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Für einige Greifenseer ist selbst Tempo 30 noch zu schnell

An der öffentlichen Mitwirkungsveranstaltung in Greifensee durfte die Bevölkerung ihre Sorgen zum Verkehr einbringen. Als Bösewicht der Verkehrsplanung wurde mehrmals die Stadt Uster hingestellt.

Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) diskutiert in ihrer Gruppe., Klaus Zweibrücken (im weissen Hemd) ist als Verkehrsplaner wesentlich am Gesamtverkehrskonzept beteiligt., Gemeinderat Thomas Honegger (Grüne) vereinte an seinem Tisch die Tempo-30-Befürworter., 36 Teilnehmer machten am Samstagmorgen am Workshop in der Turnhalle Breiti mit., 36 Teilnehmer machten am Samstagmorgen am Workshop in der Turnhalle Breiti mit.

David Marti

Für einige Greifenseer ist selbst Tempo 30 noch zu schnell

Runde Tische und Stühle standen in der Turnhalle Breiti in Greifensee parat. Auf den Tischen eine Gemeindekarte im Massstab 1: 3000 und Filzstifte. Die Greifenseer Bevölkerung war am Samstagmorgen eingeladen, um zu arbeiten – und zwar am Gesamtverkehrskonzept (siehe Box). Den Arbeitstag eröffneten Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) und Verkehrsplaner Klaus Zweibrücken. «Sie sollen hier loswerden können, wo Ihnen der Schuh drückt», sagte Zweibrücken zu den 36 Teilnehmern, die sich auf sechs Tische verteilten. Ausserdem sei das für den Verkehrsplaner eine Gelegenheit die Sichtweisen der Bevölkerung zu sehen und von deren Wissen und Erfahrungen zu profitieren.

An jedem Tisch wurden sogenannte «Gastgeber» platziert. Diese arbeiten alle für das Gesamtverkehrskonzept (GVK): Projektleiter Manuel Anrig, Gemeindepräsidentin Keller, drei Gemeinderäte und Zweibrücken. Die Diskussion sollte zuerst am Tisch und dann über Flipcharts ins Plenum getragen werden.

Diskussion um Tempo 30

Am Tisch mit Gemeinderätin Franziska Graf (Aktion G) brauchten die fünf Personen nicht lange, um sich auf das Thema zu stürzen: Der Konflikt zwischen Velo- und Fussgängerverkehr auf der Seestrasse, der Schleichverkehr oder die schlechten Bushaltestellen bedrückten die Teilnehmer. Das alles notierte Graf für die Gruppe.

Uneinig war man sich am Tisch über die Ausweitung der Tempo-30-Zonen. «Hör mir auf mit Tempo 30», sagte einer. Ein anderer gab zu bedenken, dass der Verkehr dadurch flüssiger sei. Man einigte sich auf die Formulierung «Tempo 30 mit Bedacht».

Ganz anders am Tisch von Gemeinderat Thomas Honegger (Grüne). Bei der Plenumsdiskussion gab er bekannt, dass man sich in der Gruppe einstimmig über Tempo 30 auf dem gesamten Gemeindegebiet ausgesprochen habe. Dies gab zustimmenden Applaus von ein paar Teilnehmern.

Gar Tempo 20?

Am Tisch von Verkehrsplaner Klaus Zweibrücken sei darüber diskutiert worden, gar Tempo 20 an gewissen Orten in Erwägung zu ziehen. Damit hätten die Fussgänger in der Zone immer Vortritt, sagte Zweibrücken. «Dann könne man sein Auto gleich stossen», sagte ein Teilnehmer zu seinem Tischnachbarn. «Oder ein totales Fahrverbot für Greifensee einführen», ergänzte dieser.

Und immer wieder war die Neue Greifenseestrasse ein Thema, die die Greifenseer am liebsten gleich selber an diesem Workshop beerdigen wollten. So fasste Gemeinderat Markus Bauer (Aktion G) ein Diskussionsergebnis an seinem Tisch zusammen: «Die Neue Greifenseestrasse soll weiterhin verhindert werden, oder zumindest nach der Umfahrungsstrasse ‹Uster West› realisiert werden.»

Uster muss vorwärtsmachen

An Gemeinderat Bauers Tisch hatten sich  – nachdem die Tische nach Verkehrsthemen eingeteilt wurden  – die meisten Leute hingesetzt. Das Thema an dem Tisch war der Durchgangsverkehr. Zehn Leute diskutierten eifrig mit. «Wir müssen abwarten, was Uster macht», meinte eine mit Hinweis auf die blockierte Umfahrungsstrasse «Uster West». Eine andere Teilnehmerin pflichtete ihr bei: «Uster muss vorwärtsmachen.» Wir müssen uns gegenüber der Stadt Uster «einigeln», sagte ein Teilnehmer.

Auch die Rentnerin Silvia Bärlocher, die selber bis vor 20 Jahren in Uster gewohnt hat, geht scharf mit ihrer ehemaligen Wohngemeinde ins Gericht: «Der Ustermer Stadtrat hat Probleme ‹Uster West› zu behandeln und versorgt das Projekt immer wieder in der Schublade. Währenddessen wird Greifensee immer mehr zum Durchfahrtsdorf.» Bärlocher hat sogar alle motorisierten Fahrzeuge, die vor ihrem Haus in der Stationsstrasse durchfahren gezählt: «Am 28. Juni waren es von 4.30 Uhr bis 7 Uhr 772 Fahrzeuge.»

Stand des Gesamtverkehrskonzepts

Bei der Ausarbeitung des Gesamtverkehrskonzept (GVK) arbeitet Verkehrsplaner Klaus Zweibrücken mit dem Greifenseer Gemeinderat zusammen. Zusammen mit Begleitgruppen, wie Parteivertretern, grösseren Vereinen oder Firmen und der Bevölkerung wurde eine Analyse gemacht, die nun abgeschlossen ist. In einem späteren Schritt kommen die Begleitgruppe und die Bevölkerung erneut zum Zug und können sich zu den Massnahmen des GVKs äussern. An der Gemeindeversammlung im April 2020 soll dann über das GVK entschieden werden.  

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