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Fiese Verkehrsplaner schicken Autofahrer auf irrwitzige Umfahrung

Wegen Strassenarbeiten ist die Zufahrt zum Gewerbegebiet Schörli von Hegnau her nicht möglich. Weil die Verantwortlichen den Verkehr nicht im chronisch überlasteten Zentrum haben möchten, lotsen sie die Autofahrer einmal quer durch die Stadt. Ortsunkundige kommen so zu einer kostenlosen Sightseeing-Tour zu Dübendorfs – hust! – schönsten Ecken.

Hier ginge es zum Gewerbegebiet Schörli. Momentan ist die Durchfahrt eher schwierig.

Bilder: Thomas Bacher

Fiese Verkehrsplaner schicken Autofahrer auf irrwitzige Umfahrung

Hübsche Umfahrungstafeln

Beim Mücken-Kreisel auf der Überlandstrasse ist Schluss. Wegen einer Baustelle ist die Zufahrt zum Gewerbegebiet Schörli gesperrt, also hat die Stadt eine lohnenswerte Umfahrung ausgeschildert. Schnallen Sie sich an, liebe Leserin, lieber Leser, und bewundern Sie, was Dübendorf alles zu bieten hat.

 

Eine superlange Hecke

Die Tour beginnt mit einer rekordverdächtig langen Hecke. Sie misst genau 324 Meter, so etwas sieht man auch nicht jeden Tag. Was man nicht sieht, weil es hinter der Hecke verborgen ist: der Militärflugplatz und die Rega-Basis.

 

Das allseits beliebte Flieger- und Flab-Museum

Dübendorf hat nur ein Museum, dafür grad ein richtiges. Wie der Name schon sagt, kann man Flieger und Flab anschauen. Für Pazifisten: «Flab» steht für Fliegerabwehr – also Kanonen, mit denen man die Bösen vom Himmel holt.

 

Ein Stilleben

Stillleben mit Junkfood und einem speziellen Senf, der der Schwerkraft trotzt.

 

Eine Unterführung

Gähn, eine stinknormale Unterführung? Mitnichten! Autofahrer aus Uster reiben sich die Augen, wenn sie diese Unterführung sehen – und fragen sich: «Was? Man kann auch unter den Bahngleisen durchfahren?» Ja, liebe Ustermer, das geht.

 

Ein ganz spezielles Lichtsignal

Das ist die blödeste Kreuzung von Dübendorf: Egal, wann man kommt, immer ists Rot. Das scheint auch auf die Verkehrsteilnehmer abzufärben. Der Typ im schwarzen BMW jedenfalls steht auch ziemlich blöd da.

Pssst, ein kleiner Geheimtipp: Wenn man hier links fährt, dann ist man wesentlich schneller im Gewerbegebiet Schörli, als wenn man den orangen Tafeln folgt. In Zahlen: Diese Umfahrung ist 3,6 Kilometer lang, der städtische Vorschlag führt über nicht weniger als 6,8 Kilometer einmal quer durch Dübendorf. Aber eben, wir wollen ja die schönen Ecken sehen, deshalb gehts hier weiter geradeaus.

 

Eine unsichtbare Zigarettenfabrik

Das ist die Memphis-Kreuzung. Die heisst so, weil hier einst die Memphis-Zigarettenfabrik stand. Eine der damals produzierten Zigi-Marken hiess «Sport». Ja, die Zeiten haben sich geändert. 

 

Ein weiteres Hochhaus

Ein weiteres Hochhaus: Auch hier wird an der Dübendorfer Skyline gebaut. Mit einer Höhe von gerade mal 85 Metern haut das die Dübendorfer natürlich nicht gerade aus den Socken. Aber die Landeier von ausserhalb sind begeistert. 

 

Das Giessen-Dreieck

Ein Grundstück mit Geschichte, denn hier war eigentlich mal das erste Dübendorfer Hochhaus geplant – ein gewaltiger Turm mit 114 Metern. Doch die Gegner formierten sich. Ihnen war das Haus zu hoch und der Wohnanteil zu niedrig. So kam es zum Referendum. Ein paar Tage vor der Abstimmung publizierte der ZO/AvU Informationen, wonach gegen den Besitzer des Grundstücks mehrere Betreibungsverfahren liefen. Prompt wurde das Vorhaben an der Urne bachab geschickt.

Die Auszüge aus dem Betreiberungsregister hatte der Dübendorfer Stadtrat Martin Bäumle (GEU/GLP) an die Medien weitergegeben. In der Folge zeigte SVP-Gemeinderat Orlando Wyss Bäumle wegen Amtsgeheimnisverletzung an. Das Bezirksgericht Uster sprach Bäumle erstinstanzlich schuldig, das Obergericht hob dann aber den Schuldspruch auf. Das Bundesgericht schliesslich stützte diesen Entscheid.

