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Dorfzeitung mit einem News-Problem

Seit einem halben Jahr sind die «Volketswiler Nachrichten» das neue amtliche Publikationsorgan von Volketswil – eine solid gemachte, gewerbefreundliche, bürgerliche Mitmach-Dorfzeitung, die den Leser zuweilen aus den Augen verliert und bei allen liebenswerten Eigenschaften immer mal wieder patzt. Eine Blattkritik der Konkurrenz.

In ihrer 13. Ausgabe hatte die «VoNa» einen Bericht über die Badi auf der Frontseite.

Screenshot «Volketswiler Nachrichten»

Dorfzeitung mit einem News-Problem

32 Seiten pralles Dorfleben – so präsentierte sich die erste Ausgabe der «Volketswiler Nachrichten» am 4. Januar dieses Jahres. Im Blatt: Berichte über den Neujahrsapéro, den Businesslunch des Industrievereins oder das Bauprojekt des Volkilands, dazu eine launige Reportage aus der Wertstoffsammelstelle oder eine Berichterstattung in schwärmerischen Tönen vom Konzert des Akkordeon-Orchesters.

Dazu gab es diverse Berichte von Vereinen und Interessengruppen, darunter etwa eine Doppelseite anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Gemischten Chors Hegnau, sowie diverse Promo-Texte. Also genau das, was man von einer Lokalzeitung erwartet. Spätestens in Ausgabe 3 zeigte sich anhand der vielen Leserzuschriften, dass die «VoNa», wie sie in Volketswil genannt wird, im Dorf angekommen war.

Mehr «Volketswil» gefordert

Bis Ende 2018 war der «Volketswiler» das amtliche Publikationsorgan der Gemeinde. Die Wochenzeitung, die wie diese Publikation von der Zürcher Oberland Medien AG herausgegeben wird und auch weiterhin wöchentlich erscheint, war wiederholt und von verschiedenen Seiten kritisiert worden.

«Das Ziel kann nicht sein, ein Interview mit dem Stadtpräsidenten von Dübendorf zum Thema Flugplatz auf der Titelseite im ‹Volketswiler› zu haben.»

Jean-Philippe Pinto (CVP), Gemeindepräsident von Volketswil

Verfasser von eingesandten Texten etwa reklamierten, dass ihre Beiträge redigiert und gekürzt wurden oder gar nicht erschienen. Und der Gemeinderat klagte über zu wenig Präsenz in der Zeitung. In einem Interview im «Volketswiler» vom 11. Mai 2018 sagte Gemeindepräsident Jean-Philippe Pinto (CVP) etwa: «Das Ziel kann nicht sein, ein Interview mit dem Stadtpräsidenten von Dübendorf zum Thema Flugplatz auf der Titelseite im ‹Volketswiler› zu haben.»

An der Juni-Gemeindeversammlung schliesslich unterstützten die Anwesenden den vom Gemeinderat beantragten Wechsel des amtlichen Publikationsorgans zum Verlagshaus Lokalinfo AG mit 188 Ja- zu 144 Nein-Stimmen. Dass das Verdikt nicht deutlicher ausfiel, lag vor allem an der zweiwöchigen Erscheinungsweise, die aus der Versammlung scharf kritisiert worden war. Gemeindepräsident Pinto hatte die Einwände damals wiederholt damit gekontert, dass auf der neuen Website täglich das Neuste aus Volketswil aufgeschaltet würde.

Viel Platz für Senioren

Doch was ist nun, nach 13 Ausgaben, aus den vielen Wünschen und Versprechen geworden? Zumindest Gemeindepräsident Pinto kann sich nicht mehr über mangelnde Präsenz beschweren. Bereits in der ersten Ausgabe wurde er in vier Artikeln mehrfach namentlich erwähnt und im Bild gezeigt. Und auch wenn es nicht mehr ganz so weiterging, ist doch klar ersichtlich: Der Gemeinderat kommt in der «VoNa» zu Wort.

