Greifenseeschiff voraus, Augen auf – Vögel beobachten
Ist es am Samstagmorgen um 5.45 Uhr bereits zu spät, um Vögel auf dem Greifensee zu beobachten? Rangerin Maria Rohrer von der Greifensee-Stiftung, die das Ornithologie Frühschiff von der Ablegestation Maur aus begleitete, bejaht: «Einige Vögel sind schon eine Stunde vor Sonnenaufgang wach.» Demnach hätte die «Stadt Uster» der Greifensee Schifffahrt schon um etwa 5 Uhr losfahren sollen.
Das störte aber die wenigsten der etwa 60 Passagiere, die sich im Unterdeck, der gut beheizten Kabine des Schiffes, erst mal einen Kaffee oder etwas zu Essen vom Morgenbuffet gönnten. Zu Beginn sassen alle noch im warmen Nest und mieden den kühlen «Horst» auf dem Oberdeck. Die Rundfahrt gehört ab dieser Saison neu zum Angebot der kulinarischen Themenschiffe der Schifffahrtgenossenschaft Greifensee. Diese wirbt mit dem Slogan «Der frühe Vogel fängt das Bild» dafür.
Teure Fotoausrüstung
Ein solcher Vogel ist der Hobbyfotograf Peter Schwager aus Fällanden. Seine Fotoausrüstung trug er in einem Koffer mit. Ein Riesenapparat von einem Teleobjektiv war bereits an seiner Kamera montiert. Schwager sagte: «Das Teleobjektiv habe ich neu gekauft und es hat etwa so viel wie ein Kleinwagen gekostet. Mal schauen, was sich damit auf dem Greifensee ablichten lässt.» Sonst sei er in Island, Grönland und Neuseeland unterwegs.
«Das Teleobjektiv habe ich neu gekauft und es hat etwa so viel wie ein Kleinwagen gekostet. »
Peter Schwager, Hobbyfotograf
Nachdem Rangerin Rohrer die Passagiere über die Lautsprecher begrüsst hatte und sich auf das Oberdeck begab, folgten ihr erst spärlich, danach in grösserer Schar die Leute. Mit einem Mikrofon und einem Fernglas ausgestattet, erklärte sie die Vogelwelt. «Auf der Wiese sieht man eine Ringeltaube, die man an ihrem weissen Gefieder am Genick und dem weissen Flügelband erkennt. Der Kohlemeisengesang hört sich an wie: ‹es schniit›, ‹es schniit›»
Die Hobby-Ornithologen
Dankbar nimmt Rohrer die Hilfe des Hobby-Ornithologen-Ehepaars Schneider an, das wiederholt Vogelarten entdeckte und Informationen dazu gab. Während für die Passagiere eine Kiste mit Feldstechern zur Verfügung stand, brachten die beiden ihre eigenen 60-fach-Zoom-Gläser mit.
Hobby-Ornithologe Stefan Schneider ist Mitglied im Natur- und Heimatschutzverein Egg und hatte einen Vertiefungskurs im Vogelschutzverband Birldlife Zürich besucht. Eben dieser Verband hatte am Wochenende zu Vögel zählen in den eigenen Gärten aufgerufen. Schneider bereute es nicht, diesem Aufruf am Samstag nicht gefolgt zu sein, zumal sein Garten ziemlich klein sei: «Die Sicht auf dem See ist toll. Normalerweise müssen wir die Vögel vom Ufer aus beobachten.»
Die Rundfahrt biete gute Abwechslung. Für Vogelbeobachter hat er einen Tipp: «Immer die Augen offenhalten. » Und seine Ehefrau Brigitte Schneider ergänzte: «Den Blick nach oben richten und einen Feldstecher dabei haben.»
Die verpasste Ente
Während der Rundfahrt wurde das Schiff dann und wann in Ufernähe angehalten. So konnten die Leute in Ruhe Vögel beobachten. Wenn Rangerin Rohrer nichts erzählte, war es zuweilen so ruhig, dass bei einem lauten «Gaaaack» mehrere Leute erschrocken ins Wasser gefallen wären. Doch die Kinder, die dafür gut gewesen wären, lümmelten längst in der beheizten Kabine herum. Bei ihnen waren einige Senioren, die vom windgeschützten Platz aus mit ihren Feldstechern die Ufer absuchten. Und ein Pärchen knutschte von allen Passagieren abgewandt an einer Reling.
«Gleichzeitig reden, beobachten und Auskunft geben ist nicht so einfach.»
Maria Rohrer, Rangerin von der Greifensee-Stiftung
Plötzlich entdeckte Hobby-Ornithologe Stefan Schneider etwas: Eine Knäckente. Er berichtete das der Rangerin. Diese meldete über den Lautsprecher: «Soeben haben wir eine Knäckente verpasst.» Diese sei als Wintergast hier und haben einen weissen Streifen über dem Auge.
Die «Stadt Uster» fuhr dann kurz vor 9 Uhr wieder in Maur ein. Für Rangerin Rohrer war der Tag ein Erfolg. Sie habe positive Rückmeldungen von den Passagieren erhalten und lobte die Schifffahrtsgenossenschaft. Allerdings wäre für die nächste Rundfahrt ein zweiter Ranger hilfreich: «Gleichzeitig reden, beobachten und Auskunft geben ist nicht so einfach.»
