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«Es kommt drauf an, in welchem Gesicht die Nase sitzt»

Wer soll Schreiner werden, und wer Akademiker? Die Psychophysiognominnen Iris Braun und Sabine Stiefel können anhand der äusseren Erscheinung von Personen einschätzen, wie es um deren Talente steht. Im Interview erklären sie, was dahinter steckt, und wehren sich gegen Vorurteile.

Frau Braun, Frau Stiefel, am 19. November werden Sie in einem Kurs der Elternbildung Uster zeigen, wie Berufsberatung mithilfe der Psychophysiognomik geht. Eltern können also ein Foto ihres Sprösslings mitnehmen und Sie sagen, was aus ihm wird?
Sabine Stiefel: Nein, das wäre unseriös. Auf den ersten Blick kann man gewisse Grundzüge erkennen. Für eine Beratung sind aber auch der Körperbau und das seitliche Profil wichtig, ebenso wie der Ausdruck. Und man braucht Zeit, um sein Gegenüber genau anzuschauen. Man muss sich stark konzentrieren, das ist anstrengend.

Sie können den Charakter eines Menschen also nicht an dessen Nase erkennen?
Iris Braun: Die Lehre der Psychophysiognomie beschreibt drei Grundnaturelle, von denen die Menschen unterschiedlich stark geprägt sind. Und ja, es gibt diese markanten Nasen mit Höcker, die man in Verbindung mit fleissigen Menschen bringen kann. Bloss kommt es sehr darauf an, ich welchem Gesicht diese Nase sitzt.
Sabine Stiefel: Ich werde immer wieder von Leuten gefragt, ich solle doch schnell sagen, welcher Beruf zu ihnen passt. Das mache ich nicht, auch wenn ich ihre Talente vielleicht rasch erkenne. Für eine Berufsberatung sind der familiäre Hintergrund und die bisherige Schulkarriere ebenfalls wichtig. Oder Informationen darüber, welche Hobbies der Jugendliche hat und was er als Kind gerne spielte.

Wenn ein Jugendlicher also nicht weiss, ob er Schreiner oder Elektriker werden soll, dann können Sie helfen?
Iris Braun: Das kann relativ einfach sein, denn dies sind zwei sehr unterschiedliche Berufe. Tatsächlich wissen viele Jugendliche nicht, welche Talente sie besitzen. Vielleicht klappt es in der Schule mit Mathematik nicht gut, obwohl eine mathematische Begabung da ist. Das kann an der Motivation liegen, oder an der Art und Weise, wie das Wissen vermittelt wird. Das gilt auch später im Beruf: Vielleicht stimmt die Tätigkeit, nicht aber das Umfeld im Geschäft.

«Man sieht und akzeptiert, dass die andere Person aufgrund ihres Naturells einfach nicht anders kann.»

Sabine Stiefel

Sabine Stiefel: Vielfach lassen sich mithilfe von Psychophysiognomik Konflikte lösen. Etwa wenn die Eltern möchten, dass ihr Kind ins Gymi geht. Wenn man dann aufzeigt, welche Begabungen vorhanden sind und wie der berufliche Weg aussehen könnte, dann entspannt das die Situation. Das gilt auch im Kleinen, etwa wenn ein Jugendlicher bei Hausaufgaben nur unter Zeitdruck seine Leistung abrufen kann, die Eltern aber einfach nicht verstehen können, dass alles auf den letzten Drücker sein muss.

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