Cyber-Mobbing auf BZU-Meme-Seite
«Wenn du hesh müsse durs ganze Schuelhuus laufe zum ufs WC gah» steht über dem Foto eines Sprinters, der vor Erschöpfung auf dem Boden liegt. Das hier beschriebene ist ein sogenanntes «Meme», ein Internetphänomen, bei dem Bilder oder Videos aus dem Zusammenhang gerissen und mit einer neuen Beschreibung versehen werden, so dass ein oft lustiger neuer Zusammenhang entsteht. Das oben beschriebene Meme ist auf der Instagram-Seite bzu_memes zu finden, auf der sich Schüler über Geschehnisse im Bildungszentrum Uster (BZU) austauschen und amüsieren. Die Instagram-Seite hat 714 Abonnenten. Doch scheinbar waren nicht alle Beiträge der Seite so harmlos, wie der WC-Post.
Lehrende wurden scheinbar gefilmt, fotografiert und persönlich, sexistisch und rassistisch beleidigt. Die Inhalte wurden auf der Instagram-Seite öffentlich hochgeladen. Die Aussagen seien immer persönlicher und aggressiver geworden, so das BZU. «Die Toleranzgrenze ist überschritten und wir sind daran, die Verursacher zu eruieren und zur Rechenschaft zu ziehen», schrieb das BZU in einer Nachricht an den Verantwortlichen, der diese publizierte. «Je nach Fall muss die Jugendanwaltschaft involviert werden.»
Die vom BZU kritisierten Beiträge wurden mittlerweile gelöscht und der Betreiber der Meme-Seite entschuldigte sich in einem Post. Er appelliert aber auch an den Humor der Lehrerschaft, was die allgemeineren Beiträge angeht. Der Seiten-Betreiber von bzu_memes reagierte nicht auf Kontaktaufnahme seitens Züriost.
Ernste Folgen fürs Berufsleben möglich
Der Rektor der Berufsschule BFSU, die im BZU untergebracht ist, Otto Schlosser, zeigt sich bis zu einem gewissen Punkt verständnisvoll: «Ich halte überhaupt nichts davon, das Posten im Internet zu kriminalisieren», sagt er. Es sei aber wichtig, dass die jungen Leute lernten, sich im Netz richtig zu verhalten. Berufslernende könnten auch sich selbst durch falsche Posts massiv schaden. «Lehrbetriebe haben kaum Verständnis für negatives Verhalten im Internet», mahnt er.
Doch nicht immer genüge die schulische Aufklärung, wie sie auch das BZU betreibe, so Schlosser. Es komme trotz allem zu Grenzüberschreitungen. Diese seien gegeben, wenn Personen blossgestellt, beleidigt, beschimpft oder ohne ihre Einwilligung fotografiert oder gefilmt werden. «In diesen Fällen müssen wir darauf hinweisen, dass strafrechtliche Relevanz eintreten kann. Wir nehmen dann mit den Lehrbetrieben Kontakt auf und gehen die Problemlösung gemeinsam an. Werden – wie in diesem Fall – Posts aus den Sozialen Medien entfernt, ist die Sache damit erledigt.» Ein rechtliches Vorgehen erübrigte sich.
Kritik, Lob und ein bisschen Sexismus
Was auf der Meme-Seite geblieben ist, ist jede Menge belustigende Kritik an der BZU. Diese widmet sich vor allem dem Wlan-Empfang sowie dem Einsatz der Finanzen, der aus Schülersicht manchmal unsinnig war. So wurde etwa ein teurer Designer-Feuerlöscher angebracht. Doch die Meme-Seite lobt auch: Zum Beispiel die Qualität des Mensaessens, wobei in einem anderen Beitrag wiederum dessen Preise kritisiert werden.
Nicht alle Beiträge sind indes geschmacklich und moralisch über alle Zweifel erhaben. In zwei Posts werden herabwürdigende Bezeichnungen für Frauen verwendet, was die Nutzer jedoch nicht zu stören scheint. Das lassen jedenfalls die zustimmenden Kommentare und Likes vermuten.
Viele Beiträge der Meme-Seite seien durchaus ironisch und witzig gestaltet, findet auch Rektor Schlosser. «Für mich sind solche Seiten grundsätzlich die beste Informationsquelle.» Er weist jedoch auch darauf hin, dass sich die Schüler für Kritik und Anregungen auch direkt bei ihm melden könnten – via Mail oder persönlichem Besuch in seinem Büro. «Zugegeben, dieser Kanal mutet natürlich etwas retro an», sagt er. «Er ist dafür aber vertraulich und ein Lösungsansatz und das offene Ohr ist einem gewiss.»