Eine «Kulturland-Initiative» für Nänikon
Eine Strasse durchs Grüne – das passe einfach nicht in die heutige Zeit, die von der Klimadebatte dominiert wird, meint Patricio Frei. Der grüne Gemeinderat aus Uster begründet unter anderem mit der politischen Grosswetterlage die beiden Initiativen, die die Ustermer Grünen am Dienstagmorgen dem Bauvorstand Stefan Feldmann (SP) überreichten.
Diese zielen auf den Schutz des Näniker Grossriets ab, das die Grünen durch ein Strassenprojekt des Kantons bedroht sehen: Die 640 Meter lange Neue Greifenseestrasse soll dereinst die heutige Greifenseestrasse mit der Zürichstrasse verbinden – und mitten durch das unbebaute Grossriet führen.
Durch die neue Strasse soll insbesondere das Volketswiler Industriegebiet vom Verkehr entlastet werden. Die Gegner befürchten nicht nur den «Verlust von wertvollem Kulturland» sondern auch ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der Nachbargemeinde Greifensee.
Zwischenzeitlich beerdigt
Die Pläne für die umstrittene Strasse stammen aus den 1980er Jahren und wurden zwischenzeitlich ad acta gelegt. Nachdem die Umsetzungsvorlage zur Kulturlandinitiative von der Bevölkerung aber abgelehnt wurde, nahm die Planung wieder Fahrt auf.
Doch der Widerstand gegen das Vorhaben führte dazu, dass die Ustermer Grünen gleich zwei Initiativen ausgearbeitet haben: Die «Initiative gegen den sinnlosen Bau der Neuen Greifenseestrasse in Nänikon» verlangt vom Ustermer Stadtrat, sich «mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln» gegen den Bau der neuen Strasse einzusetzen.
Diese Initiative wurde innert drei Monaten von 909 Personen unterzeichnet. Erforderlich für ein Zustandekommen wären 600 Unterschriften.
Stadtrat will Neubeurteilung
Mit einer anderen Initiative fordern die Grünen eine Umzonung des betroffenen Gebiets von einer Reserve- in eine Landwirtschaftszone. Das Grossriet soll so «vor einer Überbauung bewahrt» werden. Diese Initiative, die auch als «Kulturlandinitiative für Nänikon» bezeichnet wird, wurde von 883 Personen unterzeichnet.
Die Unterschriften werden nun von der Stadtkanzlei geprüft. Kommen die Initiativen zustande, wird der Ustermer Gemeinderat über sie abstimmen. Nur bei einem Nein des Parlaments kommen sie vors Volk.
Es gibt Anzeichen dafür, dass die Grünen nicht die einzigen sind, die dem Strassenprojekt kritisch gegenüberstehen: Der Ustermer Stadtrat forderte im letzten Herbst vom Kanton eine Neubeurteilung der Zweckmässigkeit der Neuen Greifenseestrasse. Dies nachdem er das Projekt in der Vergangenheit «unterstützend, aber kritisch» begleitet hatte.