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Ries, Nuoss und Bock – Hornussen einfach erklärt

Einst gab es Hornussergesellschaften in Fehraltorf, Uster und weiteren Oberländer Gemeinden. Geblieben ist einzig die Hornussergesellschaft Gossau – in einem viertägigen Hornusserfest feiert sie ihr 100-jähriges Bestehen.

Auf dem Bock wird der Nuoss platziert und mit dem Stecken möglichst weit ins Ries geschlagen., Das Ries ist 200 Meter lang. Ist der Nuoss in der Luft, kommt Bewegung in die «abtuende» Mannschaft., Mit geübtem Blick machen die Hornusser den bis zu 300 km/h schnell fliegenden Nuoss in der Luft aus..., ... und strecken ihre Schindel nach ihm aus, um ihn zu stoppen., Der anhaltende Regen ist für die gegnerischen Teams kein Nachteil, denn bei klarem Himmel sieht man den Nuoss viel schlechter. , Gefährlich ist Hornussen nicht – trotzdem wurde vor einigen Jahren eine Helmpflicht eingeführt. , Momentan müssen alle unter 35 Jahren einen Helm tragen. Den Älteren konnte man es nicht nachträglich vorschreiben. , Auch am 17./18. August feiert die Hornussergesellschaft Gossau ihr 100-jähriges Bestehen. Dann mit dem Nordostschweizer Fest.

Foto: Rahel Boller

Ries, Nuoss und Bock – Hornussen einfach erklärt

«Was sind wir – Hornusser!» Es ist Samstagmorgen um 10 Uhr auf einem Feld ausserhalb von Gossau und das Interkantonale Hornusserfest hat gerade erst begonnen. Der Kampfschrei der Bowiler Hornusser ist bis weit über das Ries – so wird das Spielfeld im Hornusser-Fachjargon genannt – zu hören.

15 dieser Spielfelder hat die Hornussergesellschaft Gossau eingerichtet, damit Gesellschaften aus der ganzen Schweiz in Gossau dem Schweizer Nationalsport frönen können. Zu hören ist auf dem Platz dann aber vor allem Berndeutsch, denn über drei Viertel aller Schweizer Hornussergesellschaften sind in Bern beheimatet.

«Was sind wir – Hornusser!»
Kampfschrei der Bowiler Hornusser

Auch die Hornussergesellschaft Gossau sei vor hundert Jahren aus Berner Auswanderern entstanden, weiss der Gossauer Hornusser Ruedi Wyniger. «Weil immer der jüngste Sohn den Hof übernehmen durfte, mussten die anderen gehen». So suchten sich viele Berner im Zürcher Oberland ein neues Zuhause und nahmen mit dem Hornussen ein Stück Heimat mit. 

Bewölkter Himmel von Vorteil

Ein Ries weiter bereitet sich die Mannschaft aus Heimberg bei Thun auf ihr erstes Spiel vor. Mit routinierten Bewegungen schlägt ein junger Mann ein Loch in den Boden, ein anderer trocknet mit einem Lappen den Bock, die metallene Abschlagrampe. Auf dieser wird etwas später der Nuoss, eine faustgrosse Kunststoffscheibe, platziert und mit dem Stecken möglichst weit ins Ries geschlagen.

Der anhaltende Regen hat den Boden aufgeweicht, die meistgebrauchten Wege werden bald zu Schlammstrassen. Für die gegnerische Mannschaft, deren Aufgabe es ist, den Nuoss möglichst schnell vom Himmel zu holen («abtun» genannt), sei das regnerische Wetter jedoch gar nicht mal so schlecht. «Bei klarem Himmel sieht man als abtuende Mannschaft den Nuoss viel schlechter», erklärt Wyniger und verschwindet schnell im Kiosk-Zelt, um zwei Spielern einen Nussgipfel zu verkaufen.

Alles Einstellungssache

Die Hornussergesellschaft Gossau sucht man auf dem Spielplan vergeblich. Die Mitglieder der Gesellschaft sind vollauf damit beschäftigt, alles am Laufen zu halten. «Es wäre viel zu stressig, wenn wir selbst spielen müssten», beteuert Walter Moser. Er ist Präsident der Hornussergesellschaft Gossau und arbeitete vier Jahre lang auf das viertägige Fest hin. Dass das Wetter nun so garstig ist, sei nicht schön. Mit nasser Schiene und nassem Holz lasse es sich schlechter spielen, der Nuoss fliege weniger weit. «Aber wir können auch nichts dafür – die Hornusser akzeptieren das.»

Dass Hornussen bei Regen weniger Spass macht, bestätigt auch Bruno Tanner von der Hornussergesellschaft Kirchberg. Der Gedanke, gleich für längere Zeit in den Regen stehen zu müssen, macht ihm aber keine Mühe: «Das ist reine Einstellungssache.»

«Wenn man einen Helm trägt, kriegt man höchstens blaue Flecken.»
Bruno Tanner, Hornussergesellschaft Kirchberg

Bald darauf packt er seine Schindel – ein grosses Holzbrett mit Stiel – und platziert sich mit seinen Kollegen auf dem 200 Meter langen Ries. Sobald der schlagende Spieler seinen Stecken durch die Luft zischen lässt, kommt Bewegung in die «abtuende» Mannschaft. Mit geübtem Blick machen sie den bis zu 300 km/h schnell fliegenden Nuoss in der Luft aus und strecken ihre Schindel nach ihm aus, um ihn zu stoppen.

Manchmal fliegt eine Schindel dafür auch durch die Luft, denn wichtig ist nur, dass eine Schindel den Nuoss berührt bevor er am Boden landet. Sonst gibt es Minuspunkte, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Spiel der Generationen

Gefährlich sei dieser Sport aber nur in seltenen Fällen. «Wenn man einen Helm trägt, kriegt man höchstens blaue Flecken», sagt Tanner. Eine Helmtragepflicht wurde aber erst vor einigen Jahren eingeführt, momentan müssen alle unter 35 Jahren einen Helm tragen. «Allen Älteren konnte man es ja nicht nachträglich vorschreiben.»

Entgegen anderen Sportarten, stehen beim Hornussen Spieler allen Alters auf dem Ries. Die Gemeinschaft und das gemeinsame Spiel mit mehreren Generationen ist es auch, was für viele Hornusser den Reiz ihres Spiels ausmacht. Auch bei Bruno Tanner: «Es ist toll, dass ich mit meinem Sohn zusammen auf dem Ries stehen kann.»

Es folgt das Nordostschweizer Hornusserfest

Die Hornussergesellschaft Gossau feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit einem viertägigen Hornusserfest. Das Fest findet an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden statt. Nach dem Interkantonalen Hornusserfest wird am kommenden Wochenende (17. und 18. August) das Fest des Nordostschweizerischen Hornusser Verbandes ausgetragen.
Mehr Informationen dazu unter www.hggossau.ch

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