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Frauen machen auf ein echtes Problem aufmerksam

Heute gehen Frauen in der ganzen Schweiz für ihre Rechte auf die Strasse. Punkto Gleichberechtigung gibt es noch viel zu tun, findet Chefredaktor Christian Brändli.

Frauen bereiten sich in Uster auf den Streiktag vom 14. Juni vor.

Seraina Boner

Frauen machen auf ein echtes Problem aufmerksam

28 Jahre ist es her, seit die Frauen in der Schweiz erstmals zu einem Streik aufgerufen haben. Wenn sie es heute wieder tun, muss einem das schwer zu denken geben. Und zwar deshalb, weil die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die 1981 in der Bundesverfassung festgeschrieben worden ist, weder 1991 noch heute wirklich überall gegeben ist.  

Chancengleichheit ist die Grundlage für das Funktionieren unserer liberalen Gesellschaft in allen Bereichen. Frauen und Männer sollen ihr Leben frei und eigenverantwortlich gestalten können. Den Rahmen dafür bilden die gemeinschaftlichen Regeln. Doch nur indem diese Regeln schriftlich fixiert sind, ist es noch nicht getan. Denn deren Einhaltung ist leider noch nicht überall garantiert. Eine zentrale Forderung der Frauenbewegung – wobei es hier vielmehr um das Einfordern eines verbrieften Rechts geht – ist jener nach Lohngleichheit: Für gleichwertige Arbeit muss es gleichen Lohn geben. Ob die Leistung von einer Frau oder einem Mann erbracht wird, ist unerheblich.

Unerklärbare Lohnunterschiede

Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit in jedem Betrieb sein sollte, ist es bis heute nicht. Noch immer gibt es teils eklatante, nicht plausibel erklärbare Lohnunterschiede, wie Erhebungen in diversen Branchen, auch bei den Medien, zeigen. Unsere Wirtschaft ist auf die Frauen angewiesen. Sie schuldet ihnen für ihren Einsatz eine faire Entlöhnung, nicht alleine aufgrund rechtlicher Vorgaben, sondern als Anerkennung. Firmen können nur profitieren, wenn sie motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben.

Chancengleichheit bedeutet aber auch, dass Frauen Zugang zu allen Führungsetagen nicht nur theoretisch erhalten, sondern auch praktisch. Das ist keine Frage der politischen Grundhaltung, sondern eine ökonomische Erfordernis. Ein Zusammenwirken von Frauen und Männern erbringt die besseren Resultate. Vielfalt stärkt gemäss Studien die Innovationskraft, was die Firmen wettbewerbsfähiger macht. Darauf setzt auch die Zürcher Oberland Medien AG, bei der die Abteilungsleitungen ausgeglichen verteilt sind. Nachholbedarf gibt es allerdings noch bei den Ressortleitungen auf der Redaktion. Im Bewusstsein dieses Mankos gilt es, das Knowhow der Frauen auf allen Ebenen abzuholen. 

Wichtige Teilzeitstellen     

Im Sinn der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist es wichtig, dass Betriebe offen sind für Teilzeitarbeit. Trotz aller laufenden Veränderungen im Rollenverständnis ist es nach wie vor eine Realität, dass Frauen noch immer den Grossteil der Familienarbeit übernehmen. Für diesen Einsatz dürfen sie nicht bestraft werden, indem sie keine (Teilzeit-)Stelle für den Broterwerb erhalten. Und zur Chancengleichheit gehört auch, dass eine Mutterschaft kein Grund sein darf gegen einen Wiedereinstieg in den Beruf. Angesichts des Fachkräftemangels können wir es uns gar nicht leisten, auf wertvolles Wissen zu verzichten.

Auf der Liste der Forderungen zum 14. Juni  gehört auch der Schutz vor Belästigungen. Das betrifft auch die Medienbranche: Wie jüngst publizierte Umfrageergebnisse zeigen, sind viele Journalistinnen bei der Arbeit im Büro oder draussen auf Reportage schon belästigt worden oder wurden gar Opfer von sexuellen Übergriffen. Doch sie sind nicht die einzigen Frauen, die solches erlitten haben. Eine aktuelle Befragung von Amnesty International zeigt, dass derartige Vorfälle in der Schweiz weit verbreitet sind. Es genügt nicht, Täter strafrechtlich zu verfolgen. Gefordert sind auch hier die Arbeitgeber: Es ist an ihnen, Bedrängte zu schützen und ihnen Unterstützung zu geben. Zur Gleichberechtigung in der Wirtschaft gehört es, für das Wohl aller Angestellten zu sorgen.

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung gibt es noch viel zu tun. Packen wir dies gemeinsam an, Männer und Frauen.           

 

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