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Was machen Privatwaldbesitzer mit ihren Bäumen?

Ein grosser Teil des Oberländer Waldes gehört Privaten. Wirtschaftlich gibt es für diese nichts zu gewinnen – aber viel tun müssen sie für den Wald auch nicht.

Der Oberländer Wald ist zumeist in Privatbesitz., Im vergangen Jahr war der Hinwiler Wald vom Borkenkäfer befallen., Käferbefall reduziert den Wert des Holzes um etwas zwei Drittel des ursprünglichen Preises., Kreisforstmeister Res Guggisberg (rechts) ist ein Kenner des Oberländer Waldes und Privatwaldbesitzer., Von Gesetz wegen muss der Privatwald nicht gepflegt werden., In der Vergangenheit verursachten auch immer wieder Stürme Schäden im Wald., Auch Schutzwald ist in Privatbesitz.

Archivfoto: Christian Merz

Was machen Privatwaldbesitzer mit ihren Bäumen?

Das wichtigste in Kürze

  • Grosse Teile des Waldes im Oberland ist in Privatbesitz
  • Wirtschaftlich ist der Wald auch wegen des aktuellen Käferbefalls kaum rentabel
  • Privatwaldbesitzer haben in der Regel nicht viele Pflichten – viele Rechte haben sie jedoch insbesondere beim Schutzwald auch nicht

Wer während eines Waldspazierganges eben mal an einen Baum pinkelt, trifft mit grosser Wahrscheinlichkeit einen privaten Baum. 78 Prozent der Waldfläche des Forstkreises Zürich Oberland, zu dem 21 Gemeinden gehören, ist in Privatbesitz. Rechnet man die Korporationen dazu, die meist ein Zusammenschluss von Privatwaldeigentümer sind, sind es gar 84 Prozent (siehe Grafik).

 

In diesem Jahr feiern verschiedene Privatwaldverbände ihr 100-Jahr-Jubiläum. Doch für gewinnorientierte Waldbesitzer gibt es schon seit einiger Zeit nichts mehr zu feiern. Denn einerseits ist der Holzpreis auf Sinkflug, andererseits belasten die Borkenkäferplage, Sturmschäden und die zunehmende Trockenheit die Oberländer Wälder.

Darum bleiben die Holzpreise zurzeit im Keller

15.03.2019

Schadholz in den Wäldern

Sturmschäden, Hitzesommer und Borkenkäferplage: In den Wäldern der Region liegt derzeit viel Scha Beitrag in Merkliste speichern Dennoch halten die meisten Privatwaldbesitzer an ihrer Waldfläche fest. Dies weiss Res Guggisberg, Kreisforstmeister und ein Kenner der Wälder im Oberland. Er ist zudem der grösste Privatwaldbesitzer in der Gemeinde Egg. «Privatwälder werden beinahe nie verkauft, sondern meist weitervererbt. Der durchschnittliche Preis ist mit einem Franken pro Quadratmeter Oberländer Wald einfach zu tief.» Privatwald habe oft nur einen emotionalen Wert, sagt Guggisberg.

Gesetz verlangt keine Pflege

Wie viele Oberländer Waldparzellen sind auch Guggisbergs Bäume in diesem Jahr vom Borkenkäfer befallen. Das hat auch Auswirkungen auf den Preis. «Momentan bekomme ich für den Kubikmeter Käferholz etwa 30 bis 35 Franken – nur einen Drittel des üblichen Preises.» Die grösseren Waldarbeiten erledige für ihn eine Holzerei, kleinere Baumstämme säge er selber und brauche diese als Brennholz.

So wie Guggisberg machen es jedoch nicht alle. «Bei Weitem nicht alle Privatwaldbesitzer pflegen ihren Wald.» Sie müssen das von Gesetz wegen auch nicht. Ausser wenn beispielsweise dürre Bäume auf die Strasse zu fallen drohen.

Der Stadtförster nimmt Einfluss

Bei der Waldpflege erhalten die Waldbesitzer auch Unterstützung von den Förstern. In Uster hilft Stadtförster Benjamin Kistner, indem er zusammen mit dem Privatwaldbesitzer die Bäume markiert, die dieser – sofern er die fachliche Kompetenz hat – selber fällen kann. Ansonsten kann er die Arbeiten auch an einen Forstbetrieb vergeben.

