Ausgeflippte Veranstaltung im beschaulichen Nänikon
Spielfreudige kamen am Samstagabend im Café Gleis 1 beim Bahnhof Nänikon Greifensee auf ihre Kosten. Der Verein Kultur am Gleis lud zu einem Flipper Open, wo erstmalig ein Flipperkönig mit einem Pokal gekürt werden sollte.
Drei Tage lang konnte sich Besucher an den Flipperautomaten im Café austoben. Der Flipper-Anlass begann am Donnerstag und endete am Samstag mit dem grossen Finale. Das «Gleis 1» findet rund ein halbes Jahr nach der Eröffnung sein Publikum und ist im Dorf ein Treffpunkt.
130-Kilo-Kolosse
Diese Veranstaltung war jedoch ein Zufallsprodukt. Juri Teichgräber, ein junger Mitarbeiter des Café Gleis 1, unterhielt sich eines Abends mit einem Näniker über den Sinn und Zweck des Cafés als Treffpunkt. Dieser Näniker war Fredi Vetsch. Vetsch hat etwa 12 Flipperautomaten bei sich Zuhause. Eine kleine Auswahl der raren Geräte wollte er dem Verein für den dreitägigen Anlass zur Verfügung stellen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn für den Transport war ordentlich Muskelkraft gefragt. Vetsch sagte: «Etwa 130 Kilogramm wiegt ein Flipper. Doch mit der Hilfe des Vereins war der Transport kein Problem.»
Vetsch kennt seine Automaten, die zwischen 1960 und 2000 erbaut wurden. Dabei geht er aber auch nicht unzimperlich mit den Maschinen um. So hackte er energisch auf den seitlichen Knöpfen des Automaten «No Fear» herum und zeigte dem mechanisch-elektronische Spielzeug den Meister. «Du musst den Kasten bewegen», sagt Fetsch und versetzte der Maschine einen feinen Stoss, wobei die Stahlkugel leicht von der Bahn abwich. So verhinderte Vetsch, dass die Kugel verloren ging. Vetsch weiss wie viel es braucht, damit kein «Tilt» verursacht wird, der das Spiel vorübergehend beenden würde.
Der Champion
Bis kurz vor neun hatte ich noch die Hoffnung, einen von den fünf Flipperkästen meistern zu können, um eine gute Punktzahl erreichen zu können. Die Näniker Jugend, so dachte ich, wird mit der Mischung aus Elektronik und Mechanik nicht zu recht kommen. Ohne einen Touchscreen sind die Jungen nicht lange bei der Stange zu halten, so meine Vermutung. Doch weit gefehlt, die Jungen genossen die Veranstaltung und spielten eifrig mit.
Auch der 61-Jährige Markus Jossi hat Freude an den nostalgischen Geräten. Er habe selber einen Flipperkasten Zuhause. «Die Kasten erinnern mich an meine Jugend», sagt er. Früher habe er oft in Dübendorf gespielt, wo die Automaten in Restaurants zu finden waren.
Und letztendlich war es dann ein Vertreter der etwas älteren Generation, der sich als erster zum Champion küren konnte: Der 48 jährige Roel Bargeman holte die meisten Punkte und gewann den eigens für diesen Wettbewerb gestalteten Pokal. Wie er das geschafft hat? «Einfach spielen und Freude daran habe», so Bargeman. Nächstes Jahr will er seinen Titel verteidigen.
