Jetzt ist der Bahnhof Uster fast hindernisfrei
Es klingt nach einer kleinen Änderung, hat für Personen im Rollstuhl aber ein grosse Bedeutung: Am Bahnhof Uster wurden die Perrons erhöht. Dadurch hätten nun laut der SBB auch Pendler mit Mobilitätseinschränkungen hindernisfreien Zugang zu den S-Bahn-Zügen. Anstatt frühzeitig bei den SBB eine Hebebühne und einen Helfer für eine ganz bestimmte Zugverbindung reservieren zu müssen, können Rollstuhlfahrende jetzt spontane Ausflüge unternehmen.
«Da wird man richtig durchgeschüttelt, was schmerzhaft sein kann.»
Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof
«Darüber sind wir sehr glücklich», sagt Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof. Da viele Heimbewohner mehrfache, schwere körperliche Beeinträchtigungen haben, können nur wenige den Zug komplett selbstständig nutzen. Die, die das können, freuen sich laut Dürst jedoch sehr über ihre neu gewonnenen Freiheiten. «Durch die Anpassungen können sie ihren Mobilitätsradius stark erweitern», sagt Dürst. Zusammen mit ihren Betreuern würden zudem auch die restlichen Heimbewohner nun bestimmt häufiger Ausflüge unternehmen.
9,5 Millionen für den Ausbau
Die Perrons waren nicht das einzige, das die SBB beim Bahnhof Uster gemäss gesetzlichen Vorgaben behindertengerecht herrichten lassen mussten. Seit 2018 wurden auch die Treppen- und Rampen an die neue Höhe der Perrons angepasst. Zudem wurde die alte Wartehalle abgerissen und 75 Meter weiter Richtung Zürich verschoben. Inklusive neu eingesetzte Weichen beliefen sich die zwischen den SBB und dem Bund geteilten Kosten für den Umbau auf 9,5 Millionen Franken. Stadtrat Stefan Feldmann (SP) freut sich als Bauvorsteher über den neu barrierefreien Bahnhof: «Uster will ja schliesslich eine Inklusionsstadt sein und Barrieren aus dem Weg räumen.»
Noch immer Luft nach oben
Optimal sind die Bedingungen am Bahnhof laut dem blinden, ehemaligen Ustermer Gemeinderat Rudolf Diener jedoch noch nicht. «Die Rampen hoch zu den Gleisen sind immer noch zu steil und die Leitlinien für Blinde hätte man definitiv besser machen können», sagt Diener. Man müsse sich als Blinder schon gut auskennen, um sein Ziel am Bahnhof zu erreichen. «Ohne lange rumzufragen, wird es schwierig herauszufinden, wo man hin muss», sagt er.
Hilfreich wären Markierungen gewesen, die zeigen, in welchem Bereich die Züge halten. Vom Gleis 1 zum Busbahnhof fehlten die Leitlinien zudem komplett. «Es ist sicher besser als vorher, aber noch lange nicht perfekt», sagt Diener. Gemäss SBB Mediensprecher Reto Schärli entsprechen die Linien jedoch den Richtlinien des Bundesamts für Verkehr und sind gesetzeskonform.
«Durch die Anpassungen können sie ihren Mobilitätsradius stark erweitern.»
Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof
Ebenfalls noch Luft nach oben sieht Patrick Stark, Geschäftsleiter des Werkheims Uster. «Für Leute, die keinen Rollstuhl mit Elektromotor haben, sind die Rampen am Bahnhof Uster doch sehr steil», sagt Stark. Von seinen Mitarbeitenden habe er die Rückmeldung bekommen, dass sie einen Lift beim Gleis 2 und 3 vermissen würden. In näherer Zukunft wird es allerdings keinen Lift geben, die Bauarbeiten am Bahnhof Uster sind gemäss SBB Mediensprecher Schärli abgeschlossen.
Beim Bahnübergang durchgerüttelt
Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit sieht Wagerenhof-Leiter Dürst bei der Unterführung beim «Porter House». Dort gebe es nach wie vor bloss eine Treppe und keine Rampe. Aktuell müssen Personen im Rollstuhl also über den holprigen Bahnübergang fahren, wenn sie vom Spital aus zum Bahnhof gelangen wollen. Dürst habe auch schon Personen im Rollstuhl über den Bahnübergang gestossen. Er sagt: «Da wird man richtig durchgeschüttelt, was schmerzhaft sein kann.»
Aber das sei halt schon immer so gewesen: Der Bahnhof Uster wurde gemäss Wikipedia 1856 fertiggestellt. 163 Jahre später ist er nun rollstuhltauglich. «Das ist doch eine tolle Sache», sagt Dürst.
