltung fast täglich mit, und sagt, es seien schon während des Baus einige Ideen abgeändert oder verworfen worden.
Eigentlich seien blattförmige Güsse aus Bitumen – einem pechartigen Material – auf dem Teerplatz vorgesehen gewesen. Beim Bau habe man aber bemerkt, dass dieses Konzept nicht funktioniere, da das Material wegen der Neigung des Platzes während der Produktion ausgelaufen wäre, so Senn. Stattdessen habe dann man die Löcher einfach mit hellerem Teer aufgefüllt. «Die sogenannten Blätter sehen aus wie Flecken, jedes Kind hätte das schöner malen können», findet Senn. Gemäss Bauführer habe dieses komplexe Unterfangen zusätzlich 50‘000 Franken gekostet.
Hält nicht, was er versprach
An der Gemeindeversammlung äusserte ein Bürger einen weiteren Kritikpunkt: «Der Chilbiplatz ist ein Hotspot. Nicht, weil er so beliebt ist, sondern weil er extrem heiss ist.» Die Hitze sei im Sommer kaum auszuhalten, stimmt auch Senn zu. «Ohne die Fontäne würden sich die spielenden Kinder auf dem Asphalt die Füsse verbrennen.»
Auch für die Viehschau taugt der Platz gemäss Senn nicht, denn der Untergrund sei für die Hufe nicht geeignet. Die Organisatoren der Viehschau wollen die Veranstaltung weiterhin auf einer Wiese durchführen, wo die Tiere sich hinlegen können. Die Pfosten, um die Kühe anzubinden, wurden aber bereits auf dem Chilbiplatz angebracht. Er sagt: «Einige davon wurden nun zweckentfremdet und zu Sonnenschirmständern umfunktioniert.»
«Temporäre Blumenkisten wären schön gewesen.»
Werner Senn, Egger
An der Gemeindeversammlung wurden ausserdem die fehlenden Grünflächen bemängelt. Senn relativiert, ein Rasen wäre nicht möglich gewesen, da schliesslich Veranstaltungen wie die Chilbi einen harten Untergrund bräuchten. «Temporäre Blumenkisten wären aber schön gewesen», fügt er an.
Der Gemeinderat rechtfertigt sich
Tobias Zerobin, Gemeindeschreiber von Egg, bezieht Stellung zu den Vorwürfen: «Der Chilbiplatz wurde so ausgeführt, wie er von der Gemeindeversammlung bewilligt wurde.» Dort habe man bestimmt, dass der Platz geteert werden soll. Dass beim Prozess einiges schiefgelaufen sei, könne er nicht bestätigen.
Ausserdem habe sich kürzlich in Egg im Rahmen des Projekts EHG+ eine Arbeitsgruppe gebildet, mit dem Ziel, die öffentlichen Plätze der Gemeinde zu untersuchen und zu optimieren: «Sie arbeiten daran, Plätze lebendiger und vielleicht grüner zu gestalten.» Egger könnten sich also aktiv an der weiteren Entwicklung des Chilbiplatzes beteiligen. Auch der Gemeindepräsident Tobias Bolliger sagte an der Gemeindeversammlung: «Der Chilbiplatz steht dem Volk zur Verfügung. Bei guten Ideen können Leute auf den Gemeinderat zu kommen.»
Auch die Tiefgarage ist unbeliebt
Senn ist ebenfalls enttäuscht über die Ende 2017 eingeweihte Tiefgarage unter dem Chilbiplatz: «Ich finde es nicht optimal, dass man bereits beim Einfahren wissen muss, wie lange man parkieren will.» Das lasse keine Spontaneität zu – bei der Ausfahrt für die gebrauchte Zeit zu bezahlen wäre besser gewesen, so Senn. Die Tiefgarage werde deshalb selten benutzt. «Für das hat die Garage viel zu viel gekostet», sagt er.
