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Jetzt ist der Bahnhof Uster fast hindernisfrei

Seit Kurzem können Menschen mit Rollstuhl am Ustermer Bahnhof ohne Hilfe aus dem Zug ein- und wieder aussteigen. Für die Bewohner des Wagerenhofs und des Werkheims bedeutet das mehr Freiheit und mehr Spontanität. Verbesserungspotenzial gibt es jedoch nach wie vor.

Vom Perron direkt in den Zug und umgekehrt. Der Bahnhof Uster ist neu barrierefrei nutzbar., Vor etwas mehr als einem Jahr war das noch nicht möglich. Damals war das Perron zu tief., Allerdings sind die Rampen für Menschen mit Rollstuhl noch immer relativ steil., Ohne Elektromotor im Rollstuhl ist es schwierig dir Rampe hoch zu kommen., Vor dem «Porter House» bleibt Rollstuhlfahrern nur der Weg über den Bahnübergang.

Seraina Boner

Jetzt ist der Bahnhof Uster fast hindernisfrei

Es klingt nach einer kleinen Änderung, hat für Personen im Rollstuhl aber ein grosse Bedeutung: Am Bahnhof Uster wurden die Perrons erhöht. Dadurch hätten nun laut der SBB auch Pendler mit Mobilitätseinschränkungen hindernisfreien Zugang zu den S-Bahn-Zügen. Anstatt frühzeitig bei den SBB eine Hebebühne und einen Helfer für eine ganz bestimmte Zugverbindung reservieren zu müssen, können Rollstuhlfahrende jetzt spontane Ausflüge unternehmen.

«Da wird man richtig durchgeschüttelt, was schmerzhaft sein kann.»

Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof

«Darüber sind wir sehr glücklich», sagt Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof. Da viele Heimbewohner mehrfache, schwere körperliche Beeinträchtigungen haben, können nur wenige den Zug komplett selbstständig nutzen. Die, die das können, freuen sich laut Dürst jedoch sehr über ihre neu gewonnenen Freiheiten. «Durch die Anpassungen können sie ihren Mobilitätsradius stark erweitern», sagt Dürst.  Zusammen mit ihren Betreuern würden zudem auch die restlichen Heimbewohner nun bestimmt häufiger Ausflüge unternehmen.

 9,5 Millionen für den Ausbau

Die Perrons waren nicht das einzige, das die SBB beim Bahnhof Uster gemäss gesetzlichen Vorgaben behindertengerecht herrichten lassen mussten. Seit 2018 wurden auch die Treppen- und Rampen an die neue Höhe der Perrons angepasst. Zudem wurde die alte Wartehalle abgerissen und 75 Meter weiter Richtung Zürich verschoben. Inklusive neu eingesetzte Weichen beliefen sich die zwischen den SBB und dem Bund geteilten Kosten für den Umbau auf 9,5 Millionen Franken. Stadtrat Stefan Feldmann (SP) freut sich als Bauvorsteher über den neu barrierefreien Bahnhof: «Uster will ja schliesslich eine Inklusionsstadt sein und Barrieren aus dem Weg räumen.»

Noch immer Luft nach oben

Optimal sind die Bedingungen am Bahnhof laut dem blinden, ehemaligen Ustermer Gemeinderat Rudolf Diener jedoch noch nicht. «Die Rampen hoch zu den Gleisen sind immer noch zu steil und die Leitlinien für Blinde hätte man definitiv besser machen können», sagt Diener. Man müsse sich als Blinder schon gut auskennen, um sein Ziel am Bahnhof zu erreichen. «Ohne lange rumzufragen, wird es schwierig herauszufinden, wo man hin muss», sagt er.

Hilfreich wären Markierungen gewesen, die zeigen, in welchem Bereich die Züge halten. Vom Gleis 1 zum Busbahnhof fehlten die Leitlinien zudem komplett. «Es ist sicher besser als vorher, aber noch lange nicht perfekt», sagt Diener. Gemäss SBB Mediensprecher Reto Schärli entsprechen die Linien jedoch den Richtlinien des Bundesamts für Verkehr und sind gesetzeskonform.

«Durch die Anpassungen können sie ihren Mobilitätsradius stark erweitern.»

Andreas Dürst, Leiter der Stiftung Wagerenhof

Ebenfalls noch Luft nach oben sieht Patrick Stark, Geschäftsleiter des Werkheims Uster. «Für Leute, die keinen Rollstuhl mit Elektromotor haben, sind die Rampen am Bahnhof Uster doch sehr steil», sagt Stark. Von seinen Mitarbeitenden habe er die Rückmeldung bekommen, dass sie einen Lift beim Gleis 2 und 3 vermissen würden. In näherer Zukunft wird es allerdings keinen Lift geben, die Bauarbeiten am Bahnhof Uster sind gemäss SBB Mediensprecher Schärli abgeschlossen.

Beim Bahnübergang durchgerüttelt

Eine weitere Verbesserungsmöglichkeit sieht Wagerenhof-Leiter Dürst bei der Unterführung beim «Porter House». Dort gebe es nach wie vor bloss eine Treppe und keine Rampe. Aktuell müssen Personen im Rollstuhl also über den holprigen Bahnübergang fahren, wenn sie vom Spital aus zum Bahnhof gelangen wollen. Dürst habe auch schon Personen im Rollstuhl über den Bahnübergang gestossen. Er sagt: «Da wird man richtig durchgeschüttelt, was schmerzhaft sein kann.»

Aber das sei halt schon immer so gewesen: Der Bahnhof Uster wurde gemäss Wikipedia 1856 fertiggestellt. 163 Jahre später ist er nun rollstuhltauglich. «Das ist doch eine tolle Sache», sagt Dürst.

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