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Im Dübendorfer Zentrum gilt bald Tempo 30

Der Stadtrat will auf der Bahnhofstrasse und sämtlichen Zubringerstrassen Tempo 30 einführen. Die SVP ist entsetzt und kündigt Widerstand an. Von Mitte-links hingegen gibt es Applaus.

Der Stadtrat erhofft sich von der Massnahme auch eine Verflüssigung des Verkehrs in den Stosszeiten. Im Bild der Lindenplatz., Von den Massnahmen ist eine Fläche von 210'000 Quadratmetern im Stadtzentrum betroffen.

Grafik: Damaris Huser

Im Dübendorfer Zentrum gilt bald Tempo 30

Über eine mögliche Verkehrsberuhigung im Zentrum wurde in Dübendorf immer wieder kontrovers diskutiert. Nun macht der Stadtrat Nägel mit Köpfen: Er will auf der Bahnhofstrasse, der Wallisellenstrasse und auf der Strehlgasse Tempo 30 einführen. Ebenfalls von der geplanten Temporeduktion betroffen: Adlerstrasse, Unterdorfstrasse, Glattquai, Casinostrasse, Rosenstrasse, Lindenstrasse sowie Teile der Bettli- und der Grundstrasse (siehe Grafik).

Diese grossflächige Tempo-30-Zone im nördlichen Stadtzentrum ist eine von 20 Varianten, welche ein Zürcher Planungsbüro im Auftrag der Stadt ausgearbeitet hat. Weitere Ideen waren etwa die Sperrung des Lindenplatzes, ein grossräumiges Einbahnregime, Begegnungszonen oder eine Kombination aus diesen Massnahmen.

Erreichbar wie immer

«Mit Tempo 30 können wir das Raserproblem angehen und den Lärm eindämmen, und das alles mit relativ wenig Aufwand», sagt Stadtpräsident André Ingold (SVP), der auch den zuständigen Verkehrsausschuss präsidiert. Mit der angestrebten Variante seien alle Begehrlichkeiten von links bis rechts abgedeckt, ist Ingold überzeugt. «Sämtliche Gewerbebetriebe sind genauso gut erreichbar wie früher, und wir verlieren keinen einzigen Parkplatz.»

«In der Rushhour profitieren die Autofahrer bei Tempo 30 von einem besseren Verkehrsfluss.»

André Ingold (SVP), Stadtpräsident von Dübendorf

Die Verkehrsplaner rechnen damit, dass die Massnahme eine «leichte Verlagerung» des Verkehrs ins Birchlen-Quartier verursachen wird. Gemäss Ingold hat die Stadt aber schon vorgängig reagiert und auf der betroffenen Strasse eine Massnahme zur Verkehrsberuhigung realisiert. «Ob es tatsächlich zu einer Verlagerung kommt, muss sich aber erst zeigen. Denn gerade in der Rushhour profitieren die Autofahrer bei Tempo 30 von einem besseren Verkehrsfluss.»

Genaue Kosten noch nicht bekannt 

In der Vergangenheit wurde der Stadtrat immer wieder dafür kritisiert, in Tempo-30-Zonen einen eigentlichen «Hindernisparcours» gebaut zu haben. Die Temporeduktion im Stadtzentrum soll nun – nach heutigem Wissensstand – ohne bauliche Massnahmen und nur mittels Signalisation und Markierungen realisiert werden. Die Kosten hierfür belaufen sich gemäss einer groben Schätzung auf gut 150‘000 Franken, ein Betrag, der in der Finanzkompetenz des Stadtrats liegt. Die Massnahme muss deshalb nicht dem Gemeinderat vorgelegt werden.

Gemäss Ingold wurde das Planungsbüro mittlerweile damit beauftragt, einen Kostenvoranschlag für die notwendige Signalisation auszuarbeiten. Sobald dieser vorliege, werde man die Anordnung ausschreiben. Ingold geht davon aus, dass dies im September so weit sein dürfte. 

«Zum Schreien» findet SVP-Gemeinderat Daniel Burkhardt die Pläne des Stadtrats. «Man kann doch nicht auf einer Hauptverkehrsachse Tempo 30 einführen und damit den Verkehrsfluss massiv behindern, das gibt zwangsläufig nur noch mehr Chaos. Für mich dient diese Massnahme nur einem Zweck: die Autofahrer zu gängeln.»

Er glaube auch nicht, dass sich die Anordnung so günstig durchsetzen lässt, wie das der Stadtrat vorhat: «Damit sich die Autofahrer daran halten, braucht es ganz sicher mehr als nur ein paar Tafeln, sondern Schwellen und Strassenverengungen, und dann wird es sehr schnell sehr teuer – und katastrophal für den Berufsverkehr.»