Beim Anzeichnen der Bäume könne er viel Einfluss auf die Waldbesitzer nehmen, sagt Kistner. Als Stadtförster strebe er ein möglichst «stabiles und artenreiches Waldbild» an. «Dabei muss ich aber auch die Philosophie der Waldbesitzer beachten.»

«Die Fichte ist besonders beliebt und wurde früher wegen des Profites als Brotbaum bezeichnet.»

Benjamin Kistner, Stadtförster Uster

In Zeiten des Klimawandels zeigten sich einige Waldbesitzer verunsichert. «Sie fragen mich, welche Bäume sie pflanzen können, um einen möglichst resistenten Wald für die Zukunft aufbauen zu können», sagt Kistner. Er erkläre den Betreffenden dann jeweils, dass eine möglichst grosse Durchmischung der Baumarten sinnvoll sei.

«Brotbaum»

Trotz der tiefen Holzpreise gehe es aber bei vielen Waldbesitzern immer noch darum, etwas mit der Waldarbeit zu verdienen. Die Fichte ist der häufigste Baum im Oberland. «Sie ist besonders beliebt und wurde früher wegen des Profites als Brotbaum bezeichnet.» Bei einem «überschwemmten Holzmarkt», wie Kistner die momentane Nachfrage bezeichnet, sei die Fichte leider alles andere als profitabel.

Das kantonale Amt für Landschaft und Natur betrachtet den ökonomischen Wert des Waldes als gering. Fünf- bis zehnmal so gross sei der Wert beispielsweise, um die Wasser- und Luftqualität zu schützen, um die Tier- und Pflanzenvielfalt zu erhalten, oder um vor Steinschlag und Erdrutschen zu schützen.

Geld verdienen lässt sich mit Privatwald somit nicht wirklich. Doch die Waldbesitzer können zumindest sicher sein, dass sie einen wichtigen Beitrag für das Oberland leisten: Nicht nur als naturnahes Pissoir, sondern auch als Lebensretter vor Steinschlag, Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Fischenthal und der Schutzwald

Die Gemeinde Fischenthal hat mit 56 Prozent Waldfläche den höchsten Waldanteil aller Zürcher Gemeinden – und sehr viel davon ist Schutzwald. Während im gesamten Kanton rund 20 Prozent des Waldes eine Schutzfunktion erbringen, sind es in Fischenthal 70 Prozent, wie Gemeindeförster Hano Vontobel weiss. Ein grosser Teil davon gehört dem Kanton. Dies ist historisch bedingt, wie Vontobel weiss: «Noch im 19. Jahrhundert haben Bauern viel Holz geschlagen, das sie für das tägliche Leben brauchten. Die Schutzfunktion des Waldes ging dabei verloren und Steinschläge sowie Hochwasser waren die Folgen.» Um den Wald wieder aufzuforsten habe der Kanton zwischen 1900 und 1950 vieler dieser Flächen gekauft. Heute ist der Zürcher Wald geschützt und ein Rodung nur über eine kantonale Bewilligung möglich. «Eine solche wird Privaten in der Praxis aber nur sehr selten genehmigt», sagt Vontobel.

Die Fesseln des Schutzwaldes

An den Hängen des Schnebelhorns, mit 1292 Metern der höchste Oberländer Hügel, kommt die Schutzfunktion vor Steinschlägen und Erdrutschen besonders zum Tragen. Vontobel sagt: «Dort ist ein vielfältiger und strukturreicher Baumbestand mit Nadel- und Laubbäumen nötig, damit die Steine nicht durchkommen und abgebremst werden.» Auch in Fischenthal gehört der Wald vorwiegend Privaten – auch der Schutzwald. Dieser sei nicht besonders beliebt, sagt Vontobel. «Der Handlungsspielraum für private Besitzer von Schutzwald ist eingeschränkt.» Als Gegenleistung für den Schutz decken Bund und Kanton das finanzielle Defizit, welches durch die Waldpflege entsteht, so Vontobel.

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