Analog zur Stimme aus dem Gemeindehaus ist auch die Ausrichtung der «VoNa» bürgerlich und gewerbefreundlich. Das äussert sich einerseits in der redaktionellen Berichterstattung, welche eine eher wertkonservative, ältere Leserschaft anspricht. Viel Platz bekommt die Senioren-Interessengemeinschaft Volketswil (Senig), deren Veranstaltungshinweise nun in ihrer ganzen Länge abgedruckt werden. Auch wird den örtlichen Betrieben eine grosszügige Plattform geboten. «Junge Themen» findet man praktisch nur in den Berichten der Schule.

Gegen die Konkurrenz getreten

Grundsätzlich ist die «VoNa» eine solide Dorfzeitung mit einem klaren, zurückhaltenden Layout, die aufgrund des gut vernetzten Redaktionsleiters keine Anlaufschwierigkeiten hatte. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, über das Tagesgeschäft hinaus Themen zu setzen. Das mag auch an der dünnen Personaldecke mit einem Alleinredaktor und einigen freien Mitarbeitern liegen. Aber wer wiederholt Steilpässe aus den eigenen Leserbriefspalten nicht annimmt, verpasst die Chance, wirklich nah am Leser zu sein. Bezeichnend hierfür ist ein Kommentar, in dem sich der Redaktionsleiter der Kritik eines Einwohners an der Gemeinde entgegenstellte. Der Bericht, auf den er sich bezog, erschien im «Volketswiler».

Auch fehlte es wiederholt an journalistischer Einordnung. Der Auftritt von SVP-Nationalrat Roger Köppel im Wallbergsaal etwa wurde fast zu 100 Prozent im O-Ton wiedergegeben. Einseitig und ohne Gegenstimme fiel auch ein umfangreicher Bericht über die umstrittenen Pläne der Flugplatz Dübendorf AG aus. Immerhin unterstrich die «VoNa» damit ihre Unabhängigkeit von der Haltung des Gemeinderats, der explizit gegen eine zivilaviatische Nutzung ist.

Langsame News

Schlecht schnitt die «VoNa» im vergangenen Halbjahr bezüglich der von Gemeindepräsident Pinto versprochenen Aktualität ab. Zwar wird auf der Website in der Regel täglich ein Artikel, ein Leserbrief oder eingesandter Text neu aufgeschaltet. Bei wichtigen Themen kam es aber wiederholt zu Aussetzern. So dauerte es 13 Tage, bis der Bericht über die März-Gemeindeversammlung publiziert war. Eine Infoveranstaltung zum ambitionierten Neubauprojet Vita Futura der Gemeinde brauchte einen Monat, bis sie ins Blatt fand, wobei es online noch später wurde.

«Die ‹VoNa› ist stets topaktuell auf allen Kanälen.»

Jean-Philippe Pinto (CVP), Gemeindepräsident von Volketswil

Das Ergebnis der Urnenabstimmung über das 7,5-Millionen Franken teure Durchgangszentrum erschien gar nicht erst online. In der gedruckten Ausgabe handelte die Redaktion das mit Abstand wichtigste Geschäft der vergangenen sechs Monate zwar ab, allerdings erst auf Seite 31 auf der Randspalte, ganz unten. Umfang der Meldung: sieben Zeilen. Doch vielleicht hat die Redaktion mittlerweile auch die Kurve gekriegt. So wurde ein Teil des Berichts über die Juni-Gemeindeversammlung noch am gleichen Abend online aufgeschaltet. Schneller geht es nicht.

Was die Verzögerungen bei den News anbelangt, will Gemeindepräsident Pinto nicht «auf Einzelereignisse» eingehen. Verbesserungspotenzial gebe es immer, sagt er und hält fest: «Die ‹VoNa› ist stets topaktuell auf allen Kanälen.»

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