Burkhardt wirft dem Stadtrat weiter vor, mit seiner Verkehrspolitik innert kürzester Zeit eine «180-Grad-Kehrtwende» vollzogen zu haben. «Unsere Regierung hat sich wiederholt gegen die flächendeckende Einführung von Tempo 30 ausgesprochen und stattdessen punktuelle Massnahmen zum Beispiel vor Schulhäusern in Aussicht gestellt, die der Sicherheit dienen. Davon kann jetzt aber nicht mehr die Rede sein.» Am schlimmsten findet er, dass das Vorhaben «bis weit in die Mitte» geduldet würden.

Aus dem Budget streichen

Die SVP werde sich jedenfalls gegen die Pläne wehren, hält Burkhardt fest. «Sobald die Massnahme amtlich publiziert wird, kann man dagegen rekurrieren.» Eine weitere Möglichkeit biete sich in der Budgetdebatte. «Ende 2015 haben wir den Betrag gestrichen, mit dem der Stadtrat den Adlerplatz zu einem Pseudo-Park umfunktionieren wollte. Das werden wir ganz bestimmt wiederholen, wenn es nötig sein sollte.»

«Ich möchte wissen, wie die Massnahme am Bahnhof mit dem Bus-Konzept zusammenspielt.»

Theo Johner (BDP), Gemeinderat

Stadtpräsident Ingold wehrt sich gegen den Vorwurf, eine verkehrspolitische Kehrtwende vollzogen zu haben. «Wir haben in dem betroffenen Gebiet ein Problem, und das gehen wir an», sagt er. «Ausserdem befinden sich in dem Perimeter eine Schule und ein Kindergarten, und da wird die Schulwegsicherheit durch Tempo 30 deutlich verbessert.» Was die Ankündigung Burkhardts im Hinblick auf die Budgetdebatte betrifft, gibt sich Ingold unbeeindruckt: «Das letzte Mal haben wir nachgegeben. Dieses Jahr wird das nicht passieren.»

Weiterer Vorstoss zu Tempo 30

Aus dem Gemeinderat kamen in den letzten Jahren wiederholt Vorstösse zum Thema Tempo 30. Zuletzt war es eine Motion, mit der die BDP/CVP/EVP-Fraktion die Einführung von Tempo 30 auf Quartierstrassen fordert, was der Stadtrat zugunsten von den erwähnten «punktuellen Massnahmen» ablehnt. Das zumindest schrieb er in seiner Antwort auf eine Interpellation mit vergleichbarer Stossrichtung von Tanja Boesch (EVP).

Gemäss Erstunterzeichner Theo Johner (BDP) habe man in der Motion das Stadtzentrum bewusst ausgeklammert. «Nicht weil wir gegen eine Verkehrsberuhigung in dem Gebiet wären. Aber das Zentrum macht eine separate Betrachtung nötig.» Grundsätzlich könne er sich mit den Plänen des Stadtrats anfreunden, sagt Johner. Es gebe aber schon noch ein paar offene Fragen. «Ich möchte zum Beispiel wissen, wie die Massnahme am Bahnhof mit dem Bus-Konzept zusammenspielt.»

Wesentlich euphorischer ist Angelika Murer Mikolasek (GLP/GEU), die sich mit politischen Vorstössen wiederholt für Tempo 30 stark gemacht hat. «Ich bin positiv überrascht von den Plänen des Stadtrats», sagt sie. Das Raserproblem auf der Bahnhofstrasse sei gravierend. Und auch am Lindenplatz komme es regelmässig zu gefährlichen Situationen. «So gesehen, sind es genau die richtigen Strassen, die jetzt beruhigt werden sollen.»

Bauliche Massnahmen nötig? 

Murer Mikolasek geht einig mit dem Stadtrat, dass es für die geplante Tempo-30-Zone keine baulichen Massnahmen braucht. «Eine Signalisation reicht», sagt sie. «Man darf erwarten, dass die Autofahrer sich an die Vorschriften halten. Ansonsten müsste man im Tempo-50-Bereich ja auch Schwellen einbauen.»

Dass der Stadtrat eine verkehrspolitische Kehrtwende vollzogen hat, findet Murer Mikolasek nicht. «Im Gegenteil: Sein Nein zu einer flächendeckenden Tempo-30-Zone hat er stets damit begründet, dass er solche Massnahmen nur an Brennpunkten realisieren möchte. Und genau das hat er jetzt vor.»

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