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Wildbienen wachen über den Toten

Das Grabmal eines verstorbenen Imkers auf dem Mönchaltorfer Friedhof soll zum Wohnhaus für Bienen werden. Sind nun Trauernde in Gefahr, gestochen zu werden?

Künstler Marcel Plüss und sein Kunstwerk, das als Grabmal dient., Für das Grabmal musste der Künstler wie es bei der Gemeinde bei Grabsteinen üblich ist, eine Bewilligung einholen., Viele Löcher mit unterschiedlichen Durchmessern sollen den Wildbienen ein Zuhause bieten., Gerne hätte Plüss gar ein grösseres Grabmal auf den Friedhof gestellt.

Christian Merz

Wildbienen wachen über den Toten

Die Idee kam den Hinterbliebenen von Gottfried Meyer aus Mönchaltorf: Der Grabstein des einstigen Imker Meyer sollte zum Wildbienenhort werden. Künstler Marcel Plüss macht Kunstwerke, die Wildbienen ein Zuhause bieten. Und so hat er die Grabskulptur aus Apfelbaumholz im Auftrag der Familie Meyer erstellt, die seit einer Woche auf dem Mönchaltorfer Friedhof steht.

«Ich hätte mir auch eine drei Meter grosse Skulptur vorstellen können.»

Marcel Plüss, Künstler

Ein aufgeschnittener Holzstamm, weniger als einen Meter gross, mit vielen unterschiedlich grossen Löchern darin. Für Künster Marcel Plüss hätte das Grabmal durchaus noch ein bisschen grösser sein können. «Ich hätte mir auch eine drei Meter grosse Skulptur vorstellen können.» Doch die Vorgaben der Gemeinde sind klar: Maximal darf ein Grabsteinen einen Meter hoch und 60 Zentimeter breit sein. Beim Bewilligungsverfahren habe er sich an diese Vorgaben gehalten und das Gesuch sei auch problemlos bewilligt worden, so Plüss.

Harmlose Einzelgänger

Wieso auch nicht, denn Wildbienen werden je kaum Friedhofbesucher belästigen: Sie treten nicht in Schwärmen auf und sind harmloser als die Honigbiene. Markus Heinzer vom Imker-Verein Bezirk Uster erklärt das so: «Honigbienen sind aggressiver als Wildbienen, da sie ihre Königin und die Vorräte vor Räubern verteidigen müssen.» Wildbienen sind dagegen Einzelgänger ohne Königin. «Man muss Wildbienen fast zerdrücken, damit sie zustechen.» Zudem ist der Stachel der Wildbiene weich und kommt im Gegensatz zum Honigbienenstachel nur schwer durch die menschliche Haut.

Plüss hat sein Kunstwerk so gebaut, dass es sich hauptsächlich als Lebensraum für Wildbienen eignet. «Die Skulptur hat nur viele einzelne Löcher und bietet keinen Hohlraum für ein ganzes Honigbienenvolk.» Die Löcher haben Durchmesser zwischen zwei und zehn Millimeter und sind mindestens zehn Zentimeter tief. Für den Künstler passen Wildbienen auf den Friedhof: «Die Bienen legen dort Eier, in denen sich Larven entwickeln, verpuppen, und dann neue Bienen schlüpfen. Ein perfektes Symbol von Vergänglichkeit und neuem Leben.»

Friedhof ist bei Bienen beliebt

Auch Imker Heinzer findet den Friedhof als Habitat für Wildbienen ideal: «Dort hat es meist frische Blumen und Wasser, neben dem Unterschlupf alles, was die Wildbienen brauchen.» Auch Honigbienen würden sich wegen der guten Bedingungen oft auf Friedhöfen aufhalten und dafür auch Flugdistanzen von mehreren hundert Metern in Kauf nehmen.

Nach nur einer Woche haben sich noch keine Wildbienen in Plüss‘ Kunstwerk eingenistet. Das sei schon bei anderen Wildbienenhorten, die er geschaffen habe, so gewesen. «Die Tiere müssen den Unterschlupf zuerst entdecken. In den nächsten Wochen wird das Grabmal sicher belebt sein», so Plüss.

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