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Politik

Der stylischste Cousin der Stadt

An bester Lage hat in Uster ein neues Friseur-Geschäft eröffnet. Der Familienbetrieb «Cousin’s Barber Club» verströmt eine urbane Aura, die Ustermer Grossstadt-Phantasien weiter beflügeln dürfte.

Mazlum Yaprak ist Inhaber des Barber-Shops «Cousin's» und seit Mai auch in Uster vor Ort., Aktuell oft zu dritt im Geschäft, will Inhaber Yaprak (Mitte) den Personalbestand in Uster bald aufstocken. , Gehört zur Grundversorgung des «Cousin's»: Die Bartrasur.

Seraina Boner

Der stylischste Cousin der Stadt

Usters Zentrum, Gegenstand nie abreissender Zukunftsdiskussionen und Projektionsfläche von Stadtentwicklern, hat einen neuen Hingucker. Seit Anfang Mai hat im Erdgeschoss des Gebäudes an der Poststrasse 6 ein Betrieb seine Zelte aufgeschlagen, dessen Interieur ein Stück weit jene Hipster-Phantasien wahr werden lässt, die Urbanisierung-Turbos in der drittgrössten Stadt des Kantons seit geraumer Zeit hegen.

Die Rede ist vom «Cousin’s», einem Friseur, der sich selbst «Barber Club» nennt. Wer ihn betritt, findet sich in einem grosszügigen, spärlich eingerichteten Raum wieder. Die Ziegelsteinwände, die an Ketten aufgehängten Spiegel und die hohen Decken verströmen das, was gemeinhin als «Industrial Chic» bezeichnet wird. Für eine Portion Wärme sorgen auf einem Flachbildschirm Videoclips, die Mittelmeer-Aufnahmen zeigen.

Dem Kunden wird eine stylische Coiffeur-Schürze umgehangen, ehe er nach aller Regel der Kunst frisiert und barbiert wird. Das Schlussbouquet besteht im Entfernen überflüssiger Härchen mit dem Feuerzeug.

Der Name ist Programm

Für das Rasur-Erlebnis hauptverantwortlich ist Mazlum Yaprak. Er führt bereits in Birmensdorf und in Illnau-Effretikon Barber-Shops mit gleichem Namen, Uster ist nun seine dritte Station. «Der Name Cousin’s kommt daher, dass viele die in unseren Geschäften arbeiten, tatsächlich Cousins sind», sagt er.

Der Familienbetrieb beschäftigt rund zwölf Angestellte, in Uster sind aktuell drei oder vier Personen vor Ort. «Wir dachten, kurz nach der Eröffnung reicht hier diese Anzahl Mitarbeiter. Aber es kamen von Anfang an doppelt so viele Leute wie erwartet. Wir sind deshalb auf der Suche nach zusätzlichen Angestellten», sagt Yaprak.

Als Grund für den Erfolg führt er die Tatsache auf, dass er sich an seinen bisherigen Standorten bereits einen Namen gemacht habe. «Ich hatte in Birmensdorf und in Effretikon auch Kunden aus Volketswil oder Schwerzenbach. Sie sind froh, dass sie nun nach Uster kommen können», sagt der Dietiker mit türkischen Wurzeln.

«Joker» mit Fliege

Nicht nur Kunden aus den Glattal-Gemeinden kämen mit dem Auto zu ihm, so Yaprak. Er spricht damit unwillkürlich eines der heissesten Eisen der Ustermer Lokalpolitik an, sorgt doch das Thema Parkplätze im Stadtzentrum auch bei anderen Gewerblern regelmässig für rote Köpfe.

Allerdings scheint Yaprak mit den Eigenheiten der drittgrössten Zürcher Stadt noch wenig vertraut. In Uster sei er vor der Eröffnung seines Geschäfts nicht oft gewesen, für den Standort habe er sich vor allem auch deshalb entschieden, weil ihm das Ladenlokal – es wird von der Siska Heuberger Holding AG vermietet –  gefallen habe.

Dass der grosse Raum eher spärlich eingerichtet ist, gehöre zum Konzept, so Yaprak. «Ich will eine gewisse Leichtigkeit rüber bringen und nicht jede Ecke zu stellen», sagt er. Auch das Logo, ein «Joker» mit Fliege prägt den optischen Auftritt des «Cousin’s».

Ambiente einer Cocktail-Bar

Man wolle nicht 0815 sein und sich auch so von den Friseur- und Barber-Geschäften abheben, die in den letzten Jahren nicht nur in Uster wie Pilze aus dem Boden schossen. Die Idee sei es, ein bisschen wie eine Bar zu wirken, sagt Yaprak.  Und dies nicht nur im Erscheinungsbild, das von Sofas geprägt wird, die ebensogut in einer Cocktail-Bar stehen könnten. «Bei uns werden auf Wunsch tatsächlich Getränke serviert.»

Anders als die Inhaber anderer Frieseursalons wolle er sein Geschäft nicht «chefmässig» von oben herab führen. «Wir sehen uns eben als Cousins», so Yaprak.

Und der Familienbetrieb soll weiter expandieren. Yaprak hegt bereits Pläne für die Eröffnung eines neuen Geschäfts. Wo sich dieses befinden soll, wisse er noch nicht. Klar ist: Auch ein hipper werdendes Uster ist für eine ambitionierte Unternehmer-Familie nicht die Endstation aller Träume.

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