Die Obere Mühle wird ein bisschen thailändisch
«Der wöchentliche Arbeitsaufwand betrug schnell mal 80 Stunden. In Zukunft möchte ich mir jedoch wieder mehr Zeit für meine Familie und Freunde nehmen.» Das schrieb Sämi Knill, der Geschäftsleiter der Wirtschaft zur Oberen Mühle, Ende Jahr den Mitgliedern des Stiftungsförderungsvereins in einem Brief. Ende Februar nun hat Knill den Betrieb eingestellt. «Wir bedauern den Entscheid sehr», sagt Rolf Hiltebrand, der Leiter der Oberen Mühle. «Ich kann es aber verstehen, die Präsenzzeiten waren tatsächlich sehr lang, er hatte hier eine intensive Zeit.»
Knill und «sein» Koch Lars Kühn haben nicht nur die Gäste bewirtet, sondern nebenbei auch ein kleines Kulturangebot aufgezogen. So gab es den Piano- und Gitarrenabend sowie regelmässig eine Stubete mit Tanz. «Wir versuchen, diese Formate nach Möglichkeit weiterzuführen», sagt Hiltebrand. Die Stubete etwa werde es weiterhin geben.
Wie in Zürich, aber anders
Wer die Wirtschaft übernehmen wird, ist schon seit einiger Zeit geklärt. Man habe den Betrieb auf einer gängigen Gastro-Plattform ausgeschrieben und sich schliesslich für Désirée Eggli, die Wirtin und Besitzerin des Restaurants Rubina in Zürich, entschieden. Das «Rubina» bietet gutbürgerliche Schweizer Küche mit leichtem französischem und italienischem Einschlag zu Züri-Preisen, ist also nicht ganz günstig.
«Das ist sicherlich ein guter Preis.»
Rolf Hiltebrand, Leiter Obere Mühle
Aber passt das in eine kleine Kulturbeiz in der Agglo? «Das ‹Rubina› wird nicht kopiert», die neue Pächterin plane ein Konzept ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Menschen, die in der Oberen Mühle verkehrten, sagt Hiltebrand und nennt ein Beispiel: «An den Jazz-Tagen etwa gab es einen Dreigänger mit Tomatensuppe, Hackbraten und Schoggimousse für 34 Franken, das ist sicherlich ein guter Preis.»
Imbiss mit Fanclub
Ein Grossteil der Veranstaltungen in der Oberen Mühle wird bereits durch das «Rubina»-Team abgedeckt. Vollumfänglich wird es die Wirtschaft aber erst im September übernehmen. Damit bis dahin die Küche am Mittag nicht kalt bleibt, haben sich die Kulturschaffenden nach Gastronomen umgesehen, denen sie die Aufgabe zutrauen. Dabei fiel die Wahl auf den Thai-Imbiss Suweena, der auf dem Parkplatz vor einem Getränkemarkt in Dübendorf eine ziemlich begeisterte und treue Thaifood-Community versorgt – und nun in der Oberen Mühle erstmals ein festes Dach über dem Kopf hat.
