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Jetzt kommt das Mehrzweckgebäude an die Urne

Die Dübendorfer können nächstes Jahr über das Mehrzweckgebäude bei der Oberen Mühle abstimmen. Der Gemeinderat befürwortete am Montag den Kredit von 8,5 Millionen Franken mit einem knappen Mehr. An der Sitzung nahmen ungewöhnlich viele Zuschauer teil.

Der Neubau (links) soll gleich neben dem historischen Ensemble Obere Mühle (Mitte) und Senfmühle (rechts) zu stehen kommen., Das Erscheinungsbild des Gebäudes sei «Geschmacksache», war in der Debatte wiederholt zu hören., Blumiger Empfang für die Ratsmitglieder im katholischen Pfarreizentrum Leepünt., Fast wie an einer Gemeindeversammlung: Das zahlreiche Publikum verfolgt gespannt den Verlauf der Ratssitzung.

Thomas Bacher

Jetzt kommt das Mehrzweckgebäude an die Urne

Normalerweise verfolgt eine Handvoll Interessierter die Sitzungen des Gemeinderats. Doch am Montag wurden die Parlamentarier von rund hundert Vertretern der örtlichen Kulturvereine empfangen. Der Weg in den Leepüntsaal führte durch einen Spalier und vorbei an Plakaten mit der Aufschrift «Die Dübendorfer Kulturvereine danken für Ihre Unterstützung». Es herrschte eine Stimmung wie vor einer Gemeindeversammlung.

Grund für den Aufmarsch war der vom Stadtrat beantragte Kredit von 8,5 Millionen Franken für den Bau eines Mehrzweckgebäudes neben dem Kulturzentrum Obere Mühle. Das Projekt umfasst im Wesentlichen einen Saal für 300 Personen und zwei gut 90 Quadratmeter grosse Nebenräume für Proben oder Kurse, eine Küche, Garderoben sowie Toilettenanlagen.

Erscheinungsbild ist «Geschmacksache»

Die Befürworter wiederholten beinahe mantrahaft, wie wichtig das Mehrzweckgebäude für das kulturelle und gesellschaftliche Leben in Dübendorf sei. «Alle Kulturvereine melden einen grossen Bedarf an Räumen an», sagte Stadtpräsident André Ingold (SVP). Auch die Betreiber der Oberen Mühle hätten mit einem Saal zu kämpfen, der viel zu klein und schlecht belüftet sei und dazu über eine mangelhafte Akustik verfüge. «Ist das der viertgrössten Stadt im Kanton würdig?», fragte er rhetorisch.

«Es sei nicht opportun, ein ‹Nice to have›-Projekt zu finanzieren.»

Marcel Drescher (GLP/GEU), Gemeinderat

Eine Mehrheit der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) sprach sich für das Mehrzweckgebäude aus. Sprecherin Tanja Boesch (EVP) bezeichnete das Projekt als «gut und zweckmässig», räumte aber ein, dass das äussere Erscheinungsbild «Geschmacksache» sei.

Ist es wirklich so schlimm?

Eine Minderheit der GRPK ist gegen das Projekt. Sprecher Paul Steiner (SVP) monierte, dass der Stadtrat nicht auf die bereits früher geäusserte Kritik reagiert habe – etwa bezüglich der Folgekosten. So würden sich mit dem Mehrzweckgebäude die jährlichen Betriebsbeiträge von 250‘000 auf 435‘000 erhöhen. Steiner sagte: «Man darf sich schon fragen, ob der betriebswirtschaftliche Gedanke bei allen Beteiligten eine genügend grosse Rolle spielt.»

Ebenso wurden die eigentlichen Investitionskosten wiederholt als zu hoch bezeichnet. Dies auch, weil die Gegner grundsätzlich hinterfragten, ob der von den Befürwortern beschworene «Raumnotstand» tatsächlich so gravierend sei.

Marcel Drescher (GLP/GEU) sagte, die bestehenden Räume in der Stadt seien lediglich zu 40 bis 70 Prozent belegt. Und auch die von der Stadt zur Verfügung gestellten Mietbeiträge würden nie voll ausgeschöpft. Es sei nicht opportun, ein «Nice to have»-Projekt zu finanzieren. Auf die Kostenfrage reagierte SP-Gemeinderat Urs Menet mit Ironie: «8,5 Millionen Franken sind schon enorm viel Geld – gerade für eine Gemeinde, die nur 113 Millionen auf der hohen Kante hat.»

