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Politik

Warum manche Patrouille-Suisse-Piloten barfuss fliegen

Nils Hämmerli, Kommandant der «PR-Maschine der Schweizer Luftwaffe», hat in seinem Vortrag in Weisslingen am Mittwochabend ein weites Themenspektrum überflogen: Von Aufnahmeritualen bei der Patrouille Suisse, über Roger Federer bis zur Kampfflugzeug-Beschaffung.

Für Patrouille-Suisse-Kommandant Nils Hämmerli war das Referat in Weisslingen praktisch ein Heimspiel.

PD

Warum manche Patrouille-Suisse-Piloten barfuss fliegen

Im roten Fliegeroverall, glattrasiert und mit einer markanten Uhr am Handgelenk präsentiert sich Nils Hämmerli, Kommandant der Patrouille Suisse, den Anwesenden am Mittwochabend im Weisslinger Kirchgemeindehaus. Die Aviatik-Fans, die sich via Gemeindeverein ein Ticket für den Vortrag gekauft hatten, sind ein dankbares Publikum und hängen an Hämmerlis Lippen. In Weisslingen ist die Patrouille Suisse noch gern gesehen und ein Verband, auf den man äusserst stolz ist.

Das war vor fast zwei Monaten in Uster noch anders, als bei der Flugshow am Greifenseelauf einige Besucher über Sinn oder Unsinn der roten Flieger debattierten (wir berichteten). Auch auf Social Media gab es kritische Kommentare wie: «Laut, lästig, überflüssig» oder «Wo bleibt der Klimaschutz?»

Hämmerli sagt, man dürfe den Klimaschutz und die Landesverteidigung nicht vermischen. Von dieser Stimmung, wie sie in Uster herrschte, ist in Weisslingen aber ohnehin nichts zu spüren. Hämmerli sagt dann auch: «Für mich ist das hier ein kleines Heimspiel.» Denn er wird bald in die Nähe ziehen: nach Russikon.

«Es sind ja keine jungen Leute hier»

Die Patrouille Suisse ist eine halbprofessionelle Kunstflugstaffel und gilt als PR-Maschine der Luftwaffe. Sie setzt sich aus ausgewählten Kampfpiloten zusammen, die zwischen März und Oktober zusammen trainieren und Flugshows vorführen. «Bewerben kann man sich bei uns nicht, man muss ausgewählt werden», fügt Hämmerli an.

Doch während die Begeisterung für Kampfflugzeuge im Saal ungebrochen wirkt, scheint der Nimbus bei den jüngeren Generationen an Glanz zu verlieren. Im Vergleich zu früher würden viel weniger Personen die lange Ausbildung zum Kampfjetpiloten in Angriff nehmen.

«Die F-5 Tiger sind mittlerweile über 50-jährig. Wissen Sie noch, wie die Welt damals aussah?»

Nils Hämmerli

«Es sind ja heute keine Jungen Leute hier, dann kann ich das sagen», beginnt Hämmerli seine Erklärung für das rückläufige Interesse und erntet bereits die ersten Lacher. «Die Jungen haben heute einfach viel mehr Möglichkeiten als früher und gehen lieber ins Sabbatical nach Australien, als eine strenge Ausbildung zu machen.» Da prusten einige Zuhörer laut los.

Eine Weisslingerin möchte im Anschluss wissen, ob auch Frauen Patrouille-Suisse-Pilotinnen werden können. Hämmerli bestätigt, dass das möglich sei. Darum habe er bei seiner Powerpoint-Folie zu möglichen Kandidaten explizit geschrieben: «Er oder sie muss ins Team passen.» Doch leider gebe es bei den Militärpiloten erst eine einzige Frau. «Und eine Frauenquote haben wir bei uns nicht – bei uns muss jede Frau gleich viel leisten wie ein Mann.»

Drohendes Aus für die Luftwaffe

Ein wesentlich akuteres Problem als der Rückgang an Nachwuchspiloten ist, dass der Ersatz für die in die Jahre gekommenen F-5 und F/A 18 Kampfjets noch nicht bereitsteht. «Die F-5 Tiger sind mittlerweile über 50-jährig. Wissen Sie noch, wie die Welt damals aussah?», fragt Hämmerli in die Runde und lässt ein Bild eines vergilbten Computers aufleuchten. Die Technik habe sich seit dem enorm weiterentwickelt, auch bei den Kampfflugzeugen. «Mittlerweile gibt es Kampfjets, die man per Sprachbefehl steuern kann.»

«Sonst haben wir keine Luftwaffe mehr und dann kann auch die Armee einpacken.»

Nils Hämmerli

Ein Zuhörer möchte wissen, welchen Flugzeugtypen sich denn die Piloten in Zukunft wünschen würden. «Ich weiss es nicht», sagt Hämmerli. Er kenne sich auf dem Kampfjetmarkt schlicht nicht aus. «Das klingt vielleicht komisch, wenn das ein Profi wie ich sagt, aber es ist die Wahrheit.»

Um den Markt zu sichten, gäbe es ein ganz kleines Grüppchen, das sich zu absoluter Verschwiegenheit verpflichtet habe. Was dieses Grüppchen plane, wisse er nicht. Ihm sei es egal, welche neuen Kampfjets angeschafft werden. Hauptsache es werden welche angeschafft. «Sonst haben wir keine Luftwaffe mehr und dann kann auch die Armee einpacken.»

Weisse Socken und andere Rituale

Zum Schluss seines Vortrags erzählt Hämmerli noch etwas aus dem Nähkästchen der Patrouille Suisse. Wenn jemand neu ins Team gewählt werde, müsse diese Personen gewisse Aufnahmerituale überstehen. Er selbst musste nach der Wahl im Helvetia Restaurant in Luzern seine Kameraden und alle anderen Besucher bedienen – inklusive Schürze und Serviertablett. «Glauben Sie mir, für mich war das Getränkebalancieren und Bestellungen aufnehmen schwieriger, als bei 900 Stundenkilometer einen Jet zu steuern», so Hämmerli.

Übrigens gebe es immer wieder Piloten, die barfuss fliegen müssten. «Bei Flugshows tragen wir alle immer weisse Socken, das hat seit Jahren Tradition.» Vor dem Abflug würden sich dann die Piloten gegenseitig kontrollieren. «Und wenn einer die weissen Socken vergessen hat, muss er eben barfuss fliegen.»

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