Salsa zwischen Sonnenschirm und Badetuch
«Es gibt nichts Schöneres, als Salsa unter freiem Himmel zu tanzen», sagt Bettina Gimenez. Die 32-jährige Bankangestellte steht mit ihrem Tanzpartner Naji an diesem Dienstagabend auf der Wiese in der Badi Auslikon und wartet. In einer Dreiviertelstunde werden sie auf der Liegewiese zusammen einen Salsa- und Bachata-Kurs geben. Zwölf Tanzpaare haben sich angemeldet.
«Während der Sommertage ist es in geschlossenen Räumen zu heiss.»
Bettina Gimenez, Tanzlehrerein
Tanzkurse gibt die Fehraltorferin seit nun einem Jahr. Normalerweise finden sie in ihrem Hauptstudio in Pfäffikon statt, dauern aber in der Regel bloss ein- bis zwei Tage. «Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Leute gern flexibel sind und sich lieber spontan für Kurse entscheiden.» Bei den beiden Outdoor-Lektionen in Auslikon war dies nicht anders. Auch an diesem Dienstagnachmittag haben sich kurzfristig noch Personen angemeldet.
Dass Gimenez zwei Lektionen im Freien durchführt, ist eine Premiere. «Während der Sommertage ist es in geschlossenen Räumen sehr heiss. Da kam die Idee auf, den Unterricht nach draussen zu verlegen», so die Fehraltorferin.
Tanzen als Ventil
Das Römerkastell in Pfäffikon hätte sich die Salsatänzerin für diesen Versuch gut vorstellen können. Weil man durch die Tanzkurse aber zu viel Lärm befürchtete, musste sie einen anderen Durchführungsort finden. In der Badi Auslikon wurde sie schliesslich fündig.
«Tanzen ist wie ein Ventil.»
Bettina Gimenez, Tanzlehrerin
Die Outdoor-Tanzkurse kommen gut an. Mit den 24 Personen sind es in der Badi Auslikon fast doppelt so viele Kursteilnehmer wie sonst in ihrem Studio. Gimenez glaubt, dieses Interesse habe damit zu tun, dass die Leute sich im Sommer lieber draussen bewegen. Zudem erinnere Salsa unter freiem Himmel an Ferien. «Durch das Tanzen vergisst man seine Alltagsprobleme. Es ist wie ein Ventil.»
Die Werbung in der Badi sei erstaunlich gut angekommen. «Hier spreche ich offenbar genau das Publikum an, das sportlich und aufgeschlossen ist und eben Bewegung im Freien sucht.»
Jeder mit jedem
Gegen 18 Uhr trudeln die ersten Teilnehmerinnen ein. Die Mehrheit von ihnen hat zuvor noch nie Salsa getanzt – und ist ohne Partner erschienen. Für Gimenez kein Problem. Sie hat vorgesorgt und noch ein paar Männer für den Kurs auftreiben können. «Ich tanze seit 13 Jahren Salsa und habe glücklicherweise viele Kontakte aus dieser Szene», sagt sie. Alter, Erfahrung und Herkunft spielen in ihren Kursen keine Rolle. «Wir machen regelmässig Partnerwechsel. So tanzt jeder mit jedem.»
Die Stimmung unter den Teilnehmern ist locker und unbeschwert. Schnell kommt man ins Gespräch und tauscht sich über bestehende Tanzerfahrungen und Erwartungen aus. Auf das Kommando von Gimenez stellen sie sich auf der Wiese, unter Beobachtung der restlichen Badegäste, in einem Kreis auf. Naji erklärt den Grundschritt, die zusammengewürfelten Paare studieren ihn ein – erst noch ohne Musik.
Bei manchen klappt das auf Anhieb gut, andere hingegen sind zumindest zu Beginn noch etwas steif in der Hüfte. Doch Hemmungen aufgrund der Blicke von den Badegästen scheint niemand zu haben. «Als ich die Ausschreibung in der Badi gesehen habe, wollte ich es einfach ausprobieren», sagt eine junge Frau. «Dass die Tanzstunde in der Öffentlichkeit stattfindet, stört mich überhaupt nicht.» Eine andere Teilnehmerin erklärt, weshalb gerade diese Tanzrichtung so ansprechend ist: «Es gibt viele Salsa-Partys und Veranstaltungen in der Umgebung. Das ist toll, weil man die Schritte dann gleich weiter üben kann.»
Fortsetzung im Biergarten
Gimenez scheint mit ihrem Konzept offenbar einen Nerv bei den Oberländern getroffen zu haben. Gimenez hat bereits weitere Kurse geplant: «Am 28. Juli treffen wir uns nochmals in Auslikon und im August sind Kurse im Biergarten Pfäffikon geplant.»
Ob in Zukunft noch weitere Durchführungen folgen, weiss Gimenez aber noch nicht. Diesen Entscheid fälle sie spontan.