Ustermer Familie ist unter den Terroropfern
In den letzten Jahren haben die beiden Ustermer an ihrem Wohnort immer wieder Anlässe organisiert, von Konzerten über Kunstevents bis hin zu Marktverkäufen. 2017 kam ein erster Laden, der Sawariappa Shop, hinzu. Dieser wurde erst im vergangenen November durch den Sawariappa Social Shopping Shop an einem neuem Standort abgelöst. Das Geschäft wie die verschiedenen Benefizanlässe hatten nur einen Zweck: Geld zu sammeln für den Aufbau einer Schule für die «Ärmsten der Armen», wie es die Initiantin formuliert hatte.
Selbstmordattentäter schlug zu
Dieses Engagement kommt nun zu einem abrupten Ende: Das Ehepaar sowie deren zwölfjährige Tochter sind am Sonntag bei den Anschlägen auf Sri Lanka umgekommen, wie aus dem Umfeld der Familie zu erfahren ist.
Die holländische Newsplattform AD vermeldet unter Berufung auf Verwandte, dass sie bei der Attacke auf das Cinnamon Grand Hotel in Colombo gestorben seien. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich beim Frühstück in die Luft. Die Mutter weilte schon einige Zeit auf Sri Lanka. Sie hielt sich in der Hauptstadt auf, um ihren Mann und die Tochter zu empfangen, die erst am Wochenende nachgereist waren.
Platz für 30 Schüler
Die Verstorbene war 1977 als Siebenjährige von einem in der Schweiz lebenden holländischen Ehepaar adoptiert worden. Sie ging hier zur Schule und absolvierte eine Lehre als Floristin. 2011 machte sie sich in Sri Lanka auf die Suche nach ihren Geschwistern in einem kleinen Dorf in der Nähe der Stadt Gampola im Zentrum der Insel. «Alle sechs schufteten in einer Teeplantage und konnten weder richtig lesen noch schreiben», erzählte sie vor einem halben Jahr dem «Anzeiger von Uster».
Nachdem sie zunächst einige Zeit lang ihre Geschwister direkt unterstützte hatte, reifte bei ihr und ihrem Mann die Idee zum Bau einer Schule, um den indischen Tamilen eine Ausbildung zu ermöglichen. «Geplant ist ein Internat für zunächst etwa 30 Kinder. Sie werden jeweils am Sonntagabend von zu Hause abgeholt und am späten Freitagnachmittag zurück gebracht», hielt sie 2016 fest.
Die Schülerinnen und Schüler rekrutiert die Sawariappa School in Siedlungen wie Hungalawatta und unter den Ärmsten in Gampola. «Der Unterricht orientiert sich einerseits am srilankischen Schulsystem. Jedoch weht in der Sawariappa School ein demokratisch-freiheitlicher Geist, der den sich bereits in Gang befindlichen Modernisierungsprozess fördert.»
Ungewisse Zukunft für Projekt
Das grösste Hindernis war die Finanzierung des Projektes. Zu den Baukosten, die sie für Schul- und Wohntrakt sowie eine Turnhalle auf rund 200‘000 Franken veranschlagte, kommen jährliche Lohnkosten von etwa 25‘000 Franken. Das Startkapital von 10‘000 Franken war dank der intensiven Werbetätigkeit bald erreicht. Vor einem Jahr, am 3. April, wurde der Grundstein für die Schule gelegt. «Das Schulhaus liegt ausserhalb von Gampola mit seinen Slums mitten im schönsten Urwald», hielt die Initiantin fest. Während ihres jetzigen Besuchs wollte sie die Bauarbeiten mitverfolgen und die Ausstaffierung der Schule vorantreiben.
Wie und ob es überhaupt mit dem Schulprojekt weitergeht, ist nach dem gewaltsamen Tod der beiden engagierten Helfer aus der Schweiz völlig offen. Der Name Sawariappa School ehrte, wie die Initiantin in einem vor drei Jahren verfassten Aufsatz festhielt, das Andenken an ihre leiblichen Eltern. Diese waren 1972 umgekommen – ermordet von Extremisten.
