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Politik

Das Zwicky-Areal fordert Bewohner und Genossenschaften heraus

Auf einem Rundgang konnten am Donnerstagabend Interessierte mehr über das Zwicky-Areal und die dort tonangebende Genossenschaft Kraftwerk1 erfahren. Dabei waren Freud und Leid der Anwohner sowie die Herausforderungen des Standorts das zentrale Thema.

Eines der grössten Quartiere in Dübendorf: Das Zwicky-Areal., An einem Rundgang konnten Interessierte mehr über das Zwicky-Areal erfahren., Wo früher die ehemalige Spinnerei Zwicky stand, ragen heute Wohnblöcke in die Höhe., Zwischen Überlandstrasse, Bahnviadukt und Tramschienen gelegen., Das Zwicky-Areal befindet sich auf der Grenze der Gemeinden Dübendorf und Wallisellen., Deshalb wird der Standort des Quartiers auch als «herausfordernd» bezeichnet., Trotzdem soll die Siedlung Wohnen, Arbeiten und Kultur verbinden.

Christian Merz

Das Zwicky-Areal fordert Bewohner und Genossenschaften heraus

«Das Zwicky-Areal ist ein sehr irrer Ort, den man nicht mit Wohnen verbinden würde», sagt Architekt und Areal-Bewohner Ivo Hasler. Er ist einer von sechs Anwohnerinnen und Anwohnern des Quartiers zwischen Wallisellen und Dübendorf, die einer Gruppe von rund 20 Interessierten an diesem Spätsommerabend einen Einblick in das Leben auf dem Zwicky-Areal geben. Tatsächlich: Zwischen Überlandstrasse, Bahnviadukt und Tramschienen gelegen wirkt die Ansammlung von Betongebäuden nicht gerade einladend. Bis in die 90er Jahre sei dies ein «Un-Ort» gewesen, dazu konzipiert, mit dem Auto durchfahren zu werden. Seit ein paar Jahren stehen hier anstelle der ehemaligen Spinnerei Zwicky aber hohe, industriell anmutende Häuser mit Wohnungen.

Aber es sind nicht nur Lage und Architektur, die die Besucher an diesem Abend hierhin gelockt haben. Die Rundgangreihe «Heimsuchung», in deren Rahmen der Spaziergang stattfindet, findet unter der Verantstaltungsreihe «Plattform Genossenschaften» statt und wird vom Verband Wohnbaugenossenschaften Region Zürich organisiert. Moderiert wird der Rundgang von Projektleiterin Sabine Wolf. Rund die Hälfe des Zwicky-Areals gehört der Genossenschaft Kraftwerk1, die sonst nur Projekt in der Stadt Zürich betreut. Das Zwicky-Areal ist deshalb ihr erstes in der Agglomeration ist. Die Siedlung verbinde Wohnen, Arbeiten, Kultur und Dienstleistungen und helfe so der Agglo, Stadt zu werden, heisst es auf der Website der Genossenschaft. 

Herausfordernder Standort

Was den Lärmpegel betrifft, steht das Quartier tatsächlich keiner Stadt nach. Deshalb wurden kreative Lösungen für den hohen Lärmpegel gefunden: An der Ecke, wo die Strassengeräusche am lautesten sind, wurde ein Hotel eingerichtet. «Wir sind meist zu 75% belegt», sagt Wayne van Rooyen, der zugleich Leiter des Bistro ZwiBack ist. Doch für die grössten Herausforderungen sorgt die Lage des Areals, das sich auf der Grenze der Gemeinde Wallisellen zu Dübendorf befindet. «Während Dübendorf ein Parlament hat, politisiert Wallisellen an der Gemeindeversammlung», sagt Hasler. Diese Spaltung mache sich immer wieder bemerkbar. 

«Im angrenzenden Hochbord sollte eine Schule gebaut werden, die leider wegen mangelnder Voraussicht in der Schulraumplanung im Moment schwierig zu erstellen ist.»

Ivo Hasler, Architekt und Areal-Bewohner

So fehle beispielsweise eine Schule für die rund 80 auf dem Gelände lebenden Kinder.  «Im angrenzenden Hochbord sollte eine Schule gebaut werden, die leider wegen mangelnder Voraussicht in der Schulraumplanung im Moment schwierig zu erstellen ist», sagt Hasler. Hierfür sei kein Land gesichert worden und nun sei dieses zu teuer. Dabei bestätige eine kürzlich veröffentliche Schulraumstudie der Primarschule Dübendorf den kommenden Bedarf an Schulraum für die Areale Giessen, Hochbord und Zwicky. Auch bestehe die Frage, inwiefern die Gemeinden für Jugendräume verantwortlich wären – denn ein Teil der Wohnungen auf dem Areal sind normale Eigentumswohnungen. «Das Kraftwerk1 kann nicht alles fürs Quartier liefern», sagt Hasler. Viele dieser Anliegen beträfen nicht nur die Genossenschafter, sondern seien Quartier-Anliegen. «Die Gemeinden sollen nicht bloss das Steuersubstrat abschöpfen, sondern auch was machen», fordert er. 

Grosses Interesse an Projekt

Viele der Anwesenden wollen mehr über diese Strukturen erfahren, und wie die Genossenschaft damit umgeht. Heidi Sandoz ist etwa aus Neuchâtel angereist, wo sie bei  Coopérative d’en face aktiv ist. «Das hier ist viel grösser», sagt sie. «Aber ich bereue es nicht, gekommen zu sein, es ist sehr interessant.» Auch Nicole Heim und Flavio Pfaffhausen aus Zürich sind aus «Recherche-Gründen» hier. «Wir wollen eine eigene Genossenschaft gründen», erzählen sie. Die soll dann aber um einiges kleiner sein als die Kraftwerk1 Zwicky-Süd. 

Während des Rundgangs begegnen der Gruppe viele Kinder, die zwischen den Beton-Blöcken lautstark spielen. Richtig grün sind die grauen Klötze noch nicht geworden. «Die Pflanzen sollten eigentlich höher gewachsen sein», bestätigt Daniela Wettstein, die den Quartierverein mitgegründet hatte und von 2012 bis 2015 auch im Vorstand der Genossenschaft war. «Man hat bei der Bepflanzung Baumängel festgestellt, die derzeit behoben werden. Es wird hier noch deutlich grüner werden.»  Doch bunte Lämpchen und Wimpel an einigen Balkonen verschönern den Anblick etwas. Hasler sagt dennoch: «Was wir in dreieinhalb Jahren auf die Beine gestellt haben, ist bemerkenswert». Und auch Wettstein findet, dass die rohe architektonische Sprache der Siedlung Zwicky Süd gelungen sei, weil sie die Bewohnenden einlade, etwas daraus zu machen. Schaut man sich um, sind auch einige Gewerbe wie eine Mikrobrauerei, eine Tanzschule oder ein Bistro zu entdecken – das Zwicky-Areal ist eben doch nicht nur eine Überbauung; sondern ein Quartier, das aktiv belebt werden soll. (Noemi Ehrat)

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