Wird Einweggeschirr bald verboten?
Das Wichtigste in Kürze:
- Links-grün will Feste ohne Wegwerfbecher
- Am nächsten Dorffest wird ein Pfandsystem eingeführt
- Offen bleibt die Frage, wer die Mehrkosten trägt
Städte wie Bern oder Thun haben es bereits, Genf zieht Anfang 2020 nach. Die Rede ist von einem Verbot von Einwegbechern und -geschirr an bewilligungspflichtigen Veranstaltungen. Wird auch die Stadt Dübendorf bald entsprechende Vorschriften einführen?
Der Stadtrat soll bei bewilligungspflichtigen Anlässen ein Verbot prüfen, fordern Julian Croci (Grüne) und neun Mitunterzeichnende in einem Postulat. «An jedem Fest fallen Unmengen an Müll an, und das Littering ist ein grosses Problem», sagt Croci, und er ist überzeugt: Beides könnte man in den Griff bekommen, wenn anstelle von Wegwerfgeschirr wiederverwendbare Becher und Teller verwendet würden.
Wer zahlt die Mehrkosten?
Der grüne Gemeinderat ist sich bewusst, dass dies etwa für Vereine, die ein Fest machen, mit Mehrkosten verbunden wäre. Er will deshalb vom Stadtrat wissen, inwieweit dieser bereit wäre, nichtkommerziellen Veranstaltern unter die Arme zu greifen.
Die Unterstützung könne finanzieller Natur sein, sagt Croci. «Denkbar wäre aber auch, dass die Stadt eine Partnerschaft eingeht mit einem Unternehmen, welches Mehrwegbecher und -geschirr anbietet – oder dass der Stadtrat gleich selber einen entsprechenden Grundstock an Becher, Teller und Besteck anschafft und den Vereinen zur Verfügung stellt.»
Nicht in jedem Fall ökologischer
Während niemand bestreitet, dass ein Mehrwegsystem mit Depot den Abfallberg an einem Fest deutlich verkleinert, gibt es zum ökologischen Aspekt zahlreiche Studien, die sich teilweise widersprechen. Denn: Auch Transport und Reinigung benötigen Energie und verursachen CO2. Ausserdem ist der Materialeinsatz deutlich höher als bei Einweggeschirr. Dazu kommt eine je nach Festgrösse komplizierte Logistik. Dieser Umstand etwa war der Hauptgrund, weshalb die Stadt Zürich am letzten Züri-Fäscht nichts von Mehrweggeschirr wissen wollte.
«Für die Einführung eines Mehrwegsystems hat uns der Stadtrat Unterstützung signalisiert.»
Marcel Ingold, Präsident OK Dübifäscht
Die Mehrheit der Untersuchungen stellt allerdings dem Mehrwegsystem ein tendenziell besseres Öko-Zeugnis aus. So auch eine Studie des St. Galler Openairs – allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Becher sieben Mal wiederverwendet würden. Das sei realistisch, sagten die Veranstalter dieses Jahr gegenüber der Onlineplattform Nau.ch. Oftmals würden die Becher viel häufiger genutzt. Mit entscheidend für die Umweltbilanz ist gemäss Studie, ob das Geschirr gleich auf dem Areal gereinigt wird oder ob eine Fahrt zu einer externen Reinigungsstation nötig ist.
Kontroverse Diskussion
Der Stadtrat hat seinen Standpunkt zum Thema noch nicht festgelegt. Man werde das Anliegen prüfen, sagt Tiefbauvorstand Jürgen Besmer (FDP) auf Anfrage. Dass die Stadtregierung zumindest keine ablehnende Haltung einnimmt, lässt Marcel Ingold durchblicken. Ingold ist der Präsident des Organisationskomitees des Dübendorfer Dorffäschts, welches das nächste Mal vom 4. bis 6. September 2020 stattfindet. «Für die Einführung eines Mehrwegsystems hat uns der Stadtrat Unterstützung signalisiert.» Wie diese konkret aussehen könnte, stehe allerdings noch nicht fest, so Ingold.
«Es ist gut denkbar, dass wir erst einmal nur mit Bechern arbeiten.»
Marcel Ingold, Präsident OK Dübifäsch
Gleichzeitig ist noch nicht klar, wie der Mehrweg-Gedanke dereinst am Dorffäscht umgesetzt werden soll. Denn das Thema wurde an der letzten Vereinssitzung Ende September durchaus kontrovers diskutiert. Ein Knackpunkt war etwa die Rückgabe, die gemäss OK an jeden Stand und in jedem Festzelt möglich sein soll. Doch die Vereine, die nur Getränke ausschenken, wollten nicht auch noch Teller und Besteck annehmen, weil das für sie einen massiven Mehraufwand bedeute.
Entscheid im April
Nicht umstritten war der Ansatz, dass Pet-Flaschen und Getränkebüchsen nur gegen eine Pfandmünze verkauft werden sollen. Das soll gemäss OK die Abfallmenge reduzieren und vor allem das Litteringproblem verringern. Am Ende sprachen sich die anwesenden Vereine in einem Grundsatzentscheid deutlich für ein Mehrwegsystem aus. Gemäss Ingold wird an der nächsten Vereinssitzung im April das Mehrweg-Konzept vorgelegt und entschieden, ob nur mit einem Bechersortiment und Pfandmünzen gefahren wird oder ob es das volle Programm gibt.
«Es ist gut denkbar, dass wir erst einmal nur mit Bechern und Pfandmünzen arbeiten und dann am nächsten Dorffäscht auch Geschirr und Besteck einbeziehen», sagt Ingold. Hauptsache sei, dass man sich auf freiwilliger Basis erste Sporen abverdiene und Erfahrungen sammle, «bevor wir dazu gezwungen werden».
