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«Wir sind keine psychiatrische Klinik»

Im Spital Uster hat eine 80-Jährige Suizid begangen. Direktor Andreas Mühlemann sagt im Interview, wieso das Spital dies nicht verhindern konnte.

Will die Sicherheitsvorkehrungen evaluieren lassen: Andreas Mühlemann, Direktor des Spitals Uster.

PD

«Wir sind keine psychiatrische Klinik»

Eine 80-jährige Frau stürzte sich aus dem dritten Stock ihres Spitals. Können Sie sich an einen vergleichbaren Fall erinnern?
Andreas Mühlemann: Im Spital Uster nicht.

Hätte die Frau nach der Diagnose depressive Störung nicht in ein tiefer liegendes Stockwerk einquartiert werden können?
Wir haben auch im ersten und zweiten Stock Patientenzimmer, das ist richtig. Allerdings sperren wir die Patienten nicht ein. Sie können sich im Spital frei bewegen. Die Raucherterrasse ist beispielsweise im vierten Stock.

Patientin springt aus dem dritten Stock und stirbt

05.04.2019

Spital Uster

Im Spital Uster hat eine 80-jährige Frau Suizid begangen. Beitrag in Merkliste speichern Gibt es Zimmer im Spital ohne Fenster oder mit solchen, die es einem Patienten verunmöglichen aus dem Fenster zu steigen?
Nein. Das Spital ist dafür nicht eingerichtet. Wir sind keine psychiatrische Klinik.

«Bei schwerwiegenden Krankheiten ist auch eine Verlegung in die Intensivstation möglich.»

Andere Spitäler haben Netze vor den Fenstern oder Kippfenster. Sind nach dem Vorfall ähnliche Anpassungen beim Spital Uster denkbar?
Das Bettenhaus im Spital Triemli wurde in den letzten Jahren neu gebaut und hat Netze vor den Fenstern. Unser Neubauprojekt, das zurzeit noch wegen Rekursen blockiert ist, bietet ebenfalls Optionen.

Wird ein Patient mit depressiver Störung besonders streng überwacht?

Im Falle von verhaltensauffälligen Patienten können verschiedene Massnahmen ergriffen werden: vermehrte Aufmerksamkeit, Kontrollen, Visiten der Fachkräfte bis hin zu Sitzwachen rund um die Uhr. Bei schwerwiegenden Krankheiten ist auch eine Verlegung in die Intensivstation mit permanenter Überwachung möglich.

Wenn eine Frau suizidgefährdet ist, wird im Spital Uster ein Notfallpsychiater konsultiert. Trägt eine Person die ganze Verantwortung einer solch schweren Entscheidung allein?

Das Risiko einer Selbst- oder Fremdgefährdung wird von  den behandelnden Ärzten, den Pflegefachkräften und den Angehörigen eingeschätzt. Für den Entscheid wird der Notfallpsychiater beigezogen.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch) – die Beratenden der Dargebotenen Hand sind erfahren darin, auch Menschen mit drängenden Suizidgedanken weiterzuhelfen.

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch) – das Beratungstelefon für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute ist vertraulich, kostenlos und hilft in Krisen weiter. Die Nummer erscheint nicht in der Telefonrechnung.

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