Ein zweiter Gestaltungsplan, der lediglich eine Höhe von 85 Metern und einen niedrigeren Gewerbeanteil vorsieht, wurde schon vor einiger Zeit ausgearbeitet und ist rechtskräftig. Das Grundstück ist aber nach wie vor eine Brache. 

 

Der Tower

Fast versinkt er im grossstädtischen Dunstschleier: Der Jabee-Tower, mit 100 Metern das grösste Wohnhaus der Schweiz. Die Tafeln beweisen es: Wir sind immer noch auf dem richtigen Weg.

 

Urbaner Hotspot

Bei den Kantonsratswahlen erreichte Links-grün in Dübendorf einen Wähleranteil von 25 Prozent. 90 Prozent dieser Stimmen kamen von hier – der Zwicky-Siedlung.

 

Die Glattalbahn

Das ist sie, die Glattalbahn. Das Agglo-Tram war schon in diverse schwere Verkehrsunfälle verwickelt.

 

Mmmmmmmmmmh

Die Fabrikation des belgischen Schoggi-Riesen Barry Callebaut: Hier wird die göttliche Claire-Couverture von Carma hergestellt – milchig, buttrig, mit einer leichten Karamellnote. Seufz.

Ausserdem im Bild: Ein Typ, der bei Rot über die Strasse latscht. 

 

Unter Beobachtung

Container mit Videoüberwachung – gibt es auch nicht an jeder Ecke.

 

Architektur extrem I

Wohnhäuser mit lustigen Runddächern, auch so etwas kann man in Dübendorf bewundern. 

 

Ein grosser Parkplatz

Ein weiterer Höhepunkt auf der Dübi-Sightseeing-Tour: der Chilbi-Platz. Hier ist zwei Mal im Jahr die Chilbi, und auch ab und zu der Zirkus. Ausserdem gibt es sehr viel Platz, um das Auto hinzustellen. Der Chilbi-Platz dient weiter als Ausweich-Parkplatz, wenn im Sommer bei schönem Wetter der Badi-Parkplatz besetzt ist. Jedenfalls wird das so von der Stadt empfohlen. Die Gehdistanz beträgt 865 Meter – mit zwei schreienden Kindern, dem Sonnenschirm, dem Picknick-Korb, zehn Badetüchern und der Familienpackung Sonnencrème unterm Arm ist das gar kein Problem. 

 

Die Super-Anzeige

Dübendorf ist (ausser Züri) weit und breit der einzige Ort, der ein Parkleitsystem hat. Gekostet hat es 330’000 Franken, mehr als die Hälfte davon haben ansässige Firmen übernommen. Das Geld ist gut investiert, denn seit der Installation können die Dübendorfer auf eine der zahlreichen Anzeigentafeln schauen und beruhigt durchatmen: Uff, es hat genug Parkplätze!

 

Das Vintage-Hochhaus

Dieses Gebäude an der Wilstrasse 2 war einst das höchste Wohngebäude im Zentrum der Stadt. Aus heutiger Sicht einfach nur lächerlich, also wirklich. 

 

Die Zentrale der Macht

Das Stadthaus an der Stadthaus-Kreuzung, hier lenken die Mächtigen Dübendorfs die Geschicke der Stadt. Die Grünen sagen, das Gebäude sei eine Energieschleuder. Klar, schliesslich ist Dübendorf eine «Energiestadt». Oder bekommt man das Label für etwas anderes…?

 

Ein Fluss

Die Glatt – das braun-grüne Band durch Dübendorf. Schwimmt man flussaufwärts, ist man von hier in vier Kilometern im Greifensee. Flussabwärts gelangt man in die Nordsee, aber das dauert ein wenig länger. 

 

Architektur extrem II

Die Häuser mit den Runddächern waren ja schon krass, aber das hier ist sogar noch besser. Das Gebäude zwischen der Oskar-Bider und der Usterstrasse hat nämlich einen Grundriss, der exakt einem gleichschenkligen Dreieck entspricht. 

 

Aussicht auf den Aussichtspunkt

Der Raubbühlhügel – einer von Dübendorfs besten Aussichtspunkten. Hier ist der Lieblingsort des Dübendorfer Gemeinderatspräsidenten Paul Steiner. Früher waren die quadratisch angeordneten Bänkli immer von Kiffern besetzt. Irgendwann haben sie dann gemerkt, dass man vom Hügel nicht nur gut runterschauen kann, sondern dass die Sicht umgekehrt ebenso gut ist. 

 

Noch eine Unterführung

Zum Abschluss – extra für die Ustermer – noch eine Unterführung. Es gäbe sogar noch eine weitere, aber irgendwann ist es auch gut.

Im Bild zu sehen sind die ersten Ausläufer des Industrie- und Gewerbegebiets Schörli. Wir sind am Ziel unserer 6,8 Kilometer langen Reise durch Dübendorf angelangt. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, und noch einen schönen Tag.

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