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Politik

«Wir müssen uns nicht hinter renommierten Häusern verstecken»

Bald beginnt das Dübendorfer Kleinkunstfestival «Chrüz & Quär» in der Oberen Mühle. Der stellvertretende Leiter Marco Wieser erklärt, wieso es zwar lustig zu und her geht, aber eben nicht nur. Und weshalb man sich Experimente nicht leisten kann.

Die meisten Acts am Kleinkunst-Festival Chrüz & Quär sind Comedy oder haben zumindest kabarettistische Elemente. Wieso sind Sie nicht konsequent und veranstalten gleich ein Comedy-Festival?
Das Festival wurde einst zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Oberen Mühle ins Leben gerufen und sollte ein Querschnitt des Programms des Kulturzentrums sein. Und so ist es auch heute noch. Wir legen das ganze Jahre über viel Wert auf Cabaret und Comedy, daneben aber auch auf Musik, Lesungen und bildende Kunst. Dass wir uns nicht auf ein Genre konzentrieren, gibt uns ausserdem viel mehr Freiheit in der Programmgestaltung. Und dann ist Chrüz & Quär auch einfach ein super Name, so ganz ohne Anglizismen.

Beim Blick ins Programmheft fällt auf: Die auftretenden Künstler sind etabliert, teilweise mehrfach ausgezeichnet und viele treten zum wiederholten Mal in der Oberen Mühle auf. Können Sie es sich nicht leisten, am Festival auch mal ein Experiment zu wagen und unbekannte Talente zu buchen?
Im Zelt hat es Platz für 250 Leute, da ist man schon auf bekannte Namen angewiesen. Es braucht eine gewisse Anzahl Personen im Publikum, damit der Funke überspringt. Und da gibt es nun einmal einen eingeschränkten Kreis von Künstlern, die das schaffen, was unwillkürlich zu gewissen Wiederholungen führt. Wobei man sagen muss, dass hier in aller Regel niemand zweimal mit demselben Programm auftritt.

Volks-DJs am Plattenteller
Vor, zwischen und nach den Vorstellungen sorgen Hobby-DJs für musikalische Unterhaltung. Die Veranstalter haben per Newsletter nach Musikliebhabern gesucht – und gefunden: Mehrere Personen aus Dübendorf und Umgebung haben sich gemeldet.
«Wir wollten keine Profis», sagt Marco Wieser, stellvertretender Leiter der Oberen Mühle. Ein perfekter Übergang sei nicht wichtig; die DJs sollten die Leute unterhalten, Musikwünsche erfüllen und so zur Festivalatmosphäre beitragen. Das Besondere dabei: Die Musik kommt nicht ab CD oder Memorystick, sondern direkt von altehrwürdingen Vinylscheiben auf dem Plattenteller. tba

Die Auslastung der Vorstellungen beträgt im Durchschnitt 75 Prozent, reicht Ihnen das?
Jein. Natürlich hat man als Veranstalter gerne ein ausverkauftes Haus. Von den Einnahmen her reicht es aber, dass sich das Festival finanziell selber trägt. Für mich persönlich ist auch die Zufriedenheit der Zuschauer wichtig. Und da muss ich sagen: Die Stimmung ist immer ausgezeichnet. Viele Leute sind überrascht, dass ein Kulturzentrum in der Agglomeration ein solches Programm zusammenstellen kann. Es stimmt ja auch, wir müssen uns nicht hinter renommierten Häusern in Zürich oder Winterthur verstecken.

Wie gross ist die Konkurrenz unter den Veranstaltern? Müssen Sie um gute Künstler kämpfen?
«Kämpfen» ist übertrieben. Wir bemühen uns um gute Künstler. Mittlerweile verfügen wir über sehr gute Kontakte zu Agenturen und wissen, wer wann auf Tour ist. Somit verläuft das Booking in aller Regel relativ unspektakulär. Wobei: Damit wir letztes Jahr Philipp Fankhauser in die Obere Mühle holen konnten, mussten wir schon ein wenig kämpfen.

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Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

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