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Der Wald als Opfer des Klimawandels

Die Trockenheit setzt den Oberländer Bäumen zu: abbrechende Äste und Käferbefall beschäftigen die Förster. Eine Lösung für die Probleme zu finden, ist schwierig.

Die Trockenheit von 2018 hat auch Auswirkungen auf den diesjährigen schlechten Zustand der Oberländer Wälder., Kreisforstmeister Samuel Wegmann sorgt sich um den Wald. Er spricht von «beunruhigenden Schäden»., Bisher musste – im Gegensatz zum letzten Jahr – kein Feuerverbot wegen Waldbrandgefahr verhängt werden., Wegen der Trockenheit fühlt sich auch in diesem Jahr der Borkenkäfer im Wald Pudelwohl.

Archivfoto: Christian Merz

Der Wald als Opfer des Klimawandels

Das Wichtigste in Kürze:

  • Buchenäste brechen wegen der Trockenheit ab und sorgen für Gefahr
  • Der Borkenkäfer hat viele Wälder befallen
  • Eine breite Baumartenvielfalt soll künftige Extremereignisse abschwächen

 

Für Stadtförster Benjamin Kistner ist es wegen der Trockenheit um den Ustermer Wald nicht gut bestellt. «Es gibt Buchen, die zerbröckeln regelrecht», sagt er. Erst kürzlich habe er einen grossen grünen Buchenast auf dem Boden gefunden. Das überraschte ihn: «Normalerweise bricht ein Ast erst, wenn er dürr ist oder durch einen Sturm.»




«Diese Schäden sind sehr beunruhigend.»


Samuel Wegmann, Forstkreismeister Zürcher Oberland

Dass deswegen ein ganzer Wald gesperrt werden muss, wie es jüngst in einer Basler Gemeinde angeordnet wurde, hält Kistner nicht für nötig. «Hier wird der öffentliche Wald gepflegt.»

Was machen Privatwaldbesitzer mit ihren Bäumen?

19.07.2019

Oberländer Wald

Ein grosser Teil des Oberländer Waldes gehört Privaten. Beitrag in Merkliste speichern Auch bei den Privatwaldbesitzern, die in Uster – wie im ganzen Oberland – das Gros der Eigentümer ausmacht, werde die Sicherheit in der Regel hoch gehandelt, sagt Kistner. Spätestens wenn er die Haftungsbeschränkung anspreche, seien sich die Waldbesitzer ihrer Verantwortung bewusst. «Niemand will schuld sein, wenn einem Spaziergänger ein Ast auf den Kopf fällt.»

Latente Gefahr

Kreisforstmeister Samuel Wegmann, der für den Oberländer Wald zuständig ist, kennt diese Gefahr: «Herunterfallende Buchenäste gefährden die Waldbesucher. Ist nur der obere Teil der Krone abgestorben und der untere noch grün, ist es für die Waldbesitzer und Waldbesucher schwierig, diese Gefahr zu erkennen.»
 


Stadtförster Benjamin Kistner gibt zu bedenken, dass Usters Wälder von der Trockenheit besonders betroffen seien. «Kiesböden sind in Uster typisch. Diese Böden können das Wasser nur sehr schlecht speichern». Bei den Buchen sei die Trockenheit nicht immer leicht zu erkennen. Äusserlich seien die Bäume mehrheitlich grün. Nur an den dürren Trieben, einigen welken Blättern und der gelichteten Krone sind die Anzeichen der trockenen Tage zu sehen, sagt Kistner.

«Beunruhigende Schäden»

Waldbrände sind derzeit allerdings kein Thema, weil es im Gegensatz zu 2018 immer wieder ein bisschen geregnet hat. Das kantonale Amt für Landschaft und Natur hat die Gefahrenstufe «mässig» herausgegeben. Darauf verlassen sich Förster wie Kistner. Wichtig sei, so Kistner, dass die Waldbesucher so gut wie möglich über die Massnahmen informiert werden, die bei den jeweiligen Gefahrenstufe gelten. Im letzten Jahr wurde beispielsweise mit Plakaten auf den Ustermer Waldwegen auf das Feuerverbot hingewiesen.


Im Zürcher Oberland hat der trockene und heisse Sommer von 2018 gut sichtbare Spuren hinterlassen. Kreisforstmeister Wegmann sagt, dass viele der im letzten Sommer bereits braun verfärbten Buchen heute dürre Kronen aufweisen. «Diese Schäden sind sehr beunruhigend. Da wird uns vor Augen geführt, was wir bei zunehmend häufigeren Trocken- und Hitzephasen zu erwarten haben.»

Fichte unter Druck

Betroffene Baumarten wie die Fichte, die die Trockenheit schlecht verträgt, durch weniger empfindlichere Bäume zu ersetzen, sei im Wald schlicht nicht möglich, sagt Wegmann. Er gehe aber davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten der Fichtenanteil reduziert werde.


«Andererseits werden wir vermutlich zukünftig Eichen, deren Anteil im Oberland  momentan bei einem Prozent liegt, häufiger antreffen. Beim Wald muss man eben längerfristig planen», sagt Wegmann.

Nicht alle Folgen des Klimawandels auf den Wald seien absehbar. «Es ist schlicht nicht restlos geklärt, wie unsere Bäume auf die veränderten Bedingungen reagieren.» Klar ist: Es seien Wäldern mit einer hohen Baumartenvielfalt anzustreben, am besten aus Bäumen verschiedenster Altersstufen - und solchen, die nicht bereits heute unter dem Klimawandel leiden, so Wegmann. Das seien beispielsweise Eichen oder Kirschbäume. «Es ist wie bei den Aktien, wo auch ein gutes Portfolio wichtig ist, um die Risiken eines unvorhersehbaren Absturzes mit einer breiten Palette abzufedern», so Wegmann.

Käferbekämpfung

Für Wegmann ist derzeit im Zürcher Oberland vor allem die Borkenkäferplage – genauer der «Buchdrucker» – ein Thema. Ein besonders krasser Fall betrifft einen Waldbesitzer in Illnau-Effretikon. «Vor allem in den tieferen Lagen wütet der Käfer. Um die Population des Buchdruckers einzudämmen, müssen befallene Fichten rechtzeitig gefällt und abtransportiert werden». Ideal wäre es, wenn das nächste Jahr mit einem kalten, nassen Frühling starten würde und der Sommer ebenfalls kühl und regnerisch wäre, so Wegmann. 

Der Buchdrucker befällt hauptsächlich Fichten (Rottannen), die mit 34 Prozent die weit verbreitetste Art im Oberland ist. Wo ein besonders hoher Fichtenanteil vorkommt, ist oft der Käfer nicht weit. «Zum Glück weisen die Oberländerwälder verhältnismässig wenige grossflächige Fichtenreinbestände auf», sagt Wegman, denn:  «Wenn sich in solchen Wäldern, die zudem oft noch schlecht erreichbar sind, der Käfer ansiedelt, haben wir ein Problem.»

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