Die Magie des Seegräbner Winterzaubers
Während Seegräben schon im Schatten liegt, leuchtet über dem Pfäffikersee golden die Abendsonne. Mit Lichterketten geschmückte Holzstände mit allerlei Waren säumen den Strassenrand, es riecht nach Feuer, Essen und Winter.
Es ist diese ganz spezielle Stimmung, die den Weihnachtsmarkt in Seegräben ausmacht und von der Besucher und Standbetreiber gleichermassen schwärmen.
Zu viele Weihnachtsmärkte
Susanne Thoma aus Aarau ist zum dritten Mal am Markt, sie verkauft selbst gestaltete Karten und das nicht nur hier, sondern auch an anderen Weihnachtsmärkten. «Es ist der schönste und lebendigste Markt, den ich kenne», sagt sie. «Eigentlich gibt es ja zu viele Weihnachtsmärkte und die Leute laufen normalerweise lustlos an den Ständen vorbei. Hier ist das anders.»
Das finden auch Beatrice Nyffeler und Andrea Radloff von der Gewürzmanufaktur Oase El Salam in Auslikon. «Es ist hier einfach familiärer als anderswo», sagt Nyffeler. «Die Leute sind sehr offenherzig und freundlich.»
Der Winterzauber findet zum zehnten Mal statt. In diesen Jahren hat sich der Markt zum festen Programmpunkt im Seegräbner Dorfkalender etabliert, der weit über das Seegräben hinausstrahlt. Vom ganzen Zürcher Oberland kommen Besucher, manche von noch weiter her.
Kinderflohmarkt zum Jubiläum
Patrice Brem hatte nicht weit. Der dreifache Vater steht in einer Scheune, wo die Cevi Kerzenziehen anbietet. «Mir gefällt, dass es kein Gschtungg wie etwa am Ustermärt gibt», sagt er. «Der Markt ist nicht riesig, sondern übersichtlich und gemütlich.»
Besonders gefalle ihm der Kinderflohmarkt, der in den Räumen der Juckerfarm untergebracht worden ist – ein besonderer Programmpunkt zum Jubiläum.
Der Gewerbeverein stellte zudem einen alten VW-Bus auf, in dem man sich verkleidet fotografieren lassen kann.
Auch sonst gibt es ein paar Neugikeiten, unter anderem ein Programmheft und einen Wettbewerb.
OK-Chef Philipp Berchtold steht an der grossen Bar und unterhält sich angeregt mit ein paar Bekannten. «Ich bin mega zufrieden», sagt er. «Das Wetter ist super und es hat nicht zu viele und auch nicht zu wenige Leute.»
Nicht grösser, sondern kleiner geworden
Das Organisationskomitee sei mittlerweile ein eingespieltes Team und deshalb habe es dieses Jahr nicht mehr zu tun gegeben, als in den anderen Jahren. Der Markt sei mit den Jahren nicht etwa grösser geworden, sondern eher kleiner.
Rund 90 Stände sind es inzwischen, zwei Drittel davon gehören laut Berchtold zum harten Kern. «Uns ist wichtig, dass wir viel Handarbeiten anbieten und den Leuten aus der Region den Vorrang geben.»
Einer von ihnen ist Roman Kern aus Seegräben. Er töpfert in seiner Freizeit, verkauft seine Teller, Schalen und Tassen zum fünften Mal am Winterzauber. «Für mich ist das die einzige Gelegenheit, meine Waren unter die Leute zu bringen», sagt Kern, der als Betriebsleiter der Kläranlage Fehraltorf tätig ist. «Die Geschäfte laufen mal so, mal so. Aber neue Kunden gewinne ich hier alleweil.»
Einstimmung auf Weihnachtszeit
Auf dem grossen Platz der Juckerfarm steht eine offene Feuerschale, ein Mann an einem Stand stellt Berliner im Akkord her. Auf einem Grill liegt der Kopf eines Spanferkels, die Zähne im offenen Mund sind deutlich zu sehen. «Lug Mami, es Krokodil», sagt ein Mädchen.
Etwas weiter unten steht Michèle Burkart an einem Stand, wo Kürtőskalács verkauft werden, eine ungarische Süssigkeit. Sie komme jedes Jahr, sagt die dreifache Mutter aus Egg.
«Der Markt ist so liebevoll gemacht mit all den Lichtern», sagt sie. «Für mich ist es ein richtiges Eintauchen in dieses Atmosphäre, die perfekte Einstimmung auf die Weihnachtszeit.»