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«Der Betrieb war eigentlich nie rentabel»

Am diesjährigen 19. Mühlentag öffneten auch die Besitzer der wasserbetriebenen Thommen-Sagi in Hinteregg ihre Türen. Die mit Wasserkraft betriebene Sägerei wollte Besitzer Christoph Kaufmann zuerst gar nicht kaufen.

Die Besitzer der Thommen-Sagi in Hinteregg öffneten am 19. Schweizer Mühlentag ihre Türen für die Öffentlichkeit., Das Herzstück des historischen Betriebs ist die Bandsäge, die von einem Mühlrad und dem Wasser des Baches angetrieben wird., Der Tag lockte einige Familien mit ihren Kindern in die Sägerei., Für die Besitzer Katrin und Christoph Kaufmann ist der Besitz des historischen Gebäudes auch eine Verpflichtung., «Rentabel war der Betrieb eigentlich nie», sagte Christoph Kaufmann am Mühelntag., Mittlerweile steht der Betrieb unter Denkmalschutz.

(Foto: Carole Fleischmann)

«Der Betrieb war eigentlich nie rentabel»

Das rhythmische Ratschen der Säge ist schon von weitem zu hören. Umgeben von Flarzhäusern, nahe einem kleinen Wäldchen am plätschernden Bach liegt die Thommen-Sagi in Hinteregg.

Während an diesem Samstag am 19. Mühlentag vorne unter den Bäumen die ersten Besucher auf den Festbänken Platz genommen haben, schwingt das Sägeblatt im hinteren Teil der Sägerei auf und ab und zerteilt langsam aber stetig einen Baumstamm.

Durch eine Öffnung im hinteren Mauerwerk, kann man das Mühlrad, den Antrieb des Sägewerks, drehen sehen. «Wir brauchen 20 Minuten um einmal durch den Baumstamm durch zu sägen», sagt Otto, der «Büezer», wie er sich selbst nennt.

«Wir hatten gar nicht vor, das baufällige Gebäude zu kaufen.»

Christoph Kaufmann, Besitzer der Thommen-Sagi in Hinteregg.

Mit seiner Handwerkerhose und dem blauen Hemd sieht er aus wie ein echter Zimmermann. Während er den Stamm mit Hammer und Meissel bearbeitet, glaubt man sich in eine andere Zeit versetzt.

«Ich bin hier nur ein Helfer», sagte er lachend und unterstütze den Besitzer Christoph Kaufmann. Dieser wirkt wie ein «Sager» von anno dazumal.

Geduldig erklärt er Interessierten wie der Antrieb der Säge funktioniert und legt Hand an, wo nötig.

Das Video des Vereins Kulturerbe Egg zeigt die Funktionsweise der Säge

Zur Thommen-Sagi sei er eigentlich durch einen «Stupf» vom damaligen Dorf-Dachdecker gekommen. Seit 2007 sind der Spengler und Sanitär Kaufmann und seine Frau stolze Besitzer der Thommen-Sagi.

«Wir hatten gar nicht vor, das baufällige Gebäude zu kaufen», sagte Kaufmann. Seine Liebe für das Handwerk und die Naturverbundenheit seiner Frau Katrin hätten sie am Ende aber überzeugt.

Viele Besitzer, nie wirklich rentabel

Die Thommen-Sagi in Hinteregg ist seit 1537 urkundlich erwähnt, als erster Besitzer ist allerdings erst Hans Heinrich Schoch von 1740 bis 1754 bekannt.

Dann wechselten die Besitzer in kurzen Abständen bis dann Arnold Thommen die Sagi von 1923 bis 1972 übernahm. Sein Nachfolger Noldi Thommen führte das Werk bis 2007 weiter und verkaufte es schliesslich an Katrin und Christoph Kaufmann.

«Das ist vielleicht nicht so traditionell, aber sicher originell.»

Christoph Kaufmann, Besitzer der Thommen-Sagi in Hinteregg.

«Der Betrieb war eigentlich nie rentabel», sagte Kaufmann. Für ihn sei der Besitz der Sägerei eine Verpflichtung, Altes zu erhalten. Es habe in den 1960er-Jahren auch Phasen gegeben, in denen man alles abreissen wollt.

Mittlerweile ist das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und dank der Vereinigung Schweizer Mühlefreunde und dem Schweizer Mühlentag, könne man die Sagi auch wieder der Öffentlichkeit zeigen.

Im hinteren Teil der Sagi bestaunen die Besucher alte schwarz-weiss Fotos der Sagi und des Dorfes Egg. «Ich kann mich noch erinnern, wie erstmals die Forchbahn durch Egg fuhr», schwärmt ein älterer Besucher.

Andere wollen sich den Mechanismus der Sagi erklären lassen. Kinder versuchen, an den schweren Kurbeln der alten Mostpresse zu drehen.

Mostpresse und Gastarbeiter

Im Untergeschoss führt ein Weg über eine kleine Brücke zum Bach und weiter zum grossen Mühlrad. Im Untergeschoss des Gebäudes sind weitere Gerätschaften ausgestellt. Bilder zeigen, wie damals in mühsamer Handarbeit Wäsche gewaschen wurde.

Die abblätternden Tapeten lassen allerdings eine andere Nutzung vermuten: «Dort haben einmal Gastarbeiter gewohnt», sagte der Besitzer.

Mostpressen seien hier hergestellt worden und eine solche hätten sie zurückkaufen und hier ausstellen können, sagte Kaufmann. Er verkaufte am Mühlentag vom Samstag auch seinen selbst gepressten Most.

Der Unterhalt der alten Sagi bedeute für seine Frau und ihn einiges an Aufwand, doch man bekomme viel dafür zurück. Der Mühlentag sei für ihn einerseits ein Anlass für das Dorf, auf der anderen Seite fühle er sich den Traditionen verpflichtet.

Mittlerweile hat der erste Sommertag unzählige Familien und Kinder zur Mühle gezogen, die Festbänke sind alle besetzt, Würste und Steaks brutzeln auf dem Grill und eine Ländler Musik-Gruppe spielt auf. Auf ein Zeichnen von Kaufmann setzen diese ihre Instrumente ab.

Es ertönen seltsame Klänge eines Dudelsackspielers: «Das ist ein Mitglied unseres Rugby-Clubs der heute seine Premiere hat», sagt Kaufmann schmunzelnd. «Das ist vielleicht nicht so traditionell, aber sicher originell». ( Martina Gradmann)

Der 19. Schweizer Mühlentag

Immer am Samstag nach Auffahrt öffnen am Schweizer Mühlentag 152 historische Mühlen an 110 Standorten in der ganzen Schweiz ihre Türen für Besucher. Die wasserangetriebenen Anlagen lassen in die Arbeitswelten unserer Vorfahren abtauchen. Von den ehemals 6’000 bis 7’000 Mühlen in der Schweiz sind heute einige hundert erhalten geblieben. Die meist durch Wasserräder angetriebenen Mühlen, Sägen, Ölmühlen, Knochenstampfen oder Hammerschmieden werden am Mühlentag vorgeführt. In einer Broschüre der Vereinigung Schweizer Mühlenfreunde (VSM/ASAM) werden die teilnehmenden Mühlen vorgestellt. Die Vereinigung engagiert sich auch dafür, dass über Kurse das Mahlen, Sägen oder Ölpressen auf historischen Mühlen erlernt werden kann. (zo)

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