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Wenn die Party 50 Stunden dauert

Von Freitagabend bis Sonntag in der Früh war die Kulturfabrik Wetzikon am Beben. Eine 50 Stunden dauernde Party, die wohl ihre eigenen Erwartungen übertroffen hat.

Urs Weisskopf

Wenn die Party 50 Stunden dauert

Die Organisatoren um «Echo Kollektiv», «Female Fatale», «MP25» und «Beifuss» haben einen einmaligen «Rave» auf die Beine gestellt, den Wetzikon so schnell nicht vergessen wird.

Hintenherum durch die Büsche über das kleine Metallbrückchen marschiert und schon ist da eine neue, buntdurchmischte Welt – die ganze Szenerie der Kulturfabrik ist von ihr erfasst. Überall tummeln sich Leute. Ob erst vor kurzem die Volljährigkeit erreicht oder schon graue Haare auf dem Kopf – wie es scheint, versteht sich jeder mit jedem.

Neben einem kleinen Essensstand, wo zum Beispiel frische Melonen zu kaufen sind, lodert ein grosses Feuer. Ein alternativer Typ mit Rastas und kurzen Hosen meint: «Friedlich hier, oder?!? Hat nichts mit der langweiligen Clubszene gemein.» Unübersehbar sticht ein zirka drei Meter hoher, selbstgebastelter Flamingo ins Auge. Aber er heisst gar nicht Flamingo, er trägt das Schild mit dem Namen «Flamongo».

Schon bald ist es Mitternacht und wie es scheint, kommt das Festival erst gerade richtig ins Rollen. Noch tummeln sich viele Gäste draussen herum, sitzen im Kreis um ein Feuer oder lümmeln auf der Rampe vor dem Eingang.

Alles spricht mit allem – Gejohle, lautes Gelächter, soziale Glückseligkeit. Die alten Scheiben der Fabrik vibrieren im Takt. Bei einem alten Bus mit einer Zebrastreifen-Lackierung gibt es das wichtige «Bändeli» für den Eintritt.

Eine hübsche Frau in einem roten Zirkus-Kostüm und Zylinder auf dem Kopf, als würde sie gerne Programmhefte verkaufen, begrüsst uns enthusiastisch: «Willkommen! Schön das ihr auch hier seid. Ich wünsche gute Impulse und langes Durchhaltevermögen.»

Unterschiedliche Stimmungsfelder

Vor dem Eintreten ins Innere dieser subtilen Welt, fühlt man sich wie ein Kind vor dem Öffnen des Überraschungsglaces – es will nun endlich wissen, was es da drin zu finden gibt. Es ist das Gefühl der Freiheit, nach Klang, rundum gut gelaunten «Ravern» und spielendem Licht. Eine melodiöse Klangwelt und perfekt abgestimmte Lichtfelder, die alles wie in einem imaginären Spaceshuttle in die Unendlichkeit fliegen lässt, bis am Sonntagmorgen das «Realitätstelefon» klingelt. Doch soweit ist es noch lange nicht.

Unterdessen lassen die experimentellen Dekorationen, lockeren Kontakte, leuchtenden Augen, dröhnenden Bässe und Melodien, die unterschiedlichsten Gäste zu einer gleichgesinnten Einheit verschmelzen. Aus der einen Seite der Fabrik ist «Downbeat» zu hören, aus einer anderen Richtung «Noise Psychodelic Rock». Wer im Gedränge gerempelt wird, lacht dem Rempler zu und gibt ihm einen netten Klaps auf die Schulter. Nirgendwo Spannung oder ein Gefühl der Aggression.

Erst gilt es jede Ecke und jeden Winkel dieser kreativen, zum Abdriften neigenden Welt zu entdecken. Gerade durch den Eingang nach hinten spaziert, landen wir in der alten Werkstatt.

Mittendrin hängt die wohl grösste Discokugel, welche die Welt je gesehen hat. «Ich glaube die haben die selbst gebaut und zusammengebastelt», meint ein verschwitzter Typ, der sich auf der Holzbank nebenan gerade eine ruhige Minute gönnt. Auf die Frage ob er sich gut fühle, sagt er: «Klar, brauch nur zehn Minuten. Aber was macht ihr hier, geht mal in den oberen Stock, da geht’s gerade heftig ab.»

Seinem Rat gefolgt, quer durch die Halle vorbei an dem pink leuchtenden Raum mit unzähligen Kissen auf dem Boden, die Treppe hinauf, wird der Raum mit neonleuchtenden Laser-Fäden an der Decke von so heftigen Minimal-Bässen erfasst, dass sich die eigene Herzfrequenz beinahe dem Rhythmus fügt.

Bis Sonnenlicht durch die Abdeckung dringt

Die Nacht streift im Nu vorbei. Das Zeitgefühl geht verloren. Je länger die Party dauert, desto mehr sammelt sich das meiste Publikum in der Halle, wo die grösste Tanzfläche zur Verfügung steht. An der Leinwand neben den DJ’s läuft ein projiziertes «Visual» Spektakel. Aber was war nun zuerst, der Klang oder das Licht? Das spielt keine Rolle, es zählt nur der Moment.

Erst als das Tageslicht schleichend durch die abgedeckten Scheiben dringt, verkleinert sich die Szenerie. Ein paar unaufhaltsame Tänzerinnen und Tänzer halten durch, ein paar andere treffen sich draussen oder suchen sich irgendwo ein bisschen Ruhe und Erholung, bis sie am Nachmittag oder Abend zurückkehren und Musik von immer wieder neuen DJ’s auf sie wartet. Erst gegen Sonntagmorgen ist die «subtile» Klang- und Lichtreise auch für die fittesten «Raver» zu Ende.

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