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Die SBB setzen auf Höflichkeit statt Repression

Die SBB haben die Oberländer Bahnhöfe rauchfrei eingerichtet. Doch bei der Durchsetzung der Regel zeigt sich das Unternehmen sehr zurückhaltend.

Auf dem Perron des Bahnhofs Wetzikon sehen die Raucherzonen so aus. Zwei Meter wird den Rauchern zugestanden., In Deutschland sind die Raucherzonen gelb umrahmt. Diese Markierung ist aber vom Bahnhof Wetzikon und dient einem anderen Zweck, Beim neu eröffneten Bahnhof Tann-Dürnten suchen Raucher vergebens einen Aschenbecher. Dies ist von den SBB so gewollt., Allerdings sind noch keine Nichtrauchermarkierungen angebracht. Hier sind die SBB in Verzug., Deutlich zu sehen sind die grossen Markierungen beim Bahnhof Rüti.

David Marti

Die SBB setzen auf Höflichkeit statt Repression

Wer im Oberland rauchend auf die S-Bahn wartet, muss die Raucherzone der Bahnhöfe aufsuchen. So wollen es der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) und die SBB, die diese Forderung der Branche auf ihren Bahnhöfen umsetzen (siehe Box). Offiziell rauchfrei sind heute alle Oberländer Bahnhöfe, wo S-Bahnen halten.

Doch bei der Durchsetzung der qualmfreien Perrons sind die SBB zahm. So sagt Mediensprecher Oli Dischoe: «Reisende, die sich nicht an die Rauchfrei-Regelung halten, werden von SBB-Mitarbeitern höflich angesprochen.»  Sie  würden diese Leute in einem solchen Fall auf die signalisierten Raucherbereiche auf den Perrons und bei den Zugängen hinweisen. Wenn sich aber beispielsweise Raucher auf den Bahnhöfen im Zürcher Oberland wiederholt nicht an das Verbot halten, können sie von Transportpolizisten oder Securitrans-Mitarbeitern weggewiesen werden, sagt Oli Dischoe. Securitrans ist ein gemeinsames Tochterunternehmen von SBB und Securitas. Die Sicherheitsleute sind auch in den Oberländer Zügen öfters als Patrouille unterwegs.

Hausregel missachten

Bei den SBB ist das Rauchverbot in dieser Bahnhofsverordnung – eine Art Hausregel – festgeschrieben. In der Verordnung wird auch Trottinette fahren und auf den Boden spucken verboten. Das Problem: Solche Regeln werden gerne mal missachtet.

Schärfer gehen die SBB an Orten vor, wo rauchen schon vor der Änderung verboten war, wie beispielsweise bei den Tiefbahnhöfen am HB. Dort  könnten die Transportpolizisten Bussen und Verzeigungen aussprechen.  Der Grund für die härtere Bestrafung der Raucher sei, dass diese Bahnhöfe als geschlossene Räume gelten, sagt Dischoe. «Dort verflüchtigt sich der Rauch nur schlecht.»

Rauchfrei – oder doch nicht?

Auf den Oberländer Bahnhöfen sind unterschiedliche Varianten zu sehen, wie das Rauchverbot umgesetzt wurde. So stehen  beispielsweise auf Perrons beim Bahnhof Wetzikon zwei Aschenbecher mit einer Tafel, die auf einen Rauchbereich von zwei Metern aufmerksam machen. In der Unterführung weisen vor den Zugängen zu den Gleisen blaue Rauchverbotszeichen auf dem Boden auf die neue Regel hin.

 

Rauchfrei bis Mitte 2020

Der Verband öffentlicher Verkehr (VöV)  hat vor einem Jahr entschieden, dass ab dem 1. Juni «Rauchfreie Bahnhöfe mit Raucherbereichen bei den Zugängen und auf den Perrons» schrittweise eingeführt werden. Bis Ende Oktober werden knapp 1000 Bahnhöfe mit Raucherzonen versehen sein, die Umgestaltung aller Schweizer Bahnhöfe soll voraussichtlich Mitte 2020 abgeschlossen sein.
Als Begründung für den Schritt gibt der Verband an, dass im europäischen Vergleich die Raucherregelung an den Schweizer Bahnhöfen sehr liberal gehandhabt werde. In der Schweiz beschäftige das Thema Rauchen Transportunternehmen und Kunden, teilt der VöV mit. Der Verband öffentlicher Verkehr ist der nationale Dachverband der Transportunternehmen des öffentlichen Verkehrs. Zu dessen Mitgliedern gehören unter anderem auch die SBB.

 

Anders im kleinen Bahnhof Tann-Dürnten. Dort ist nicht zu sehen, dass der Bahnhof rauchfrei sein soll. Laut den SBB sollte der Bahnhof aber seit dem 9. September umgerüstet sein.

Auch Aschenbecher und somit Raucherzonen gibt es dort keine. SBB-Mediensprecher Dischoe sagt zur Verzögerung: «Da der Bahnhof erst kürzlich fertiggestellt wurde, werden die Massnahmen erst noch umgesetzt. Die Umrüstung erfolgt nach jetzigem Planungsstand bis Ende Jahr.» Bei kleinen Bahnhöfen würden in der Regel keine Raucherbereiche auf den Perrons eingerichtet. Denn dort seien Bahnhofzugang und Perron in unmittelbarer Nähe voneinander.  

Sicherheit vor Markierungen

Generell gilt: «Jeder Bahnhof wird separat angeschaut», sagt Dischoe. Wo die Raucherbereiche sind, hänge von der Grösse des Bahnhofs, der Frequenz der Reisenden und der Dimension der Perrons ab. 

Aufgrund der Vorgaben des Bundesamtes für Verkehr verzichten die SBB auf Markierungen der Bereiche auf den Perrons, wie es sie beispielsweise in Deutschland gibt, so Dischoe. «Die Aschenbecherstellen signalisieren den Raucherbereich.»
Vonseiten des Bundesamtes für Verkehr heisst es, dass zusätzliche Markierungen die Reisenden ablenken würden. «Durch diesen Effekt würde die Sicherheit auf den Perrons auf ein nicht akzeptables Niveau gesenkt», sagt BAV-Mediensprecher Michael Müller.

Wie die Raucherzonen bei den Oberländern ankommen und ob sie sich daran halten, muss sich für die SBB erst noch zeigen.  «Für eine aussagekräftige Zwischenbilanz ist es viel zu früh, besonders was einzelne Bahnhöfe betrifft», so Dischoe.

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