Die nächste Hürde für das Mehrzweckgebäude
Das Wichtigste in Kürze
- Der Millionenkredit für ein Mehrzweckgebäude kommt vors Parlament
- Die Kulturvereine lobbyieren schon lange für mehr Räume in der Stadt
- Für die Gegner ist das Projekt zu teuer
Schon seit vielen Jahren wünschen sich Dübendorfer Kulturvereine mehr Räume für Proben und Auftritte. Und auch die Betreiber des Kulturzentrums Obere Mühle beklagen sich regelmässig darüber, dass der Saal im Dachstock mit seinen maximal 140 Sitzplätzen für manche Veranstaltungen viel zu klein sei und die Auswahl der Künstler einschränke.
Tatsächlich ist ein grösserer Saal schon lange in Planung. Vorgesehen war er im Ökonomiegebäude neben der Oberen Mühle. Doch das Haus brannte 1994 nieder. Seither scheiterten zwei Neubauprojekte. Vor zwei Jahren nun schickte der Gemeinderat mit einer relativ knappen Mehrheit ein weiteres Projekt in die Detailplanung.
Saal für 300 Personen
Das Ergebnis ist ein 8,5 Millionen Franken teures Mehrzweckgebäude. Es umfasst einen 265 Quadratmeter grossen, flexibel unterteilbaren Saal mit 300 Sitzplätzen und zwei gut 90 Quadratmeter grosse Nebenräume, die als Kurs- oder Probelokal genutzt werden können. Ebenfalls Teil des Projekts sind Lager- und Technikräume, Garderoben, eine Toilettenanlage und eine einfach ausgestattete Küche.
Als das Vorhaben im Mai der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, war die Kritik moderat und bezog sich vor allem auf ästhetische Aspekte. Deutlich anders wird es am Montag im Gemeinderat tönen, denn eine Minderheit der Geschäft- und Rechnungsprüfungskommission (GRPK) empfiehlt dem Gemeinderat, den Kreditantrag abzulehnen.
Alternativen zum Saal
Zu den Gegnern des Mehrzweckgebäudes gehört Marcel Drescher (GLP/GEU). «Es ist eine zu grosse Investition in Anbetracht dessen, dass nur wenige Personen und Gruppierungen davon profitieren werden», sagt er. Ausserdem gebe es mit den Sälen zum Beispiel in den beiden Pfarreizentren bereits heute genug Möglichkeiten. «Dazu kommt der Hechtsaal, für den die Stadt die Miete für hundert Tage pro Jahr übernimmt.» Drescher räumt ein, dass die Raumsituation in Dübendorf «nicht luxuriös» sei. Wenn die potenziellen Nutzer aber ein wenig Kreativität zeigten und gewisse Abstriche in Kauf nähmen, genüge das Angebot.
«Die jährlichen Folgekosten würden sich fast verdoppeln.»
Marcel Drescher (GLP/GEU), Gemeinderat
Dass die Befürworter das Mehrzweckgebäude auch für Vereinshöcke und Generalversammlungen anpreisen, kann Drescher nicht unterstützen. «Damit würde klar eine subventionierte Konkurrenzsituation gegenüber privaten Gastrobetrieben geschaffen.»
Weiter kritisiert Drescher, dass sich die jährlichen Folgekosten von 485‘000 Franken fast verdoppelten im Vergleich zu dem, was die Betreiber der Oberen Mühle heute für Betrieb und Unterhalt des bestehenden Kulturzentrums erhielten. «Man redet immer davon, dass mit dem Mehrzweckgebäude bessere und grössere Veranstaltungen möglich seien, aber auf der Einnahmenseite sehe ich davon nichts.»
Wichtig für das kulturelle Leben?
Wie Drescher sitzt auch EVP-Gemeinderätin Tanja Boesch in der GRPK, allerdings auf Seite der Befürworter. «Wir sind eine stark wachsende Stadt und haben keine ansprechende kulturelle Location», sagt sie. Das Mehrzweckgebäude sei wichtig für das kulturelle Leben in Dübendorf. «Der bestehende Saal in der Oberen Mühle ist deutlich zu klein und für die meisten Veranstaltungen nicht geeignet. Und auch die Vereine sind darauf angewiesen, dass sie endlich mehr Platz erhalten.»
«Es gibt wohl kein gut funktionierendes Kulturzentrum, das von der öffentlichen Hand nicht unterstützt wird.»
Tanja Boesch (EVP), Gemeinderätin
Boesch gibt ihrem Ratskollegen insofern Recht, dass nur ein Teil der Dübendorfer Vereine von der Investition profitieren würde. Sie ist aber überzeugt, dass das Raumangebot von einer breiten Öffentlichkeit genutzt werde, wenn es erst einmal verfügbar sei. «Denn die bestehenden Räumlichkeiten sind, sofern sie denn überhaupt buchbar seien, bezüglich Infrastruktur und Zugänglichkeit vielfach alles andere als ideal.» Der Mehrzwecksaal sei deshalb auf keinen Fall überdimensioniert.
Dass sich mit dem Neubau die Kosten für Betrieb und Unterhalt erhöhen würden, ist für sie kein Argument. «Dieser Betrag wurde vor vielen Jahren festgesetzt und müsste sowieso nach oben angepasst werden.» Ausserdem gebe es wohl kein gut funktionierendes Kulturzentrum, das von der öffentlichen Hand nicht unterstützt werde, so Boesch. «Das ist beim Sport ja auch nicht anders.»
