Festliche Eröffnung – unzufriedener Theaterverein
Das Wichtigste in Kürze
- Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) eröffnete das sanierte Landenberghaus
- Das Bauprojekt war einst sehr umstritten und ist es noch heute
- Ein Greifenseer Theaterverein hält das Gebäude für unpraktisch
Auf dem Schlossplatz steht am Samstagmorgen eine Tafel, darauf ist das Landenberghaus mit gelbem Papier und roter Schlaufe als Geschenk dargestellt. Dahinter strahlt das Original, das nach den Sanierungs- und Ausbauarbeiten eröffnet wird.
Viele Greifenseer wollten 2017 eigentlich ein anderes Geschenk haben, ein kleineres, das weniger kostet oder eher ihren Bedürfnissen entspricht. Für das am Ende rund 13 Millionen Franken teure Projekt, gab es damals bei der Abstimmung nur eine hauchdünne Mehrheit –gerade Mal 49 Stimmberechtigte machten den Unterschied aus.
«Das Kulturhaus ist ein typischer Mehrzweckbau.»
Walter Bachmann,Gründer Theaterverein «Die Schatulle»
Auch Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) erinnert in ihrer Rede vor etwa 300 Gästen an den knappen Urnenentscheid und der «recht hitzigen politischen Diskussion» um das Geschäft. Und der zweite Festredner, Regierungsrat Ernst Stocker (SVP), sagt, dass wohl nicht nur diejenigen heute hier seien, die ein «Ja» in die Urne gelegt hätten. «Ein Zeichen, dass man sich gefunden hat und am Schluss Freude am Ergebnis hat.»
Die Freude am Ergebnis kann Walter Bachmann, Gründer des Greifenseer Theatervereins «Die Schatulle», eher nicht teilen: «Das Kulturhaus ist ein typischer Mehrzweckbau – Theaterproduktionen können hier kaum durchgeführt werden», sagt Bachmann.
Ihn stört unter anderem, dass die Bühne vor der grossen Fensterfront steht und deswegen mit einem dicken Vorhang abgedeckt werden muss. Ausserdem glaubt er, dass die bewegliche Bühne nur sehr umständlich zu handhaben sei. «Was ich besonders schade finde, ist, dass eine Künstlergarderobe fehlt.» Von einer solchen würden auch andere Kulturveranstaltungen profitieren, ist Bachmann überzeugt.
Mehrzweck oder Einzweck?
Zwar sei der Verein während der Bauphase mehrmals von Gemeindevertretern zu Gesprächen eingeladen worden, doch die Wünsche des Vereins seien zu wenig berücksichtigt worden. Bachmann gibt sich dennoch auch versöhnlich: «Auch wenn ich nicht an allem Freude habe – wir brauchen das Landenberghaus, das ist unbestritten.»
Einer, der die Kritik aus der Bevölkerung bestens kennt, ist der ehemalige Gemeindepräsident Beat Brand (Aktion G), der zu Beginn des Projektes noch im Amt war. «Die kritischen Stimmen kamen vor allem von den Vereinen und den künftigen Nutzern», sagt er. Diese Opposition sei wichtig gewesen und habe das Projekt auch beeinflusst. Alle Interessen könnten leider nicht unter einem Dach vereint werden. «Wir brauchen einen Saal mit Bühne für viele Zwecke», so Brand.
Es krachen lassen
Helen Tanner aus Greifensee ist gespannt, wie es akustisch klingt, wenn dieser Saal und die Bühne demnächst in Betrieb genommen werden. Sie war lange Zeit im Vorstand des Jazzclubs und auf der Seite der Befürworter des Sanierungsprojektes. Es sei klar, dass nicht alle Interessen der Greifenseer Vereine abgedeckt werden. «Es ist ein Kompromiss. Der muss jetzt positiv angenommen werden», so Tanner.
Wie wichtig die Vereine sind, macht auch Gemeindepräsidentin Keller klar: «An ihnen liegt es, dass wieder Leben ins Landenberghaus einkehrt und es so richtig kracht», und fügt nach kurzer Pause hinzu: «Vielleicht nicht allzu fest,das Gebäude ist ja noch neu.»
