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Politik

Unterwetziker Bordell-Betriebe löschen bald die Lichter

Die Sex-Etablissements an der Alten Notariatsstrasse in Unterwetzikon dürften bald Geschichte sein. Der Eigentümer der Liegenschaften plant, im Rotlichtquartier bis zu 20 Eigentumswohnungen zu bauen.

Seit kurzem sind beim ehemaligen Kino Rio Baugespanne aufgestellt., Der Hauseigentümer plant, das ehemalige Kinogebäude abzureissen. , An dessen Stelle wird ein Neubau errichtet, wie diese Visualisierung zeigt., Das benachbarte Haus im Jugendstil soll saniert werden. , In den vom Umbau betroffenen Liegenschaften sind aktuell drei Sex-Etablissements einquartiert., Anwohner störte n sich in der Vergangenheit an deren Leuchtreklamen. Es entbrannte ein Rechtsstreit. , Nun sollen die Bordell-Betriebe an dieser Adresse ganz schliessen., Stattdessen soll es dort bis 2022 neue Eigentumswohnungen geben.

Susanne Weiss

Unterwetziker Bordell-Betriebe löschen bald die Lichter

Beim Gedanken an die Erotikstudios an der Alten Notariatsstrasse in Wetzikon sehen manche Anwohner rot. In der Nachbarschaft sorgten in der Vergangenheit nicht nur nächtlicher Radau, sondern auch grelle Leuchtreklamen an der Fassade für Ärger. In einer Petition forderten Anwohner 2008, dass deren Lichter ausgemacht werden. Ein langwieriger Rechtsstreit entbrannte. 2011 ging der damalige Bordellbetreiber dann auf die Forderungen ein. Später zog er gar in Erwägung, einen Teil des Gebäudes zu einer Asylunterkunft umzufunktionieren oder eine Sterbehilfsorganisation dort einzuquartieren.

Jetzt hat der Eigentümer der Liegenschaften Neues vor. An der Alten Notariatsstrasse will er bauen und sanieren. Wie Visualisierungen und Pläne auf der Webseite der Immobilienfirma Forleo zeigen, sollen dort zwischen 15 und 20 moderne Eigentumswohnungen entstehen.

Kinosaal wird abgerissen

Wie aus den Bauplänen zu entnehmen ist, geht es beim Bauprojekt zum einen um das Haus aus den 60er Jahren, das im Erdgeschoss bis 2016 das Kino Rio beherbergte. Zum anderen betrifft es das benachbarte Haus im Jugendstil, das gleich an der Bahnhofstrasse steht.

Ersteres soll mitsamt dem ehemaligen Kinosaal abgerissen werden. Stattdessen ist dort neu ein vierstöckiger Neubau mit grossen Fensterfronten und einer Parkgarage mit Autoaufzug geplant. Darin sind insgesamt neun Loftwohnungen mit entweder zwei-, drei- oder viereinhalb Zimmern vorgesehen. 

Das Nachbarhaus im Jugendstil werde saniert. «Weil es sich dabei um ein denkmalgeschütztes Haus handelt, sind wir einen Schutzvertrag mit der Gemeinde eingegangen», sagt Architekt Andreas Gabathuler. Darin sei vereinbart, dass die Fassade im Zuge der Sanierung wieder dem Originalzustand entsprechend rekonstruiert werden muss. «Die Herausforderung besteht für uns also darin, die linke, in Mitleidenschaft gezogene Gebäudehälfte wieder instand zu setzen.»

Inwendig sind auf den drei Etagen weitere Dreieinhalb- und Viereinhalb-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Im Erdgeschoss ist eine Wohnung mit angrenzender Gewerbefläche geplant. Über Decken oder Wände mit Stuckverzierung verfüge dieser Gebäudeteil nicht, sagt Gabathuler. «Wir müssen im Innenraum also auf keine schützenswerten Objekte Rücksicht nehmen.»

In drei Jahren realisiert

Für die drei Sex-Etablissements wird dieses Vorhaben das Aus bedeuten – zumindest an diesem Standort. Denn betroffen sind jene beiden Liegenschaften, in denen die Betriebe einquartiert sind. Der Hauseigentümer, der ausdrücklich nicht mit Namen genannt werden will, sagt: «Mit dem Nachbarschaftsstreit hat der Umbau im Rotlichtquartier nichts zu tun. Natürlich stören sich ein paar Anwohner an den Betrieben. Streit hat es seit Jahren aber nicht mehr gegeben.»

«Für die Sex-Betriebe suchen wir einen neuen Standort im Zürcher Oberland.»

Hauseigentümer in Wetzikon

Das Baugesuch für den Neubau hat er bereits eingereicht. Auch die Baugespanne sind schon aufgestellt. Das Gesuch für die Sanierung des Altbaus soll demnächst folgen. «Es wird aber sicherlich noch mindestens ein Jahr dauern, bis das Projekt zustande kommt. Es gibt gewisse Hürden zu überwinden. Zudem besteht das Risiko, dass es aufgrund der Höhe des neuen Gebäudes Einsprachen geben wird oder die Realisierung an der Finanzierung scheitern könnte», so der Hauseigentümer. Verlaufe alles nach Plan, sei der Baustart im Herbst 2020 vorgesehen. Zwei Jahre später soll das Projekt dann fertig sein.

Die drei Sex-Etablissements werden bis zum Baubeginn weiterhin dort einquartiert sein. Danach löschen sie an der Alten Notariatsstrasse aber endgültig ihre Lichter. Der Hauseigentümer sagt: «Wir werden jetzt damit beginnen, für die Betriebe einen neuen Standort im Zürcher Oberland zu suchen. Diesbezüglich nehmen wir auch gerne Vorschläge aus der Bevölkerung entgegen.»

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