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Katzenmärchen und der Fussballclub sind Teil der Mönchaltorfer Geschichte

Das Dorfarchiv war einst eine Grümpelkammer mitten in Mönchaltorf. Nach der Sanierung und der Entrümpelung öffneten nun die Verantwortlichen die Tore für die Bevölkerung.

Von links: Christa Weisshaupt, Felix Hess, Marlis Schlumpf, Andrea Larry und Gemeindeschreiberin Cornelia Müller., Die Mönchaltorfer SP-Gemeinderätin Andrea Larry fand interessante historische Dokumente, Die historische Bibel wird nur mit Handschuhen angefasst., Jahresberichte und Fotoalben aus der Mönchaltorfer Vergangenheit.

Christian Merz

Katzenmärchen und der Fussballclub sind Teil der Mönchaltorfer Geschichte

Das Untergeschoss des Mönchhofs in Mönchaltorf ist symptomatisch für so viele Bauten in der Schweiz: Es dominiert ein klobiger Schutzraum. Dieser diente dem Mönchaltorfer Gemeinderat einst als Kommandoposten für den Katastrophenfall. Am Donnerstagabend standen vor den dicken Stahlbetonwänden, den grossen Lüftungsrohren und den massiven Türriegeln Apérohäppchen. Zu Feiern gab es nach den Renovationsarbeiten die Wiedereröffnung des historischen Dorfarchivs.

«Im Schutzraum musste der Schimmelpilz entfernt werden.»

Felix Hess, Präsident des Vereins Mönchaltorfer Forum

Vor noch verschlossener Tür und auf engem Raum hielt Felix Hess, Präsident des Vereins Mönchaltorfer Forum, die Eröffnungsrede. Der ehemalige Gemeindepräsident bedankte sich bei den Gemeindevertretern, denn ohne diese wäre die Renovation des Archivs nicht möglich gewesen (siehe Box). Diese war offenbar dringend nötig. So sagte Hess: «Im Schutzraum musste der Schimmelpilz entfernt werden.» Darin sei früher ein Menge Zeugs eingelagert gewesen. Ein Besucher bezeichnetet den vorherigen Zustand des Archivs im Verlauf des Abends gar als Grümpelkammer. Auch Hess machte keinen Hehl aus der unrühmlichen Vergangenheit des Archivs: «Vieles war nicht Archivwürdig».

Die «gute Seele des Archivs»

Als dann die Türen des Archivs geöffnet wurden, konnten die etwa 30 Leute bestaunen, was das Mönchaltorfer Forum für würdig erachtet. So haben unter anderem Möbel mit Schnitzereien des Mönchaltorfer Holzbildbauers Heinrich Berchtold, ein altes Eisengitter mit Ornamenten und eine Bibel von 1712 die Entrümpelung überlebt.

Seit Sommer 2018 war das insbesondere für Vereinsmitglied Christa Weisshaupt eine Menge Arbeit, die bei der Laudatio von Felix Hess beinahe vergessen wurde, dann aber doch noch als «gute Seele des Archivs» geehrt wurde. Weisshaupt sagte bei der Eröffnung: «Am Anfang fand ich das nicht toll hier unten zu arbeiten. Die Luft war vor der Renovation schlecht und ausserdem gab es kaum Tageslicht.»  

«Nach dem Entscheid zur Leistungsvereinbarung, sah ich selbst im fensterlosen Archiv die Morgenröte.»

Christa Weisshaupt, Mitglied Verein Mönchaltorfer Forum

Weisshaupt arbeitete unentgeltlich mehrere Tage in der Woche. Die pensionierte Buchhalterin beurteilte Bücher, Dokumente und sonstige Gegenstände nach historischer Relevanz für die Gemeinde Mönchaltorf. Vieles gab sie an die Zentralbibliothek in Zürich oder an Museen ab. Bücher und Dokumente, die Weisshaupt für historisch wichtig befand, scannte sie ein und stellte sie ins Bücherregal des neu eingerichteten klimatisierten Raums.