Spannender Schluss

Wiederholt kritisierten die Gegner, dass nur wenige Vereine von einem Mehrzweckgebäude profitieren würden. Dem wollte Patrick Schärli (CVP) nicht grundsätzlich widersprechen. «Aber von einem Schiessstand oder einer Sporthalle profitieren ja auch nicht alle Vereine.»

«Der Stadtrat soll bei Bauten in historischen Teilen Dübendorfs den geschichtlichen Hintergrund respektieren.»

Brigitt Kast (Grüne), Gemeinderätin

Mehrfach wurde darauf hingewiesen, die Räume könnten ebenso für Generalversammlungen oder Kurse gebucht werden. Genau das sahen die Gegner aber als Problem, da dies das Angebot der Gastronomen in der Stadt konkurrieren würde. Einig war man sich am Montag einzig darin, dass das Erschliessungskonzept des Stadtrats nichts taugt und gerade im Hinblick auf das geplante Hallenbad umfassend nachgebessert werden müsse.

Die Abstimmung erfolgte schliesslich auf Antrag von Julian Croci (Grüne) unter Namensaufruf – und sorgte für einige Spannung, denn am Ende fiel der Entscheid mit 19 zu 16 Stimmen durchaus knapp aus.

Nur etwas Kritik

Damit der Kredit für das Mehrzweckgebäude der Bevölkerung vorgelegt werden kann, musste der Gemeinderat am Montag auch noch dem Gestaltungsplan und der Teilrevision des Zonenplans zustimmen. Noch in der Debatte über den Kredit für das Mehrzweckgebäude waren da und dort Bedenken zu hören gewesen, der Neubau könnte das bestehende historische Ensemble am alten Glattkanal beeinträchtigen. Brigitt Kast (Grüne) etwa hatte den Stadtrat aufgefordert, künftig bei Bauten in historischen Teilen Dübendorf den geschichtlichen Hintergrund zu respektieren.

Dass eine Diskussion dann aber doch ausblieb, lag nicht zuletzt daran, dass SP-Gemeinderat Theo Zobrist per Mehrheitsentscheid (mit vielen Enthaltungen) auf die Zuschauerränge verbannt wurde. Zobrist war als Besitzer einer Nachbarliegenschaft zuvor beim Kreditantrag freiwillig in den Ausstand getreten, ebenso wie Alexandra Freuler (SP), Stiftungsrätin der Obere Mühle.

Zobrist durfte nicht mitreden

Doch beim Gestaltungs- und Zonenplan wollte Zobrist als Präsident der Kommission für Raumplanungs- und Landgeschäfte (KRL) mitreden, hatte er doch mehrere planungsrechtliche Einwände, wie er zu Beginn der Sitzung in einer persönlichen Erklärung dargelegt hatte. Dass er dennoch auch in der «Zonen-Debatte» in den Ausstand treten musste, bezeichnete er als falsch und demokratisch fragwürdig.

Am Ende zeigte sich, dass das Parlament zumindest gegen den planerischen Unterbau des Mehrzweckgebäudes nichts einzuwenden hatte; die Zustimmung erfolgte zu Null.

An der Sitzung vom Montag behandelte der Dübendorfer Gemeinderat folgende Geschäfte:

  • Der Baukredit von 8,5 Millionen Franken inklusive Folgekosten für Betrieb und Unterhalt wurde mit 19 zu 16 Stimmen zuhanden der Urnenabstimmung genehmigt.
  • Der Gemeinderat bewilligte ohne Gegenstimme den öffentlichen Gestaltungsplan «Obere Mühle», die Teilrevision des Kernzonenplans 2 Oberdorf und die Teilrevision des Zonenplans.
  • Die dringliche Interpellation «Aufrüstung der Mobilfunkantennen auf 5G in Dübendorf» von André Csillaghy und Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU) wurde mit der Beantwortung durch den Stadtrat abschliessend behandelt.
  • Das Parlament genehmigte fünf Bürgerrechtsgesuche.

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