Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

«Ein bisschen Populismus gehört dazu»

Seit drei drei Monaten ist Reto Heeb (CVP) der höchste Dübendorfer. Im Interview sagt er, was er von seinen Ratskolleginnen und -kollegen hält, und wieso er als Mittepolitiker froh ist, dass es die Polparteien gibt.

Hier fühlt sich der höchste Dübendorfer wohl: Reto Heeb im neuen Glattpark bei der Bahnhofstrasse.

Seraina Boner

«Ein bisschen Populismus gehört dazu»

Herr Heeb, seit drei Monaten sind Sie nun der Präsident des Gemeinderats und damit offiziell höchster Dübendorfer. Ihre Zwischenbilanz?
Reto Heeb: Schon in den ersten Wochen konnte ich in viele Bereiche reinschauen, die ich sonst nie gesehen hätte. Ich war unter anderem am 100-Jahr-Jubiläum des Verschönerungsvereins, an den Pferdesporttagen, konnte an der gemeinsamen Übung des Samaritervereins und des Motorradclubs Hurricanes teilnehmen und werde auch einen Blick hinter die Kulissen der Stadtverwaltung werfen können. Ich versuche jede Einladung wahrzunehmen, denn überall lernt man neue Menschen kennen und führt interessante Gespräche.

Das alles ist sehr zeitintensiv.
Als Ratspräsident ist man sozusagen im Ausnahmezustand, gleichzeitig ist es auch überschaubar, da die Amtszeit nur ein Jahr dauert.

In diesem Jahr haben Sie nur bei Stichentscheiden eine Stimme. Macht es Ihnen keine Probleme, politisch quasi kaltgestellt zu sein?
Man weiss das ja und stellt sich darauf ein. Das Amt ist eine Ehre, da habe ich keine Mühe, mal ein wenig zurückzustehen. Gleichzeitig hoffe ich, dass es nicht zu einem Stichentscheid kommt. Nicht dass ich ein Problem damit hätte, einen Entscheid zu fällen. Aber wenn nur gerade eine Stimme ausschlaggebend ist, dann heisst das auch, dass das Geschäft nicht breit abgestützt ist. Und das wäre zum Beispiel bei einem Geschäft wie dem Bauprojektkredit für das Mehrzweckgebäude bei der Oberen Mühle ein schlechtes Fundament.

« Sehr schade finde ich, dass sich die FDP nicht mehr zu Wort meldet. »

Was halten Sie von Ihrem Parlament?
Was auffällt: In den grösseren Fraktionen gibt es eine Dominanz von ein paar Leuten. Die restlichen sind eher unscheinbar und schwer fassbar. Man weiss nicht, ob es sich um Parteiideologen handelt oder ob man sie motivieren könnte, auch mal anders zu stimmen als die Mehrheit der Partei. Sehr schade finde ich, dass sich die FDP nicht mehr zu Wort meldet.

Ist das denn überhaupt nötig? Die Meinungen sind in der Regel ja gemacht.
Die meiste Arbeit wird in den Kommissionen gemacht. Im Rat geht es dann darum, dass die Parteien ihre Positionen erklären und nach aussen tragen, ansonsten würde die Öffentlichkeit ja nichts davon erfahren. Dabei darf ruhig auch gefightet werden; ein bisschen Populismus gehört dazu.

Wie nehmen Sie in Dübendorf die viel zitierte Polarisierung wahr?
Als Vertreter einer Mitte-Partei bin ich auch froh über die Polparteien. Diese loten Themen von jeweils komplett gegensätzlichen Seiten aus und bringen Probleme zur Sprache, die die Leute in den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten bewegen. Der Wille, dass man dann am Schluss auch noch zu einem Konsens zusammenfindet, fehlt mir aber zum Teil.

Im Parlament scheinen die Differenzen aber oft unüberwindbar.
Die Haltungen sollen ja auch unterschiedlich sein, ein bisschen Wahrheit ist schliesslich an jeder Meinung immer dran. In Dübendorf funktioniert die Gesprächskultur gut. Da ist man in der Debatte vielleicht hart, aber danach kann man problemlos zusammen ein Bier trinken gehen.

Es gibt da aber schon die eine oder andere Privatfehde, etwa zwischen SVP-Gemeinderat Orlando Wyss und Finanzvorstand Martin Bäumle von der GLP.
Das kann schon stimmen, aber auch ein Orlando Wyss weiss, wann er mit seinem Weinglas anstossen muss. Ich erinnere mich, dass Patrick Walder und die frühere Gemeinderätin Andrea Kennel im Rat immer harte Auseinandersetzungen hatten. Aber auch sie konnten danach immer noch miteinander reden, und das ist sehr wichtig.

« Dübendorf hat im Vergleich zu Wetzikon und Uster zu wenig eigenen Charakter. »

Als Präsident leiten Sie die Sitzungen des Gemeinderats. Was gibt es sonst noch zu tun?
Das Büro des Gemeinderats, dem ich als Präsident angehöre, erarbeitet derzeit ein Merkblatt, das die Ausstandsregel definiert. Dazu haben wir eine Rechtsanwältin mit einem Gutachten beauftragt. Bis jetzt gab es da keine klare Regelung. Ebenfalls noch in meiner Amtszeit sollte es eine öffentlich einsehbare Liste mit den Interessensbindungen der Mitglieder des Parlaments geben. Das soll Transparenz schaffen und Interessenskonflikte aufzeigen.

Sie sind in Zürich aufgewachsen. Wie hat es einst nach Dübendorf verschlagen?
Meine Frau und ich sind zu jener Zeit in erster Linie hierher gezogen, weil wir freien und bezahlbaren Wohnraum an guter Verkehrslage gesucht haben. Heute fühle ich mich als Dübendorfer.

Und warum sind Sie geblieben?
Dübendorf hat im Vergleich zu Wetzikon und Uster zu wenig eigenen Charakter, was wohl vor allem an der Nähe zur Stadt Zürich liegt. Das ist aber auch ein Vorteil: Man ist in ein paar Minuten mit dem Zug in der City. Auch der Flughafen ist nah, und man ist schnell in der Natur. Diese Mischung zwischen urban und ländlich gefällt mir.

Was würden Sie sofort abschaffen?
Den Durchgangsverkehr, der ist ein Problem. Deshalb befürworte ich auch die geplante Tempo-30-Zone im Zentrum. Der Verkehr wird dadurch zwar nicht weniger, aber die Massnahme verbessert die Sicherheit und reduziert den Lärm. Die Entschleunigung wird die Lebensqualität im Zentrum stark erhöhen.

Zur Person
Reto Heeb (48) ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der Energie-Ingenieur arbeitet als Ressortleiter und Bauherrenvertreter im Hochbauamt des Kantons Zürich, wo er für Kantonsschulen und Justizbauten zuständig ist. Heeb sitzt seit neun Jahren für die CVP im Dübendorfer Gemeinderat, in der Sekundarschulpflege Dübendorf-Schwerzenbach steht er dem Ressort Liegenschaften vor. Seine Freizeit verbringt er gerne im Freien beim Velofahren, Wandern oder Skifahren.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns