So viel kostet der Ustertag
Für Gemeinderat Ivo Koller (BDP) zeigt sich bei der Gedenkfeier zum Ustertag eine Zweiklassengesellschaft. Insbesondere beim Essen sei das der Fall, sagt Koller: «Das schleckt keine Geiss weg.»
«So gesehen scheinen mir die Kosten durchaus gerechtfertigt.»
Cla Famos, Stadtrat (FDP)
Weil sich Koller mit seiner Anfrage «Jährlich grüsst der Ustertag» an den Stadtrat gewendet hat, legt dieser nun die Kosten des Anlasses von 2018 offen. Die Stadt Uster hat für das Mittagessen im Schloss Uster für neun Mitglieder des Ustertag-Komitees, acht Mitglieder des Stadtrates sowie alle Redner mit Partnern rund 4125 Franken ausgegeben. «Das ist sehr viel Geld», sagt Koller.
Essen muss in die Burg
Während das Essen für die illustren Gäste 4125 Franken kostete, betrugen die Gesamtkosten für die Stadt Uster für den Anlass rund 28’300 Franken. Darunter gehören auch die Auslagen für das Risotto-Essen, an dem jeweils mehrere Hundert Ustermer teilnehmen.
«Der Stadtrat zeigt kein Interesse, an einem Anlass etwas zu ändern, der seit 90 Jahren ist wie er ist.»
Ivo Koller, Gemeinderat (BDP)
In einer Doppelrolle steht Stadtrat Cla Famos (FDP), der am Ustertag sowohl Vertreter der Stadtregierung als auch Mitglied des Ustertag-Komitees ist. Famos sagt: «Der Betrag scheint auf den ersten Blick hoch. Aber das Essen muss auf die Burg gebracht werden, was sicher relativ aufwändig ist.»
Der Stadtrat habe in den letzten Jahren an diesen Essen diverse Bundesräte, den Nationalbankpräsidenten und weitere nationale Persönlichkeiten empfangen. Da wollte man einen entsprechenden Rahmen schaffen. «So gesehen scheinen mir die Kosten durchaus gerechtfertigt», sagt Famos.
90 Jahre immer gleich
Die rund 28‘300 Franken, die der gesamte Anlass für die Stadt kostet, findet Ivo Koller in Ordnung. Er bemängelt aber, dass sich «der Stadtrat bis dato noch nicht durch Veränderungswille auszeichnet». Koller sagt: «Der Stadtrat zeigt kein Interesse, an einem Anlass etwas zu ändern, der seit 90 Jahren ist wie er ist.»
Wie die Stadt in ihrer Antwort auf seine Anfrage schreibt, erfolgt die Organisation in einer Kooperation zwischen dem Ustertag-Komitee und der Stadt Uster. «Diese Zusammenarbeit ist historisch gewachsen und basiert weder auf einer Leistungsvereinbarung noch auf einem Reglement», teilt die Stadt mit. Koller sagt: «Mich verwundert es, dass kein Leistungskontrakt besteht.» Mit einem solchen könnten von der Stadt zum Beispiel mehr Frauen als Rednerinnen oder ein politisch ausgewogenerer Mix von Rednern gefordert werden.
«Sonderzügli der Grünen»
Der einseitig geprägte Ustertag sollte ausgeglichener und ein Anlass für alle sein, fordert Koller. Deswegen fragte er den Stadtrat auch, ob dieser die grüne Partei für deren Grüne Ustertag, eine Gegenbewegung zum Gedenktag, finanziell unterstütze. Denn für Koller führt der alternative Anlass – das «Sonderzügli der Grünen», wie er es nennt – nicht zu einer ausgewogeneren Gedenkfeier.
Der Stadtrat unterstützt den Anlass der Grünen nicht finanziell. Stadtrat Cla Famos sieht aber den Ustertag als ausgewogene Veranstaltung. Eingeladen würden Persönlichkeiten von nationaler oder kantonaler Bedeutung aus den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft und Militär. «Dies geschieht in der Regel unabhängig von der politischen Ausrichtung dieser Persönlichkeiten. Das zeig das Beispiel von Michael Hengartner, Rektor der Universität Zürich, oder von Dirigentin Graziella Contratto offensichtlich», sagt Famos.
Insgesamt zeigt sich Koller über die Antwort des Stadtrates konsterniert. Zwischen den Zeilen höre man zwar den Wunsch nach Veränderung, das Heft wolle der Stadtrat jedoch nicht in die Hand nehmen, sagt Koller.
Zum Ustertag:
Das Ustertag-Komitee organisiert seit 1931 die Ustertagsfeier, bei der an die historischen Ereignisse vom 22. November 1830 erinnert wird. Damals verfasste eine Volksversammlung auf dem Zimiker Hügel ein «Memorial von Uster», das eine neue Kantonsverfassung verlangte. Das Hauptanliegen war die Gleichstellung von Stadt und Land. Der historische Ustertag gilt deshalb als Wende zum modernen Kanton Zürich. (zo)