Überwachung des Klimas

Dort wird die Temperatur auf 18 Grad und die Luftfeuchtigkeit zwischen 45 und 55 Prozent gehalten. «Das sind die idealen Bedingungen für die Archivierung», sagte Weisshaupt. Zumindest für die Unterlagen sei zudem das fehlende Tageslicht ein Vorteil. Temperatur und Feuchtigkeit werden von Weisshaupt überwacht. «Weichen diese Werte ab, meldet das mein Sender, den ich immer bei mir trage.»  

 

Leistungsvereinbarung rettet Dorfarchiv

2014 war die Auflösung des Dorfarchivs schon fast beschlossen, wie Felix Hess, Präsident des Vereins Mönchaltorfer Forums sagt. «Der Betrieb des Archivs konnte nicht mehr über die schwindenden Mitgliederbeiträge finanziert werden.»
Die Rettung war dann 2018 die vom Gemeinderat genehmigte Leistungsvereinbarung. Eine Abmachung zwischen der Gemeinde und dem Verein Mönchaltorfer Forum. Dieser soll das Dorfarchiv vorerst bis 2020 führen. Die erklärten Ziele sind: das historische Dorfarchiv zu erhalten, weiterzuführen und im digitalen Bereich auszubauen. Die Gemeinde beteiligt sich mit einem jährlichen Beitrag von 8‘400 Franken für die Archivführung. Zudem trägt sie bis 2022 Investitionskosten von 20’750 Franken für die Anpassung der Räume. So wurden die Räume renoviert und ein klimatisierter Archivraum eingerichtet. Weiter übernimmt die Gemeinde die Miete, Reinigung und Leistungen von Verwaltung und Hauswartung in der Höhe von jährlich 11‘660 Franken.

 

Doch nicht am Donnerstagabend. Dann standen die sonst geschlossenen Türen offen und Weisshaupts Sender war abgeschaltet. Der Raum ist etwa 40 Quadratmeter gross. Die Regale mittendrin und an den Wänden liessen den Besuchern in den Zwischenräumen nicht viel Platz aneinander vorbeizukommen.

Das erste Buch im Regal gleich beim Eingang trägt den Titel «Katzenmärchen – Märchenkatzen». Wieso dieses Buch Aufnahme in das Archiv geschafft hatte, erklärte Weisshaupt: «Das Buch stammt vom Nord-Süd-Verlag, der in Mönchaltorf gegründet wurde.»

«Die Entwicklung Mönchaltorfs von einem Bauerndorf in ein Zürcher Agglo-Dorf ist hier umfassend dokumentiert.»

Andrea Larry (SP), Gemeinderätin Mönchaltorf

Auf anderen Regalen sind Fotoalben von Mönchaltorfer Familien und vom FC Mönchaltorf, Jahresberichte vom Musikverein Mönchaltorf und dem Männerchor sowie Zeitungen und Zeitschriften. Es hat noch Platz auf den Regalen.

Digitalisierung schreitet voran

Wie Felix Hess sagte, reichen die leeren Regale für die Zukunft. «Dank der Digitalisierung der Daten, genügt der Platz.» Seit Anfang 2017 werden Zeitungsberichte und andere aktuelle Nachrichten über Mönchaltorf nur noch digital erfasst und nicht mehr physisch im Archiv aufbewahrt.

Am Eröffnungstag genossen die Besucher die greifbare Präsenz der Bücher. Auch die Mönchaltorfer Gemeinderätinnen Andrea Larry und Marlis Schlumpf (beide SP) beugten sich über die Bücher. Das Dorfarchiv sei wichtig für die Gemeinde, betonten beide. Larry sagte: «Die Entwicklung Mönchaltorfs von einem Bauerndorf in ein Zürcher Agglo-Dorf ist hier umfassend dokumentiert.» Und Schlumpf ergänzte: «Details zu den 80er-Jahr-Überbauungen Heugarten und «Bruggächer» sind wunderbar mit Bildern und Texten belegt.»

Für Christa Weisshaupt eine Bestätigung ihrer Arbeit. Diese wolle sie weiterhin ehrenamtlich zur Verfügung stellen. Wie wichtig der Entscheid der Leistungsvereinbarung mit der Gemeinde für sie war, beschrieb Weisshaupt mit den Worten: «Nach dem Entscheid zur Leistungsvereinbarung, sah ich selbst im fensterlosen Archiv die Morgenröte.»

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