Jubiläumsanlass in Gefahr: Highland Games stehen vor dem Aus
«Als ich die Highland Games im Jahr 2001 nach Fehraltorf brachte, gab ich mir zehn Jahre. Zehn Jahre, in denen der Anlass grossartig läuft, bevor Nachahmer kommen, die Besucherzahlen zurückgehen und die Sponsoren ausbleiben. Ich sollte Recht behalten.» Christoph Kessler seufzt, bevor er weiterspricht. «Der diesjährige Anlass wird zeigen, ob wir das 20-Jahr-Jubiläum nächstes Jahr überhaupt feiern können.»
Kessler ist Ehrenpräsident des Vereins Highlander Fehraltorf und Initiant der jährlich stattfindenden schottischen Traditionsspiele auf dem Flugplatz Speck in Fehraltorf. Seit Anfang Mai können sich Kämpfer und Clans auf der Homepage des Vereins für die diesjährigen Spiele vom 1. bis am 3. August anmelden – mit dem Hintergedanken, dass es die letzten sein könnten.
Gründe dafür gibt es gemäss Kessler diverse. Ein Aspekt seien die Finanzen. Um die stehe es im Verein nämlich nicht gut. «Aufwand und Ertrag stimmen nicht mehr. Wir müssen laufend mehr Auflagen erfüllen, was dazu führt, dass wir mehr Ausgaben haben. Die Einnahmen steigen hingegen nicht.»
Die folgeschwere Hitzewelle
Als Beispiel nennt Kessler die Sanität. 2015 kostete das Bereitstellen von Sanitätern um die 2000 Franken – letztes Jahr seien es über 8000 Franken gewesen. «Das nagt am Budget.» Auch hätten sie Pech gehabt mit der letztjährigen Hitzewelle. «Wir mussten mehr Schattenplätze und Wasser garantieren, die Kosten stiegen dadurch.» Gleichzeitig war es so heiss, dass die Besucher gar nicht erst auftauchten und Einnahmen ausblieben. «Ein herber Rückschlag für uns», sagt Kessler.
«Im Gegensatz zu früher kommen heute keine Besucher mehr aus St. Gallen extra nach Fehraltorf.»
Christoph Kessler, Ehrenpräsident Verein Highlander Fehraltorf
Hinzu komme, wie er es vorausgesehen habe, die immer grösser werdende Konkurrenz. So zum Beispiel die Highland Games in Abtwil oder das Mittelalterspektakel in Hinwil. «Mittlerweile findet man an jeder Ecke einen Anlass, der in die Richtung geht.» Die Fehraltorfer Spiele seien zwar in ihrem Konzept einzigartig – nicht aber, was das historische Thema angeht. «Im Gegensatz zu früher kommen heute keine Besucher mehr aus St. Gallen extra nach Fehraltorf für die Highland Games, wenn es einen ähnlichen Anlass auch in Abtwil gibt.»
Motiviert und frustriert
Zwischen all den negativen Punkten betont Christoph Kessler immer wieder, dass das Organisationskomittee topmotiviert sei, einen unvergesslichen Anlass auf die Beine zu stellen. Die meisten OK-Mitglieder seien seit über zehn Jahren mit von der Partie. «Es ist halt frustrierend, wenn viel Herzblut investiert, das jedoch nicht geschätzt wird.»
Damit spielt der Ehrenpräsident auf das Verhalten der Besucher an. «Natürlich kann man nicht alle in einen Topf werfen. Viele schauen aber nur noch darauf, wie viel ein Mineral kostet und bewerten den ganzen Anlass danach.» Dass hinter den Highland Games ein grosses Engagement liegt, sei zweitrangig. «Der Wille, Getränke und Essen vor Ort zu konsumieren, hat abgenommen. Möchte man jedoch ein Picknick-Areal zu Verfügung stellen, stösst das den anderen sauer auf», erzählt Kessler. «Allen Interessen gerecht zu werden und gleichzeitig einen rentablen Anlass zu organisieren, ist immer schwieriger geworden.»
Auch die Suche nach Geldgebern habe seine Tücken. «Wir spüren die Nachwehen des vereinsinternen Knatsches von vor zwei Jahren. Bei Sponsorenanfragen höre ich oft: Was, euch gibt es noch?». Falschinformationen, die damals verbreitet worden sind, seien heute zum Teil noch in den Köpfen der Leute verankert. «Das behindert uns ebenfalls bei unserer Arbeit. Zusammengefasst haben sich die Umstände einfach extrem geändert.»
«Back to the roots»
Konsequenzen, um direkt am Anlass Kosten zu sparen, würden in den meisten Fällen Qualitätseinbussen mit sich bringen. «Klar könnte man statt modernen Toilettenanlagen einfach ein Loch graben. Ob das den Besuchern gefallen würde, ist aber fragwürdig», sagt Kessler mit einem Schmunzeln. Aus diesem Grund habe man bei der Organisation der diesjährigen Spiele das Motto «Back to the Roots» stets im Hinterkopf behalten. «Ein bisschen weniger ausgefallen, ein bisschen mehr Highlander-Feeling. Das ist die Devise, wie man vielleicht auch Geld sparen kann. Zum Beispiel, indem man statt drei Bars nur eine Bar zu Verfügung stellt.»
Christoph Kessler hofft darauf, dass sich auch dieses Jahr fleissig Teams und Kämpfer anmelden. Die bereits eingegangenen Anmeldungen lassen darauf hoffen. «Einige Clans haben sich sogar einen Wecker gestellt, dass sie sich gleich zu Beginn anmelden können und einen sicheren Platz an den Fehraltorfer Games haben.»