Dübendorf schafft Gratisparkplätze ab
In Sachen Parkplatzbewirtschaftung gab es in Dübendorf noch mehrere weisse Flecken: Gratis parkieren konnte man bei der Badi respektive dem benachbarten Kulturzentrum Obere Mühle sowie den Sportanlagen Im Chreis und den Fussballplätzen Buen und Zelgli. Damit ist jetzt endgültig Schluss. Ab dem 1. April sind auch diese Parkplätze gebührenpflichtig.
Eigentlich hätten die Plätze bereits ab September 2018 bewirtschaftet werden sollen. So hatte es Stadtrat Martin Bäumle (GLP/GEU) vor gut einem Jahr angekündigt. Dass es sieben Monate länger gedauert hat, begründet Bäumle unter anderem mit «verwaltungsinternen Abläufen». «Es sind neue Leute hinzugekommen, und es wurden weitere Ideen geprüft.»
Eine Eier legende Wollmilchsau
Bei der Bewirtschaftung handle es sich um einen eigentlichen Pilotversuch. «Wir haben lange nach einer optimalen technischen Lösung für das Bezahlen der Parkgebühren gesucht», sagt Bäumle. Mit dem Ergebnis, dass das gewählte Modell eine Art Eier legende Wollmilchsau ist: Bezahlen kann man an den Park-Säulen mit Kleingeld, kontaktlos mit der EC- oder Kreditkarte, mit Twint, sowie ohne Gang zur Säule per SMS oder einer speziellen App von E24. Die Zürcher Firma, die diese Anwendung entwickelt hat, wird gemäss Bäumle in der Startphase auch die Kontrolle der betreffenden Parkplätze übernehmen.
«Wir wollen nicht von einer einzigen Applikation abhängig sein.»
Martin Bäumle (GLP/GEU), Dübendorfer Stadtrat
Die App von E24 wird aktuell in erster Linie bei Sammelparkplätzen sowie fürs Bezahlen von Waren von Blumenwagen und Hofläden eingesetzt. Wogegen es bereits etablierte Systeme wie etwa Parkingpay gibt, das in zahlreichen Orten wie zum Beispiel in Uster und ebenfalls ab 1. April auch in Zürich zur Anwendung kommt. Gemäss Bäumle hat sich die Stadt bewusst gegen ein System entschieden, das auf einer bestimmten Technologie basiere – sonder für eines, das ortsunabhängig funktioniere.
Schlechte Bewertungen
Beachtet man die Kommentare auf gängigen Plattformen für Handy-Applikationen, dürfte es E24 allerdings nicht leicht haben. Die Beurteilungen reichen über «Schrott» und «unbrauchbar» bis zu «Frechheit». Pargkingpay schneidet im Vergleich besser ab, aber auch hier kritisieren die Benützer, die App sei «benutzerunfreundlich», «langsam» oder «veraltet».
Gemäss Bäumle hätten alle Systeme ihre Vor- und Nachteile. «Auch deshalb wollen wir nicht von einer einzigen Applikation abhängig sein und haben nun fast alle Zahlmöglichkeiten integriert. Weitere Apps könnten später ebenfalls ermöglicht werden. Denn man kann zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich sagen, welche Bezahlmethode sich am Ende durchsetzen wird.» Bei den digitalen Anwendungen fallen laut Bäumle für die Stadt zwar Gebühren an, die seien gegenüber der Kosten für den Betrieb mit Kleingeld aber klar geringer.
Die Höhe der Parkgebühren ist vergleichbar mit den bewirtschafteten Parkplätzen im Zentrum und im Gebiet Hochbord. Die ersten dreissig Minuten sind gratis, danach kostet jede Stunde einen Franken, und dies von 7 bis 22 Uhr. Bäumle ist sich bewusst, dass dies etwa einen Besuch mit dem Auto im Freibad deutlich verteuern wird.
«Dübendorf war weit und breit der einzige Ort, wo es überhaupt noch Gratisparkplätze gab. Und man muss auch sehen, dass durch den Unterhalt von Parkplätzen nicht unerhebliche Kosten entstehen, die bis heute von Fussgängern und Velofahrern mitgetragen wurden. Neu gilt hier das Verursacherprinzip, und so rechnet sich ein Besuch zu Fuss oder mit dem Velo.»
Bereits früher gabs Diskussionen
Bäumle rechnet durchaus nicht nur mit Applaus. «Als wir vor vielen Jahren die Parkplätze bei der Bettli-Kaserne gebührenpflichtig machten, gab das anfangs auch Diskussionen. Aber bald haben die Leute gemerkt, dass es viel mehr freie Plätze hat für die Nutzer, weil die Fläche nicht mehr als kostenloser Park-and-Ride missbraucht wurde.» Denselben Effekt erwartet Bäumle nun wieder. Denn nach wie vor nutzten viele Fremdparkierer die Situation aus. Dies wiederum habe etwa bei Veranstaltungen in der Oberen Mühle regelmässig zu Engpässen geführt.
Von der Gebührenpflicht ausgenommen sind einzig die temporären Parkplätze auf der Hermikonstrasse, die jeweils bei Grossanlässen auf den Sportanlagen Im Chreis gesperrt wird. «Dieses Thema wird in einer zweiten Runde angegangen», sagt Bäumle, «denn dazu benötigen wir erst einmal die Erkenntnisse aus unserem Pilotversuch.»
