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Grundstücke in Dübendorf werden für Rekordsumme versteigert

Jahrelang lagen die Pläne für das Giessen-Hochhaus auf Eis, nun kommen die Grundstücke wegen Betreibungen gegen die Inhaberfirma unter den Hammer. Schätzwert für das Land: mehr als 60 Millionen Franken.

Das war der ursprüngliche Plan: Ein 114 Meter hohes Wohn- und Geschäftshaus, und daneben eine Parklandschaft., Das 35'000 Quadratmeter grosse Areal ist bestens erschlossen. , Das Projekt wirkte wie aus riesigen Bauklötzen zusammengefügt; sinnigerweise hiess es «Tetris»., Das Grundstück, auf dem die Überbauung realisiert werden kann., Eine künftige Überbauung wird eine eigene Glattalbahn-Haltestelle haben.

Thomas Bacher

Grundstücke in Dübendorf werden für Rekordsumme versteigert

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwei 35’000 Quadratmeter grosse Grundstücke in Dübendorf werden versteigert
  • Grund sind Betreibungen gegen die Inhaberfirma in Millionenhöhe
  • Der Wert der Grundstücke beläuft sich auf 64 Millionen Franken
     

«Es kommt in der Schweiz nicht oft vor, dass es bei einer betreibungsrechtlichen Grundstückversteigerung um eine dermassen hohe Summe geht», sagt Markus Zöbeli. Der Leiter des Dübendorfer Betreibungsamts spricht von zwei Grundstücken mit insgesamt 35‘000 Quadratmetern beidseits der Ringstrasse im Gebiet Giessen, zwischen Überlandstrasse und der Glatt.

2014 wurde der Wert auf total 60,16 Millionen Franken geschätzt, aktuell sind es gemäss dem Betreibungsamt dank dem rechtmässigen Gestaltungsplan mehr als 64 Millionen Franken. Die Versteigerung ist auf den 29. Januar 2020 angesetzt.

Höher als der Jabee-Tower 

Die beiden Grundstücke, um die es geht, waren Teil massiver politischer Auseinandersetzungen. Auf dem einen wollte der Unternehmer Angelo Labate mit seiner Firma K-Werkstatt eine Überbauung mit einem 114 Meter hohen Wohn- und Gewerbehaus und mehreren Nebengebäuden mit gesamthaft 47‘000 Quadratmetern Nutzfläche realisieren – lange bevor es mit dem Hochhausboom in Dübendorf West losging.

Zum Vergleich: Der kürzlich fertiggestellte Jabee-Tower im benachbarten Hochbordquartier hat eine Höhe von 100 Metern und ist damit das höchste Wohnhaus der Schweiz. Auf dem kleineren der beiden Grundstücke hätte ein Park angelegt werden sollen. Von Investitionskosten von 550 Millionen Franken war damals die Rede.

Doch den Gegnern war der Turm zu hoch und der Wohnanteil von 40 Prozent zu tief. Sie ergriffen das Referendum und brachten den Gestaltungsplan im November 2011 an die Urne. Kurz vor der Abstimmung wurde bekannt, dass gegen die Firma K-Werkstatt als Inhaberin der Grundstücke hohe Betreibungen liefen; Finanzvorstand Martin Bäumle (GLP/GEU) hatte den entsprechenden Auszug aus dem Betreibungsregister an einen Journalisten des ZO/AvU weitergegeben.

Am Ende stimmten die Dübendorfer deutlich gegen das Vorhaben, und Bäumle wurde vom Dübendorfer SVP-Gemeinderat Orlando Wyss wegen Amtsgeheimnisverletzung angezeigt. Der Streit endete im Sommer 2018 vor dem Bundesgericht und mit einem Freispruch Bäumles.

Kein Baugesuch eingereicht

In der Zwischenzeit hatte die Firma K-Werkstatt ihre Pläne angepasst, die Höhe auf 85 Meter reduziert und den minimalen Wohnanteil auf 50 Prozent angehoben. Der neue Gestaltungsplan wurde im Februar 2015 vom Dübendorfer Gemeinderat gutgeheissen. Nach einem erfolglosen Rekurs eines Nachbarn trat das Papier Anfang 2016 in Kraft.

Doch ein Baugesuch wurde nie eingereicht. 2017 zitierte der «Tages-Anzeiger» aus Gerichtsakten, wonach die Inhaberfirma K-Werkstatt Baumanagement AG wegen der zwei betreffenden Grundstücke betrieben wird. Gläubiger sind die Bank, von der sie sich das Geld für den Landkauf lieh, und eine weitere Firma, die der K-Werkstatt ein Darlehen gewährte.

«Wenn ich daran denke, verspüre ich schon jetzt ein leichtes Kribbeln.»

Markus Zöbeli, Leiter Betreibungsamt Dübendorf

Ein Zwangsverwertungsverfahren wurde eingeleitet, doch gemäss «Tages-Anzeiger» zögerte die Firma K-Werkstatt das Verfahren immer wieder mit juristischen Interventionen hinaus. Laut Gerichtsakten wollte die Firma die öffentliche Versteigerung verhindern, bis der Gestaltungsplan rechtskräftig ist. Der Grund: So ist das Land mehr wert.

Die Forderungen auf die beiden Grundstücke sollen sich auf rund 20 Millionen Franken belaufen. Nach der Versteigerung dürfte also noch ein grösserer Betrag übrig bleiben – selbst wenn man die gesetzlich angeordneten Verzugszinsen einrechnet.

Anzahlung: 1 Million Franken

«Es würde mich nicht überraschen, wenn die Steigerungssumme am Ende sogar noch höher wäre als der Schätzwert von 64,2 Millionen Franken», so Betreibungsamtsleiter Zöbeli. Dies zum einen wegen des anhaltenden Baubooms. Zum anderen aber auch, weil Liegenschaften in Zeiten von Negativzinsen bei Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen als Anlageobjekte beliebt seien.

Die Versteigerung findet im Arvensaal des Restaurants Sonnental statt und ist öffentlich, es gibt Sitzplätze für 90 Personen. Wer mitbieten will, muss eine Anzahlung von einer Million Franken leisten oder ein so genanntes Zahlungsversprechen in derselben Höhe zugunsten des Betreibungsamts Dübendorf geben.

Zöbeli wird selber als Steigerungsleiter walten. Wegen der hohen Summe schaue er der Versteigerung mit grosser Spannung entgegen, sagt er. «Wenn ich daran denke, verspüre ich schon jetzt ein leichtes Kribbeln.»

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