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Ein Unfall als Ursprung der Maurmer Gebührensackdebatte

Bürger fordern vom Maurmer Gemeinderat Gebührensäcke aus Schweizer Produktion. Dass es heimische Alternativen zu den ausländischen Säcken gehabt hätte, wusste ein Binzer – aber nicht der Gemeinderat.

Der Unfall des Lastwagens mit den Maurmer Gebührensäcken sorgte für eine Lieferverzögerung und war der Beginn der Debatte..., ... über Kehrichtsäcke aus ausländischer Produktion.

Symbolbild: Seraina Boner

Ein Unfall als Ursprung der Maurmer Gebührensackdebatte

Die Geschichte der neuen Maurmer Gebührensäcke begann mit einem Knall: Im Februar dieses Jahres hatte ein Lastwagen beladen mit den Gemeindegebührensäcken einen Unfall in Frankreich. Der Gemeinderat musste daraufhin die Lieferverzögerung der Abfallsäcke aufgrund dieses Zwischenfalls bekanntgeben.

«Es war dem Gemeinderat nicht bekannt, dass noch eine Schweizer Firma Kehrichtsäcke herstellt.»

Gemeinderat Maur

Anschliessend haben sich Leserbriefschreiber der Maurmer Post gemeldet und kritisiert, dass  die Säcke aus ausländischer Produktion stammen. Die Gemeindeverwaltung rechtfertigte den Kauf mit der Begründung, dass in der Schweiz keine Abfallsäcke mehr produziert würden. Ein Irrtum, wie ein Claudio Passini aus Binz jetzt h erausgefunden hat.

«Als kritischer Leser konnte ich nicht glauben, dass keine Schweizer Firma Gebührensäcke herstellt.»

Claudio Passini aus Binz

In einem Leserbrief an die Maurmer Post äusserte er sich zu den Gebührensäcken der Gemeinde: «Als kritischer Leser konnte ich nicht glauben, dass keine Schweizer Firma Gebührensäcke herstellt.» Eine kurze Suche auf einer gängigen Plattform habe ihn zur Firma Toppac in Schwarzenbach geführt. Passini habe auch direkt bei der Firma nachgefragt und man habe ihm dies bestätigt. Seine Schlussfolgerung: «Es gäbe demnach andere Lösungen mit Wertschöpfung in der Schweiz».

Gemeinderat wusste es nicht

Auf Passinis Leserbrief nahm der Gemeinderat Maur Stellung: «Es war dem Gemeinderat nicht bekannt, dass noch eine Schweizer Firma Kehrichtsäcke herstellt.» Er habe den Auskünfte der angefragten Stellen vertraut, welche auch durch einen Medienbericht vom März 2016 untermauert wurden, wonach der letzte Schweizer Hersteller von Kehrichtsäcken aus dem Geschäft ausgestiegen sei. Unter anderem berichtete der Blick darüber.

«Die Swissness kann aber nicht das einzige Vergabekriterium sein.»

Markus Gossweiler, Gemeindeschreiber Maur

Der Maurmer Gemeinderat stützte sich auch auf die Aussagen der Egger Firma Fo-Security. Diese übernimmt seit diesem Jahr die Gebührensacklogistik für die Gemeinde. FO-Security habe geprüft, ob es möglich wäre, die Säcke in der Schweiz produzieren zu lassen, sagte eine Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung im Interview mit der Maurmer Post. Das sei aber als «nicht realisierbar»  beurteilt worden – auch wegen der hohen Kosten. So kam es, dass die Gemeinde Maur ihre Abfallsäcke heute aus Spanien bezieht.

Swissness vs Rohölanteil

Gemeindeschreiber Markus Gossweiler sagt, dass diese Fehlinformationen bedauerlich seien. «Es war dem Gemeinderat ein Anliegen, dass die neuen Säcke die Umwelt möglichst wenig belasten». Bei der Produktion der Gebührensäcke müsse auch der Rohölanteil und der Transportaufwand berücksichtigt werden. Bei einer nächsten Beschaffung werde selbstverständlich berücksichtigt, dass solche Säcke auch in der Schweiz produziert werden. «Die Swissness kann aber nicht das einzige Vergabekriterium sein».

Für den Ebmatinger Patrick Brunner, der sich in der Vergangenheit ebenfalls kritisch zum Kauf der ausländischen Gebührensäcken der Gemeinde Maur geäussert hatte, wäre aber die Produktion in der Schweiz wichtig. So sagt Brunner: «Die Gemeinde hat das Kriterium wohl vergessen oder zuwenig gewichtet. Bei der Produktion von Gebührensäcken gehören auch Kriterien der Nachhaltigkeit in den Anforderungskatalog. Als Abnehmer von Gebührensäcken hat man beim Einkauf keine Auswahlfreiheit.»

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