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«Ich habe einen guten Draht zu unbequemen Menschen»

Heidi Duttweiler ist die neuen Gemeindeschreiberin von Wangen-Brüttisellen. Im Interview sagt die 53-Jährige, wie sie mit Querulanten umgeht. Und ob sie Ambitionen hat, die Dorfkönigin zu werden.

Wurde gut aufgenommen: Heidi Duttweiler im Gemeindehaus von Wangen-Brüttisellen.

Seraina Boner

«Ich habe einen guten Draht zu unbequemen Menschen»

Frau Duttweiler, Sie sind seit Anfang September Gemeindeschreiberin von Wangen-Brüttisellen, haben Sie sich gut eingelebt?
Heidi Duttweiler: Dank dem offenen und freundlichen Empfang der Mitarbeitenden und dem Gemeinderat habe ich mich sehr schnell eingelebt und fühle mich wohl.

Sie waren in Volketswil die Leiterin der Abteilung Soziales und Gesellschaft, wieso der Wechsel?
Ich habe mich gefragt: Will ich dort arbeiten, bis ich pensioniert bin oder soll ich nochmals etwas Neues anfangen? Es sollte auf jeden Fall etwas Langfristiges sein.

Um den letzten Abschnitt Ihres Berufslebens zu planen, haben Sie sich eine fünfmonatige Auszeit genommen. Haben Sie keine längere Reise unternommen?
Das eine oder andere Reisli habe ich schon gemacht. Das stand aber nicht im Vordergrund. Ich wollte bewusst eine Pause einlegen, um den Kopf frei zu haben für meine Entscheidung.

Am Ende haben Sie beschlossen, wieder in Ihren früheren Beruf als Gemeindeschreiberin zurückzukehren. Weshalb?
Es ist eine herausfordernde und vielseitige Arbeit, bei der man eine grosse Verantwortung hat. Bei meiner früheren Stelle in Kaiserstuhl und Fisibach kam dazu, dass die Kombination von Kleinstädtischem und Bäuerlichem sehr spannend war…

… also ähnlich wie in Wangen-Brüttisellen.
Genau. Im urbaneren, verkehrsreichen Brüttisellen haben die Leute natürlich nicht die gleichen Interessen wie im ländlichen Wangen.

«Es gehört schon zu den Aufgaben einer Gemeindeschreiberin, sich hin und wieder zu zeigen.»

Denken Sie, die Leute wissen, was eine Gemeindeschreiberin den ganzen Tag so macht?
Viele wohl nicht. Ich finde aber, es gehört schon zu den Aufgaben einer Gemeindeschreiberin, sich hin und wieder zu zeigen, wenn auch nicht gleich jedes Wochenende. Die Leute sollten zumindest mal von einem gehört haben, schliesslich ist man ja Ansprechperson für die verschiedensten Anliegen.

Es gibt sie ja immer noch, die Gemeindeschreiber, die ein zuweilen wie Gemeinderäte auftreten. In manchen Fällen spricht man auch von Dorfkönigen. Was sind Ihre Ambitionen?
Der Gemeindeschreiber soll eine beratende Funktion haben, aber ganz klar im Hintergrund bleiben, selbst wenn er natürlich Themen aus der Verwaltung im Gemeinderat einbringt. Man waltet auch nicht als Einzelkämpfer, sondern ist auf gute Mitarbeitende und Abteilungsleitungen angewiesen.

Was ist für Sie eine gute Verwaltung?
Sie soll nicht nur verwalten, sondern kundenorientiert, effizient und modern sein. Wir sind Dienstleister und wichtige Arbeitgeber. Das Bild der verstaubten Amtsstube ist sicher in den allermeisten Fällen nicht mehr gerechtfertigt. Der Flexibilität sind durch die vielen übergeordneten Vorgaben aber auch Grenzen gesetzt.

Verstehen das die Bürger?
In den meisten Fällen wohl schon, wenn man es ihnen erklärt. Allerdings sind die Leute vielleicht auch ein wenig verwöhnt geworden. Alles muss immer schneller und noch schneller gehen, was sicher mit der digitalen Kommunikation zu tun hat und nicht nur die Gemeindeverwaltung betrifft. Das war ein wenig anders, als man noch per Brief miteinander verkehrte. (lacht)

Wie sehr hat die Digitalisierung die Öffentlichkeitsarbeit verändert?
Früher genügte das Gemeindeblättli für Mitteilungen und amtliche Anzeigen, das haben alle gelesen. Heute muss man sehr genau schauen, auf welchem Kanal man welche Bevölkerungsschicht erreicht. Wie etwa kann man die Jungen dazu motivieren, am Gemeindeleben teilzunehmen? Früher konnte man mit den Jugendlichen über Facebook in Kontakt treten, heute gibt es neue Medien, ja oftmals geschlossene Chatgruppen, zu denen man keinen Zugang hat.

«Man muss aber auch klar aufzeigen, wo die Grenze ist. Etwa wenn Drohungen ausgesprochen werden.»

Wie kommunizieren Sie mit Querulanten?
Ich habe eigentlich noch einen guten Draht zu Menschen, die schwierig und unbequem sind. Oft hilft es, wenn man sich zusammen an einen Tisch setzt und redet. Man muss aber auch klar aufzeigen, wo die Grenze ist. Etwa wenn Drohungen ausgesprochen werden. Dass es zu einer Eskalation kommt, habe ich bisher zum Glück noch nicht erlebt.

In Wangen-Brüttisellen scheint man es ja ohnehin noch recht gut untereinander zu haben, oder täuscht der Eindruck?
Dieses Gefühl habe ich bis jetzt auch.

Und woran liegt das? Es gibt Gemeinden in der Region, da geht es weitaus weniger friedlich zu und her.
Nach drei Monaten kann ich das natürlich noch nicht genau beurteilen. Es hat aber sicher mit der Partizipation zu tun. Die Leute werden früh in Projekte einbezogen, es gibt regelmässige Bevölkerungsbefragungen und Workshops, die dann in das Schwerpunktprogramm einfliessen. Der betreffende Tätigkeitsbericht wird der Bevölkerung regelmässig vorgelegt. Das löst sicher etwas aus, im positiven Sinn.

Zur Person
Heidi Duttweiler (53) ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Sie wohnt seit drei Jahren im Gfenn (Dübendorf). Zuvor lebte sie im Zürcher Unterland. Heidi Duttweiler arbeitete als Stadt- und Gemeindeschreiberin in Kaiserstuhl und Fisibach, später wechselte sie nach Volketswil, wo sie sechs Jahre lang die Abteilung Soziales und Gesellschaft leitete. Seit Anfang September ist sie Gemeindeschreiberin in Wangen-Brüttisellen.

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