Zerstörungswut auf dem einstigen Waro-Areal in Volketswil
Die Szenerie erinnert an eine Postapokalypse. Eine verlassene Liegenschaft im Industriequartier, ein düsteres Parkgeschoss, eine gespenstisch leere Einkaufspassage. Die Wände sind mit Graffitis besprüht. «Gott hat diesen Ort verlassen», lautet die Botschaft von einem. Der Betonboden auf dem Parkdeck glitzert – überall sind Scherben vorzufinden. Lampen gibt es keine mehr. Jede einzelne ist zertrümmert worden. Auch Fensterscheiben sind zerstört. An mehreren Eingängen sind Holzbretter angebracht, die vor dem Eindringen abhalten sollen. Die Überbleibsel von Feuerwerkskörpern liegen herum und auch Brandspuren sind vorzufinden.
Was wie eine Filmkulisse wirkt, ist tatsächlich Realität – und zwar an der Brunnenstrasse 10 in Zimikon. Dort steht im Industriequartier das ehemalige Waro-Gebäude. Einst war das gelbe Haus mit zwei Parkgeschossen ein Einkaufshaus. Fust und Toptip hatten sich dort eingemietet. Im Untergeschoss gab es ein Restaurant.
Eine Liegenschaft, viele Pläne
Die Liegenschaft, die Coop gehört, hat eine Nutzfläche von insgesamt 32‘000 Quadratmetern. Inzwischen steht sie seit zirka vier Jahren leer. Pläne zur künftigen Nutzung des Gebäudes, gab es in der Vergangenheit viele. Weil es 2012 von einem Hagelsturm stark beschädigt wurde, hiess es damals, dass das Haus abgerissen werden muss. Passiert ist bisher nichts. Später kam die Idee auf, an der Stelle des ehemaligen Waro-Gebäudes ein Logistikzentrum zu bauen. Aber auch das wurde nicht realisiert.
Ein paar Mal hat Coop die ehemalige Toptip-Filiale zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt. So quartierte sich im Februar 2013 vorübergehend das Autohaus Reust in den früheren Räumen des Möbelhauses ein. Zudem habe man die Liegenschaft auch schon für Rettungsorganisationen zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt, sagt Coop.
«Hier gibt es nichts zu holen»
Dann stand das Gebäude offiziell leer. Lebhaft scheint es auf dem Areal in den vergangenen Jahren dennoch gewesen zu sein. Das einstige Waro-Gebäude wurde offenbar zu einem beliebten Treffpunkt. Davon zeugen die vielen Spuren der Vandalen. Offenbar hat man vergeblich versucht, diese Zerstörungswut zu verhindern.
So hängt am ehemaligen Toptip-Eingang ein Schreiben, dass der Hauswart irgendwann dort angebracht hat. «Hier gibt es nichts zu holen», steht dort geschrieben. Zudem appelliert er an die Verantwortlichen, mit der Sachbeschädigung aufzuhören und sich damit nicht die eigene Zukunft zu verbauen. Viel mehr ist auf dem A4-Blatt nicht mehr zu lesen – der Zettel wurde angezündet und die Botschaft des Hauswarts zu Asche gemacht.
Kapo Zürich rückte zweimal aus
Bei Coop will man sich zu diesen Vandalen-Akten nicht äussern. Der Grossverteiler schreibt aber: «Leer stehende Liegenschaften werden oft als Treffpunkt verwendet. Das lässt sich kaum vermeiden.» Auch die Volketswiler Gemeindepolizei gibt keine Informationen. Dazu dürfe man keine Auskunft geben, heisst es. Gemeindeschreiber Beat Grob sagt, die Polizei behalte das Gebäude im Auge. Immer wieder würden Kontrollgänge gemacht. Anzeigen sind laut Grob aber keine eingegangen. «Vandalismus hat die Polizei nicht speziell beobachtet», sagt er.
Logistikzentrum ersetzt Toptip
19.02.2013

Die vom Hagel zerstörte Toptip-Filiale in Volketswil wird vorübergehend zu einem riesigen Showroo Die vom Hagel zerstörte Toptip-Filiale in Volketswil wird vorübergehend zu einem riesigen Showroom für Autos.
Beitrag in Merkliste speichern
Anders bei der Kantonspolizei Zürich. Diese bestätigt, dass sie im vergangenen Jahr zweimal wegen Verdacht auf Sachbeschädigung an diese Adresse ausrücken musste. Ein Strafantrag liege aber nicht vor. «Die Geschädigten haben keinen Anzeige erstattet. Wahrscheinlich weil es sich um ein Abbruchobjekt handelt», vermutet Kapo-Mediensprecher Stefan Oberlin. Mehr Informationen hätten sie nicht.
Coop teilt aber mit, dass das Gebäude verkauft werden soll. Ein Interessent mit Kaufrecht sei vorhanden. Um wen es sich beim Käufer handelt, gibt Coop nicht bekannt. Klar ist nur, dass das einstige Waro-Gebäude in der heutigen Form nicht weiter bestehen wird. «Das Gebäude wird vom neuen Besitzer sicher zurückgebaut werden», heisst es vonseiten Coop.