Tödliche Strahlen im Keller
- Was ist Radon?
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das im Boden vorkommt. Es kann sich in Gebäuden ansammeln und zerfällt dort in weitere radioaktive Teile.
- Wo kommt Radon vor?
Jeder Boden und jedes Gestein enthält natürliches radioaktives Uran. Bei dessen Zerfall entsteht radioaktives Radon. Radon ist gasförmig und steigt je nach Durchlässigkeit des Untergrunds nach oben. Über Naturböden, aber auch Risse und Fugen in Bodenplatten kann Radon in Gebäude eindringen. Das Gas sammelt sich vor allem im Keller und den unteren Geschossen an, und zerfällt dort weiter. Diese Zerfallsprodukte sind aber nicht mehr gasförmig, sondern schweben als feinste radioaktive Teilchen in der Luft.
- Weshalb soll es aus Gebäuden entfernt werden?
Werden diese feinsten Teilchen eingeatmet, können sie sich im Lungengewebe ablagern, wo sie das Gewebe verstrahlen. Dabei kann die Erbsubstanz so geschädigt werden, dass Menschen Jahre bis Jahrzehnte danach an Lungenkrebs erkranken.
- Wie gefährlich ist Radon wirklich?
Laut Bundesamt für Gesundheit ist Radon einer der Hauptverursacher für Lungenkrebs. Jährlich sterben etwa 3200 Schweizer an Lungenkrebs, etwa 200 bis 300 Tote werden Radon zugeschrieben. Nur Rauchen steht als Lungenkrebsursache Nummer Eins noch über dem Edelgas. Gefährlich ist Radon, wenn sich eine Person längere Zeit in einem hochbelasteten Raum, zum Beispiel in einem Bastelraum in der unteren Etage eines Hauses aufhält.
- Was kann dagegen getan werden?
Das Einfachste ist es, die belasteten Räume zu belüften. Wenn keine Fenster oder eine Belüftungsanlage vorhanden sind, muss allenfalls eine umfangreichere Sanierung erfolgen, wie zum Beispiel die Abdichtung des Fundamentes.
- Wie weiss ich, ob in meinem Haus Radon ist?
Im Fachhandel können sogenannte Dosimeter gekauft werden. Die meisten dieser Messgeräte kosten weniger als 100 Franken. Für eine verlässliche Messung wird empfohlen, den Dosimeter mindestens drei Monate im Winter zu platzieren. Gemessen werden soll in den untersten bewohnten Räumen.
- Wer wird verpflichtet die Radonmessungen durchzuführen?
Bund und Kantone fordern alle Schulgemeinden auf, die Messungen in ihren Schulen, Kindergärten und anderen Kinderbetreuungseinrichtungen zu machen. Im Zürcher Oberland wurden im letzten Jahr die Bezirke Hinwil und Pfäffikon zu den Messungen verpflichtet. In diesem Jahr ist der Bezirk Uster an der Reihe. Private Schule und Kinderbetreuungseinrichtungen werden ebenfalls zu Messungen aufgefordert. Grundsätzlich werden alle Räume im untersten Geschoss und ausgewählte Räume im darüber liegenden Geschoss gemessen, wo sich Personen längere Zeit aufhalten. Nutzt eine Schule oder Betreuungseinrichtung nur Räume in höher liegenden Stockwerken, kann in Absprache mit dem AWEL in der Regel auf Messungen verzichtet werden.
- Und in Privathaushalten?
Nadia Vogel, Sektionsleiterin beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) empfiehlt die Messung gerade in älteren Häusern. «Für Privatpersonen ist die Radonmessung aber grundsätzlich freiwillig.» Neu- und Umbauten müssen heute so gebaut werden, dass Bewohner vor Radon geschützt werden. Sanierungen können gemeinsam mit einer Radonfachperson erarbeitet werden. Eine aktuelle Liste anerkannter Radonfachpersonen stellt das Bundesamt für Gesundheit unter www.ch-radon.ch bereit.
- Was kann ich als Mieter tun, wenn ich eine hohe Radonbelastung in meinem Wohnhaus befürchte?
Ein Mieter kann sich auf eigene Kosten jederzeit ein Dosimeter kaufen und eine Messung durchführen. Idealerweise tut er dies aber in Absprache mit dem Vermieter, da letzterer bei einer Referenzwertüberschreitung verpflichtet wäre, eine Sanierung durchzuführen.
- Wieso lassen Bund und Kantone jetzt messen?
Seit 2018 gilt die neue Strahlenschutzverordnung des Bundes. Mit dieser wurde der zulässige Grenzwert um zwei Drittel gesenkt. Der Bund hielt sich bei der Revision an Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
- Wann liegen die Resultate der Messung vor?
Die Messungen dauern ein Jahr. Auf Anfrage teilen Wetzikon und Illnau-Effretikon, die beiden grössten Städte der Bezirke Hinwil und Pfäffikon, mit, dass die Messungen derzeit noch im Gang seien. 2020 sollen dann die Ergebnisse vorliegen. In den Ustermer Schulen beginnen die Messungen in den Herbstferien.
